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  • Carina Feichtlbauer
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  • 30.10.2020

Das Corona Semester – Meine Erfahrungen als Erstsemester während dem Lockdown

Das Medizinstudium ist ein Präsenzstudium. Nicht so in diesem Jahr. Carina erählt, wie sie ins Medizinstudium gestartet ist - online und ohne je einen Hörsaal betreten zu haben.

 

„Normalerweise hättet ihr heute die Ersti-Rallye und die Ersti-Party gehabt… Dieses Jahr gibt es stattdessen eine Zoomkonferenz.“ Das war einer der ersten Sätze, die ich in meinem 1. Semester des Medizinstudiums hörte. Nicht besonders motivierend. Und das „Normalerweise“ zog sich durch das ganze Semester. „Normalerweise gäbe es ein Erstiwochenende“, „Normalerweise hättet ihr diesen Kurs im Anatomiegebäude.“ „Normalerweise laufen die ersten Tage anders ab.“ Man gewöhnte sich schnell daran. Normalerweise ist alles so und so, aber dieses Jahr leider ganz anders. Denn mein erstes Semester begann im April 2020, ungefähr einen Monat nach Bekanntgabe des Corona-Lockdowns.


Das Studium startete als Fernstudium. Die meisten meiner Kommilitonen hatten noch nicht einmal eine Wohnung in Erlangen. Wozu auch? Monatelang Miete zahlen für nichts. Keiner wusste, wann wieder Normalität eintreten würde, wann das richtige Studium in Erlangen überhaupt beginnen würde. Alle Fächer wurden in Windeseile auf Online-Kurse umgestellt. Die erste Prüfung, Termi – normalerweise ein Kurs mit Anwesenheitspflicht -, bei uns ein Online Kurs, bei dem man sich einfach durchklicken konnte. Am Ende eine Open Book Klausur, auch von Zuhause aus. Alle anderen Kurse bestanden ebenso lediglich aus online verfügbaren Dokumenten und aufgezeichneten Vorlesungsvideos.


Anatomie war die einzige Vorlesung, die live über Zoom abgehalten wurde. Der einzige Termin in der Woche, in der sich meine über 200 Kommilitonen einmal alle gleichzeitig vor dem Laptop trafen und dem Professor lauschten. Natürlich blieb fast ausnahmslos jede Kamera schwarz. Das ein oder andere Gesicht kannte man aber nach einiger Zeit. Immer dieselben Leute, die Fragen stellten und dafür ihre Kamera an machten. Die ersten Gesichter, die man sah, aus der Meute, mit der man nun mehrere Jahre verbringen würde.


Dass diese Tatsache beinahe alle störte, zeigte sich schnell. Es wurde eine Whatsapp-Gruppe eröffnet, in der der immer mal wieder einzelne Kommilitonen fragten, ob man zusammen etwas unternehmen wolle. Die Resonanz war beinahe jedes Mal überwältigend. So viele Mitstudenten wollten sich treffen, dass es schon fast nicht mehr mit gutem Gewissen möglich war. Corona war zu dieser Zeit noch nicht vorbei. Im Gegenteil. Trotzdem bildeten sich durch besagte Gruppe immer öfter kleine Treffen, in denen man sich das erste Mal kennen lernen konnte. Von einer Ersti Zeit, wie man sie sich vorstellt, mit Erstsemester-Partys, Bartouren und zahlreichen neuen Freundschaften waren wir jedoch immer noch weit entfernt.


Der erste Termin, zu dem man zumindest einmal einen Teil der Mitstudenten sehen durfte, waren die Prüfungen. Psychologie/Soziologie und Biologie wurden in Präsenz geschrieben. Das erste Mal in den Hörsälen der Universität, ein merkwürdiges Gefühl. Das waren also meine Mitstudenten? Es waren überwiegend die Gesichter von Fremden.


Aber man arrangierte sich immer mehr mit der Situation. Letztendlich hatten wir auch keine andere Wahl. Und wir wussten jeder Professor und Lehrstuhl hatte sein Bestes gegeben, um uns trotz dieser Ausnahmesituation eine möglichst gute Lehre zu ermöglichen.


Trotzdem setzten wir alle unsere Hoffnung auf das 2. Semester. Vor allem der Präparierkurs war uns wichtig. Es gab wochenlang beinahe kein Thema mehr außer: Wird er stattfinden?  Für das Semester vor uns musste er leider ersatzlos entfallen. Für uns sah es jedoch nicht allzu schlecht aus. Die Vorschriften wurden langsam gelockert, Nachrichten von Universitäten, die den Präpkurs stattfinden ließen, erreichten uns. Dann die lange erwartete Nachricht.
„Der Präparierkurs wird im Wintersemester 2020/21 in Präsenz stattfinden.“
Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Das änderte alles. Jeder, der bis jetzt noch keine Wohnung in Erlangen hat, muss schleunigst auf Wohnungssuche gehen. Wir alle müssen uns jetzt auf ein volles Semester vor Ort einstellen. Vorbei wird es sein mit dem Studieren aus der Heimatstadt. Alle anderen Vorlesungen werden zwar weiterhin online gehalten, das ist aber verkraftbar. Hauptsache der Präpkurs wird uns nicht genommen.
Im zweiten Semester wird also wieder ein bisschen Normalität eintreten. Ein Schritt weg von der Fernuni und dafür ein Schritt in Richtung Präsenzstudium.  

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