• Artikel
  • |
  • Anahita Amini
  • |
  • 18.02.2020

Präpkurs: Warum sieht das alles so gleich aus?

Im Anatomie-Atlas sieht alles total logisch aus. Versucht man jedoch, am Körperspender Nerv und Co. zu unterscheiden, ist man schnell überfragt. Anahita erzählt von Momenten der Verzweiflung und der Dankbarkeit im Präpkurs.

 

"Warum sieht nur alles so gleich aus?" Wie oft ich diesen Satz im Präpsaal gehört habe, kann ich nicht an meinen Händen abzählen. Die Frustration steigt, wenn man mit dem Atlas am Tisch steht und vergeblich versucht, Arterie und Nerv zu unterscheiden. Wie soll ich jemals unterscheiden können, welche Strukturen zu sehen sind und wie soll ich das dann meinem Prof bei der Prüfung erklären?


Was in den ersten Wochen unmöglich erschien, wurde dann doch von Präpkurs zu Präpkurs einfacher. Während ich beim ersten Testat sehr aufgeregt und panisch war, ist das zweite Testat schon halb so schlimm gewesen. Beim dritten Testat war es schon irgendwie Routine und beim vierten war ich dann fast schon etwas traurig, dass es nun vorbei ist.


Gerne erinnere ich mich zurück, wie ich das erste Mal vor dem Saal stand, stolz einen weißen Kittel tragen zu dürfen und und aufgeregt auf die große, weiße Tür blickte. Das Gebäude Institut für Anatomie, in dem ich ab sofort mehrere Stunden die Woche verbringen würde, war mir schon aus dem ersten Semester bekannt. Trotzdem fragte ich mich, wie der Saal nun von Innen aussieht und was mich dort wirklich erwartet. Erzählungen von Vorgängern und die Einführungsvorlesung sollten mich auf das vorbereiten, was mich nun erwarten würde. So wirklich etwas vorstellen konnte ich mir trotzdem nicht. Bevor ich mir aber wirklich Gedanken machen konnte, war dann schon der erste Tag vorbei und ich hatte schon jede Menge präpariert.

Nach dem Kurs tauschte ich mich aufgeregt mit meinen Kommilitonen aus. „Was ist dein Gebiet?“, „Hast du schon einen Hautnerv gefunden?“.
Und bevor ich mich umsah, waren die ersten Wochen vorbei und ich kam an den ersten Moment der Verzweiflung: Da stehst du nun und hast mehrere Stunden zu Hause gelernt und gehst halbwegs vorbereitet zum letzten Mal zum freien Präppen. Der Saal ist gefüllt und gefühlt jeder erzählt dir irgendetwas, was du noch gar nicht richtig gelernt hast. Zum hundertsten Mal gehst du die Sehnenfächer der Hand und alle Muskeln des Unterarms durch. Aber so richtig zeigen kannst du sie irgendwie immer noch nicht. Ganz zu schweigen davon, ob das denn nun wirklich eine Arterie ist. Oder ist es nicht doch ein Nerv?


Wichtig ist hier - und das ist viel leichter gesagt als getan - entspannt zu bleiben. Obwohl es sich so anfühlt, als würde jeder alles können und du selbst nichts, ist das nur ein Schein, den jeder versucht zu wahren. Man darf sich nicht zu sehr von seinen Kommilitonen beeinflussen lassen. Das zählt auch für das eigentliche Lernen!


Für das Extremitäten-Testat war ich, um ehrlich zu sein, leicht überfordert. Ich wusste nicht genau wie, beziehungsweise mit welchen Hilfsmitteln, ich lernen soll. Der eine lernt mit dem Atlas, die andere mit dem Lehrbuch. Letztendlich gibt es nicht nur den einen Weg, sondern wie bekanntlich, führen viele Wege zum Erfolg. Wichtig ist, sich einfach auf nur einen Weg zu konzentrieren. Nicht die ganze Zeit zu wechseln und vor allem sich nicht von anderen beeinflussen lassen! Wenn der eine den größten Nutzen aus Vorlesungen zieht und die andere lieber in derselben Zeit Karteikarten schreibt, dann ist das so. Finde deinen eigenen Weg und die beste Lernmethode für dich selbst.

Was mir jedoch viel geholfen hat, sind die Tipps der älteren Kommilitonen. Vielleicht „reichen” für die Muskeln nur der Atlas und für die Organe sollte man einen Blick ins Lehrbuch werfen. Ist das erste Testat dann endlich geschafft, wird alles einfacher. Einfach, weil man einen Plan davon hat, wie man am besten und effektivsten lernen kann. Für Situs, Retrositus und Kopf begann ich direkt zu lernen und musste mich nicht erst einfinden.


So wichtig es ist, für sich selbst zu lernen, sind auch Lerngruppen sehr empfehlenswert. Der eigene Präptisch ist da teilweise der beste. Ihr werdet dieselben Prüfer haben und ihr kennt euch am besten mit eurem Körperspender aus.


Jetzt, nachdem alles bestanden ist und nur eine kurze Zeit zurückliegt, werde ich den Kurs sehr vermissen. Dabei meine ich nicht nur meinen Präptisch, die Gespräche und die neuen Freundschaften, sondern auch das selbständige und vor allem das praktische Arbeiten. Auch wenn es mal den Moment der Verzweiflung gab, kann ich nachvollziehen, warum viele ihn als den besten Kurs der Vorklinik sehen. Ich bin dankbar, dass ich den Kurs machen durfte und dafür, dass ich wirklich sehr viel gelernt habe.

Mein Studienort

Medizinstudenten berichten aus ihren Unistädten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 100 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete