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  • Christina Erhardt
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  • 05.09.2017

Vorab-Check: 2. Semester

Diese Fächer erwarten dich im 2. Semester Medizin an der Uni Erlangen.

1. Topographische Anatomie


Der große Bruder des Demokurses aus dem 1. Semester: umfangreicher und ein wenig furchteinflößender. Erst mal verheißt er einen ganzen Berg an Theorie. Doch keine Angst, denn im Gegensatz zum letzten Semester darfst du dein Wissen im berühmt-berüchtigten Präparierkurs auch in die Praxis umsetzen. Zusätzlich zu Vorlesungen und Selbststudium darfst du mit Kommilitonen zweimal wöchentlich für etwa 4h am echten menschlichen Präparat lernen, eigenhändig Nerven und Gefäße freilegen und mit ein wenig Glück selbige in der mündlichen Prüfung wiedererkennen. An erster Stelle steht dabei immer der Respekt und die Wertschätzung gegenüber dem Menschen, der vor euch liegt: ohne geschlossenen weißen Kittel darf niemand den Präpariersaal betreten. Der Körperspender wird gleichzeitig zu eurem ersten Patienten. Während der routinemäßigen Arbeiten entdeckt ihr eventuelle Besonderheiten wie Nierenzysten, einen karzinösen Lungenflügel und sogar belassene Herzschrittmacher. Natürlich wird dir der Kurs einiges abverlangen, aber niemand wird bestreiten, dass es ab und an Spaß macht. Durch mehr oder minder fachkundige Diskussionen und Plaudereien am Tisch entstehen schnell enge Freundschaften, oder mehr: Man munkelt, der ein oder andere habe im Kurs seine große Liebe gefunden.


2. Spezielle Histologie und Embryologie


Die Merkmale von Gewebegrundtypen hast du hoffentlich gut im Gedächtnis behalten, denn jetzt geht es an die Erkennung von Organschnitten – und damit ans Eingemachte. Jedes der über 70 Präparate ist spezifisch aus verschiedenem Muskel-, und Stützgewebe sowie Epithel aufgebaut und möchte am Ende des Semesters in der mündlichen Prüfung richtig identifiziert werden. Aber natürlich erst nachdem du in einer Multiple Choice Klausur dein Wissen über Aufbau und Entwicklung sämtlicher Organe des menschlichen Körpers bewiesen hast. Theorie und Praxis werden so im Gegensatz zum ersten Fachsemester in der Prüfung voneinander abgegrenzt. Gelehrt wird in der dir bekannten Kombi aus Histokurs und Vorlesung: Während du im Kurs an deinen Fähigkeiten im Mikroskopieren feilst, bekommst du in der Vorlesung dreimal wöchentlich von theoretischen Grundlagen zu hören. Alles in allem ist es – wie könnte es anders sein – viel Stoff, der aber zu bewältigen ist.


3. Biochemische Propädeutik


Hier erhältst du eine erste Einführung in die Biochemie, die im 3. Semester auf dich zukommt. Es finden zwar Vorlesungen statt, Anwesenheitspflicht besteht jedoch nur in den begleitenden Seminaren, die wiederum für Referate reserviert sind. Die meisten heucheln ihr Interesse für die Dauer ihres Referates und sitzen den Rest der Wochenstunden in den muffigen Gruppenräumen ab. Im Laufe des Semesters entwickelt jeder seine eigene Methode, der Biochemie möglichst weit aus dem Weg zu gehen. Spätestens nach 2 Wochen findet man Donnerstag morgens im Vorlesungssaal nur noch besonders ambitionierte Studierende. Grund ist wohl die fehlende Klausur am Semesterende in Kombination mit der Anatomie, die mit viel Stoff und einem Testat etwa alle drei Wochen entsprechend viel Zeit beansprucht. Erst am Beginn des 3. Semesters wird in einer Bonusklausur propädeutisches Wissen zu Aminosäuren, Zuckern und Lipiden abgeprüft und die erworbene Punktzahl mit den folgenden Klausuren verrechnet. Bis dahin ist aber noch viel Zeit.


4. Zellphysiologie


Wie funktioniert eigentlich der menschliche Körper? Hier erhältst du erste Antworten auf diese Frage. In deinem ersten Semester Physiologie geht es aber noch nicht um ganze Organsysteme sondern grundsätzliche – beachte den Titel – Zellphysiologie. Es soll sich vor allem um allgemeine Prinzipien der Zelle drehen, wie die Signaltransduktion und molekulare Funktionsweise verschiedener Muskulaturtypen. Die Prüfungen in der Physiologie alle zwei Wochen bestehen aus Multiple-Choice Kurztestaten in den begleitenden Seminaren zu ausgewählten Themen. Mit ihnen kannst du Bonuspunkte sammeln, maximal 6 pro Testat. Es gibt zwar noch eine Abschlussklausur, zu der muss allerdings nur antreten, wer eine gewisse Mindestpunktzahl in den Kurztestaten nicht überschreiten konnte. Das sind aller Erfahrung nach die wenigsten: Erstens, weil dir nicht einmal die Möglichkeit gegeben wird ein Testat zu verpassen, da in den Seminaren Anwesenheitspflicht herrscht und sich zweitens mithilfe von Altfragen, Lehrbuch und vor allem besuchten Vorlesungen einige Punkte sammeln lassen. Freu dich auf ein spannendes Fach, dem die meisten aufgrund von Zeitmangel hingegen nur wenig Aufmerksamkeit schenken können.


5. Berufsfelderkundung


Sicher hast du dich schon über die Stundenplanlücke am Freitag gewundert. Ab neun hast du hier theoretisch Zeit, dich um die „Berufsfelderkundung“ zu kümmern. Tatsächlich tun das aber die wenigsten in diesem Ausmaß, denn gefordert werden zwei Praktika in verschiedenen außerklinischen Institutionen – zu je einem Tag. Sinn und Zweck soll sein, hautnah mehr über berufliche Alternativen zu klinischen Tätigkeiten zu erfahren. Natürlich beanspruchen die Bewerbung und der geforderte schriftliche Bericht seine Zeit, du hast aber dafür Zeit bis zum Physikum. Sprich: in einem Jahr. Viele schieben es deshalb auf kommende Fachsemester auf. Wie immer gilt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Natürlich ist es nur gut deine Berichte schon in diesem Semester fertig zu stellen. Falls es unter dem Semester im Prüfungsstress nicht klappt, dann sehr sicher in den Semesterferien.

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