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  • Christina Haß
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  • 13.11.2014

Famulieren leicht gemacht

Wie finde ich eine Famulatur-Stelle? Was muss ich während der Famulatur beachten? Und wie wird meine Famulatur richtig bescheinigt? Mit diesen fünf Schritten wirst du ruckzuck zum „alten Hasen“ und vermeidest die gefürchtetsten Anfängerfehler.

Utensilien für die Famulatur, Foto: Christina Haß

 

1. Schritt: Die Suche nach der richtigen Stelle…

Zuerst musst du dir überlegen, in welchem Fachgebiet du überhaupt famulieren willst. Das ist leichter gesagt als getan, denn woher sollt du das als Anfänger wissen? Bestimmt findest du schnell ein Fachgebiet für das du dich interessierst. Vielleicht eines, das du in den Vorlesungen besonders spannend fandest. Für Anregungen kannst du natürlich auch ältere Studenten zurate ziehen. Besonders wenn du noch am Anfang der Klinik stehst, kannst du auch einfach in einem Bereich famulieren, in dem du schon während eines Blockpraktikums Erfahrungen sammeln konntest. Dann kommt dir zugute, dass du dich etwas auskennst und die Fälle leichter durchschaubar werden.

 

2. Schritt: Wichtige Formalia

Grundsätzlich muss jeder Student in Hessen mindestens vier Monate famulieren, davon zwei Monate auf Station in einem Krankenhaus, einen Monat ambulant und seit Änderung der Approbationsordnung einen Monat in der Hausarztpraxis. Die Ambulanzfamulatur kann zum Beispiel in einer Praxis oder einer Klinikambulanz abgeleistet werden. Auch eine Famulatur in der Radiologie oder Anästhesie gilt als ambulant. Die Hausarztfamulatur ist Pflicht, wenn du dich nach dem 10.6.2015 zum Staatsexamen anmeldest. Letztere kann aber auch bei einem niedergelassenen Internisten oder Kinderarzt abgeleistet werden. Mehr dazu auf:

http://www.med.uni-frankfurt.de/stud_med/klinik/famulatur/index.html

 

3. Schritt: Wo suche ich einen Famulaturplatz und wie bewerbe ich mich?

Sobald dein gewünschtes Fachgebiet feststeht, musst du dir überlegen, ob du lieber in einer Klink der Maximalversorgung, z.B. einer Uniklinik oder in einem kleineren, übersichtlicheren Krankenhaus arbeiten möchtest. In einer großen Klinik gibt es viel zu sehen, die Patienten-Fälle sind meist komplexer und außergewöhnlicher. Allerdings gehen Medizinstudenten dort manchmal unter und die Assistenzärzte haben wenig Zeit für das teaching. Das Personal in den kleineren Häusern ist meist nicht so stark überlastet. Wenn du Glück hast, darfst du schneller bei kleineren Eingriffen oder OPs assistieren oder bekommst sogar eigene Patienten zum Betreuen zugeteilt. Das ist natürlich nicht an allen Krankenhäusern gleich. Daher lohnt es sich, sich umzuhören, wer wo bei Blockpraktika, Famulaturen oder PJ gute Erfahrungen gemacht hat. Hierfür gibt es auch Plattformen im Internet wie:

http://www.famulaturranking.de/

Wenn du bei einem Hausarzt famulieren möchtest, solltest du dich frühzeitig um einen Platz kümmern sofern du ihn in Uni-Nähe haben willst. Denn ein Hausarzt kann maximal einen Famulanten betreuen, falls er überhaupt einen Studenten aufnimmt. Zudem ist die Anzahl der Hausärzte begrenzt. Freie Plätze vermittelt auch die DEGAM Famulaturbörse: http://degam-famulaturboerse.de/angebotene-plaetze.html
Als Bewerbung reicht eine kurze Anfrage per Email oder Telefon, ob in deinem gewünschten Zeitraum eine Stelle frei ist. Oft brauchen die Kliniken keine Zeugnisse oder Dokumente und wenn doch, reichen ein kurzes Anschreiben, das Physikumszeugnis sowie ein tabellarischer Lebenslauf aus.

 

4. Schritt Während der Famulatur…

Jetzt geht es ans Eingemachte: die Frühbesprechung. Das Allerwichtigste ist: Suche dir einen PJler oder Assistenzarzt, der dich auf Station unter seine Fittiche nimmt bevor alle Ärzte den Raum wieder verlassen haben. Auf Station angekommen, geht es zur Visite und du hast die erste Möglichkeit, Patienten zu befragen und untersuchen und Akten zu studieren. Wenn du dich optimal vorbereiten willst, drucke bei der Pflege eine Patientenliste aus und mach dir während der Visite Notizen. Bringe auf jeden Fall zum ersten Tag einen Kittel, dein Stethoskop, eine Augenleuchte, Notizblätter und einen Kugelschreiber mit. Falls du einen solchen besitzt, kann auch ein Stauschlauch nicht schaden, denn Blutabnehmen wird sicher zu deinen Aufgaben gehören.

 

Während des ersten Tags als Famulant in der Klinik musst du Klinkenputzen. Wo gibt es einen Spind für die Tasche, gibt es eine Kantine für das Mittagessen, fehlen etwaige Dokumente in der Verwaltung oder bekomme ich noch ein Namenschildchen? Das kannst du auch andere Studenten im Haus fragen. Nach einiger Zeit lernst du viele interessante Fälle kennen. Falls zwischendurch für dich nichts zu tun ist, kannst du das ein oder andere im Buch nachlesen. Krankheiten und Symptome, die man am Patienten gesehen hat, bleiben dir so auch theoretisch besser im Gedächtnis.

 

5. Schritt Famulatur vorbei, was nun?

Dokumentieren und Bewerten. Das bedeutet, dass du dir deine Famulatur auf den Vordrucken der Uni bescheinigen lässt

http://www.med.uni-frankfurt.de/stud_med/klinik/famulatur/index.html

und darauf achtest, dass etwaige Fehltage durch zusätzlich hinten angehängte Zeit ausgeglichen werden. Stempel drauf, kopieren und das Original in den grünen Briefkasten im Dekanat neben dem Büro von Herr Drolshagen einwerfen. Eine Kopie solltest du auf jeden Fall behalten. Dein Zeugnis wird dann geprüft und an das Hessische Landesprüfungsamt weitergeleitet. Besonders profitieren können Medizinstudenten nach uns, wenn du eine Bewertung abgibst oder Zeit findest, selbst einen Bericht zu schreiben.

 

6. Sonderfall Famulatur im Ausland

Im Prinzip ist eine Auslandsfamulatur kein großer Unterschied im Ablauf. Du musst aber deutlich mehr Zeit für Bewerbung und Organisation einplanen. Insgesamt ist es empfehlenswert, die erste Famulatur in Deutschland zu machen, um erste Erfahrungen im Klinikalltag zu haben. Eine Auslandsfamulatur bekommst du entweder über Kontakte oder alternativ schreibst du einfach Krankenhäuser an. Auf via medici online gibt es viele Erfahrungsberichte, die du nutzen kannst, um dir einen Eindruck zu verschaffen

https://www.thieme.de/viamedici/medizin-im-ausland-laender-1632.htm.

Gerade wenn du weiter weg willst, bietet sich auf eine Bewerbung beim bvmd an. Der bvmd vermittelt einen Famulantenaustausch und gibt sogar einen Fahrkostenzuschuss.

http://bvmd.de/ausland/

Austausch bedeutet hierbei aber nicht, dass du einen anderen Studenten aufnehmen musst, sondern nur, dass ein anderer Student die Möglichkeit hat, an eine deutsche Uni zu kommen. In deinem Wunschland wird dir dann eine Gastfamilie vermittelt und du bekommst einen anderen Medizinstudent als Ansprechpartner.

 

Famulaturen sind als Praktikum gedacht. Man soll praktisch arbeiten, Anamnesen üben, Patienten untersuchen und den Ärzten ganz viele Fragen stellen. Nicht immer klappt alles und oft bleiben am Ende mehr Fragen als Antworten übrig. Aber mit etwas Glück macht es Spaß und bringt auch viel Lernerfolg!

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