• Bericht
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  • Text und Fotos: Sandy Kujumdshiev
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  • 26.04.2005

OSCE-Prüfung in der Pädiatrie

Die Abschlussprüfung des Pädiatriekurses in Frankfurt wurde erstmals mittels einer OSCE-Prüfung abgenommen. Diese musste zusätzlich zur Klausur absolviert werden und ging in die Abschlussnote ein.

OSCE bedeutet Objective Structured Clinical Evaluation oder Examination und ist in den USA, an der Universität Maastricht und in einigen Reformstudiengängen in Deutschland schon länger üblich. Auch in Frankfurt wurde bereits am 1.Juli 2004 die erste OSCE-Prüfung in der Inneren Medizin durchgeführt. Seitdem hat sich viel getan in Frankfurt und jetzt fand die erste OSCE-Prüfung in der Pädiatrie statt. Weitere Klinische Institute befinden sich in der Entwicklungsphase.

 

Ein Blick ins Geschehen

 

OSCE ist eine junge Prüfungsform, die praktische Fähigkeiten, die Bewältigung ärztlicher Routinen und den adäquaten Umgang mit Patienten prüft. Die meisten dieser Fähigkeiten, welche die klinische Kompetenz eines Mediziners ausmachen, kommen beim bisherigen Ausbildungs- und Prüfungssystem zu kurz.

 

Ablauf eines OSCE

Als erstes wird jeder Student wie bei jeder anderen Prüfung auch registriert und bekommt eine Startnummer zugewiesen, damit er weiß, wo er starten soll.

Ein OSCE besteht immer aus verschiedenen Stationen, die jeder Student durchlaufen muss. An jeder Station stehen einem exakt 5 oder 7 Minuten zur Verfügung, um die Aufgabe zu bewältigen. Danach hat der Prüfling eine Minute Zeit, um die Station zu wechseln bzw. die nächste Aufgabe durchzulesen.

Um das Ganze nicht zu stressig zu gestalten, gibt es eine Pausenstation. An dieser Pausenstation standen dank dem organisierenden Assistenzarzt der Pädiatrie Dr. Boris Wittekindt auch kleine Erfrischungen und Kekse zur Verfügung.

 

Die Themenbereiche der Prüfung

Geprüft wurde einmal quer durch die Pädiatrie. Fragen aus der Neonatologie, Neurologie, Entwicklung, Stoffwechsel, Gastroenterologie, Ernährung und Wachstum, Hämatologie und Onkologie, Pulmologie, Allergologie, Infektiologie und Kardiologie. Also alles.

 

Im Prüfungsgespräch

Die meisten Fragen waren jedoch durchaus studentenfreundlich ausgelegt und beantwortbar. Es gab natürlich auch Fragen, die aus Studentensicht nicht beantwortbar waren. Aber das ist wohl in jeder Prüfung so und hier gab es immerhin noch den Bonus, dass man mit ein bisschen Gespür und einem gewissen medizinischen Verständnis auch Punkte holen konnte, wenn man ein Thema theoretisch nicht perfekt beherrscht. Und genau das ist ein Ziel der OSCE-Prüfung, die medizinische Kompetenz des Studenten auf seinem derzeitigen Wissenstand zu prüfen.

 

Mit dem Stethoskop wird der kleine Bauch abgehört

 

In einer Anamnesestation sitzt einem in diesem Fall die stolze Mama oder der stolze Papa gegenüber und man sollte eine symptomorientierte Anamnese durchführen. Es werden jeweils bestimmte Symptome bereits in der Aufgabenstellung genannt.

 

Was fehlt Ihrem Kind denn?

 

Das Spektrum reichte hier von Synkope über Krampfanfall, Atemnot, Schwangerschafts- und Geburtsanamnese oder Gastroenteritis bis zu Herzfehlern.

 

Untersuchungsstation

Hier sollten die Prüflinge eine komplette körperliche Untersuchung an einer Puppe oder an Kindern durchführen. Die Kinder simulierten fleißig bestimmte Symptome. Es waren wieder bestimmte auffällige Befunde vorgegeben und die Studenten sollten symptomorientiert untersuchen.

   

Finger-Nase-Versuch

 

  Beim Auskultieren

 

Großer Dank gebührt in diesem Fall den 3 Kindern, die sich vielen Studenten als Simulanten zur Verfügung gestellt haben.

 

Labordiagnosestation

Hier erhielten die Prüflinge bestimmte Laborbefunde vor, die sie erläutern und ihre Verdachtsdiagnose erklären sollten.

Hmmh, wie war das doch gleich?

 

Prozedurenstation

Jetzt sollen die Studierenden Arbeitstechniken üben und vorführen. Alles was man so braucht, von der Venenpunktion bis zur Knochenmarkspunktion und das Legen von Zugängen.

 

                                

      Einmal Blut abnehmen!    

    

Die Knochenmarkspunktion

 

Blickdiagnosestation

An dieser Station wurde den Studenten ein EKG, eine Ultraschallaufnahme oder ein Röntgenbild gezeigt und sie sollten eine Diagnose stellen.

 

                          ASD oder VSD?                            

           

  Röntgen-Thorax

Problemlösungs- u. Patientenmanagementstation

Auf jeden Fall sollte man sich für diese Station etwas mit Perzentilen beschäftigt haben. Und man sollte mit Patienten umgehen können, z.B. erklären können, warum welche Impfungen bei einem Kind noch nötig sind usw. Eine andere Möglichkeit ist, dass Nebenwirkungen oder auch generell eine Therapie erklärt werden muss.

 

Resumee

Nach der Prüfung waren alle zufrieden.

Die Studenten waren größtenteils sehr positiv überrascht über den Ablauf der Prüfung, die durchaus beherrschbaren Fragen und die angenehme Atmosphäre während der Prüfung.

Die Prüfer, Simulanten und Auswerter ebenfalls erfreut über den gesamten Ablauf des OSCEs. Da ich selbst an diesem OSCE auch wieder als Simulantin und Auswerterin teilgenommen habe kann ich wohl sagen, dass wir uns am meisten über geschickte Studenten gefreut haben, die klinische Kompetenz bewiesen und locker mit der jeweiligen Situation bzw. Aufgabe umgingen.

 

Wie untersuchen Sie einen Säugling?

 

OSCE in der Inneren

In der Woche nach dem Pädiatrie-OSCE fand bereits zum zweiten Mal eine OSCE-Prüfung in der Inneren Medizin statt. Die ist auch dieses Mal wieder sehr positiv verlaufen.

Die Ergebnisse des Innere-OSCEs findet ihr auf der Lernstudio-Homepage, da beide OSCEs im Lernstudio der J.W.Goethe Universität Frankfurt stattgefunden haben.

Lernstudio-Homepage

Wie geht es weiter?

Zum Abschluss jedes Pädiatrie-, UKLIF- und Innere Medizinkurses findet in Frankfurt ein OSCE statt. Und andere Institute planen auch bereits, wie sich die jeweiligen Abschlussprüfungen mit OSCEs ergänzen oder ersetzen lassen.

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