• Bericht
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  • Text und Fotos: Yue-Ying Wu
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  • 12.07.2012

Der Goethe-Contest

Dieses Jahr fand der bekannte Benjamin-Franklin-Contest in Frankfurt statt und wurde daher in Goethe-Contest 2012 umbenannt. An der Begeisterung für das Spiel änderte das jedoch nichts. Die studentischen Teams kämpften wieder mit all ihrem Wissen gegeneinander - doch am Ende konnte nur ein Team gewinnen. Yue-Ying Wu war bei dem Spektakel dabei und erzählt von dem spannenden Wettbewerb rund um die Medizin.

Gespannte Blicke richten sich auf die riesig große Leinwand. Ein Röntgenbild flammt auf. Keine Sekunde später schallt ein "beeeeeeep" durch die Luft - jemand hat auf den Buzzer gehauen. Das Bild war doch kaum sichtbar! Was war das? Ein Emphysem? Eine Atelektase? Eine Lungenembolie? Richtig wäre: "fehlende Clavicula" - ach, also ging es gar nicht darum was man sieht, sondern darum, was man nicht sieht. Wie lautet das Fremdwort dafür? Eine "Dysostosis cleidocranialis" - so lautet die Diagnose auf schlau. Dass Robben keine Clavicula haben ist ja klar, aber dass Menschen auch davon betroffen sein können. Wahnsinn - 30 Punkte mehr ergattert.

 

Was ist der Goethe-Contest?

Im Hörsaal 22 des Uniklinikum Frankfurt fand vom 21. bis 22. Juni 2012 keine Vorlesung statt, sondern der Goethe-Contest. Dabei handelt es sich um einen studentischen Wettbewerb in den Disziplinen Bilderkennung, Fallbearbeitung, IMPP orientierte Fragen lösen und praktischen Aufgaben für Medizinstudenten bewältigen. In der Vorrunde am 21. Juni buzzerten die Teams um das Ticket zum Finale, sodass die Entscheidungsrunde am Folgetag, dem 22. Juni 2012 stattfand. Prof. Sader und Prof. Pfeilschifter, Studiendekan und Dekan der Goethe-Universität Frankfurt begrüßten die Teams herzlich. Prof. Sader erklärte den Ursprung des Contests, der seinen Anfang unter dem Namen "Benjamin-Franklin-Contest" in Berlin nahm und in diesem Jahr als Goethe-Contest von der Spree an den Main umzog. Betreut von Prof. J. Schulze trainierten etwa 20 interessierte Studenten der Uni Frankfurt zehn Wochen lang, vier Tage in der Woche, in den Abendstunden. Auch im Hinblick auf das Praktische Jahr und das Staatsexamen lohnte sich der Besuch des Vorbereitungskurses. Alle Studenten ab dem vierten klinischen Semester waren dazu herzlich eingeladen.

 

 

Die Teams

Eingeladen in das Land des "Handkäs mit Musik" wurden Teams der Universitäten aus dem deutschsprachigen Raum. Am Ende traten mutige 5er-Gruppen von Studenten aus Städten wie Maastricht, Mannheim, Marburg, München, Mainz, Tübingen und Homburg an.

 

 

Als der Contest am ersten Tag startete, war die Atmosphäre entspannt, allerdings lag Aufregung in der Luft. Prof. Sader, der Moderator der "Goethe-Contest Show" richtete noch Begrüßungsworte an die Teams und Zuschauer. Einen gewissen Heimvorteil hatten die Frankfurter, denn abgesehen von der höheren Zahl der moralischen Unterstützer war den Frankfurtern als Gastgeber der Platz im Finale reserviert.

 

 

Die Aufgaben

Der Contest bestand aus vier Aufgabenbereichen:

1. "Der schnelle Klick" - Fünf Runden Bilddiagnostik à 10 Bilder pro Runde Richtige Diagnosen werden mit 30 Punkten belohnt, falsche mit 15 Punkten sanktioniert. "First hit, first serve" - das schnellere Team bekam die Chance der Diagnosestellung, muss aber auch antworten. Das gilt auch, wenn jemand buzzert, bevor das Bild erscheint!

 

 

2. "Die clevere Diagnostik" - Bearbeitung von fünf FällenDie Kasuistiken stellte Prof. Schulze vor, Diagnostik kostet Geld wie im wirklichen Leben, dafür bringt die richtige Diagnose der Krankheit sehr viele Punkte; Fehldiagnosen werden mit hohem Punktabzug bestraft, denn 125 Miese sind nicht wenig, angesichts der 250 Punkte als Gage für einen richtig gelösten Fall. Wer meint, die Diagnose auch ohne weitere Information zu kennen, darf buzzern; dann muss aber eine Diagnose gestellt werden!

3. "Die abgefahrene Frage" - Lösen von Multiple Choice Fragen, die jedes Team aus einer Tabelle mit nach Schweregrad und Semesterstoff gestaffelten IMPP-orientierten Aufgabenstellungen auswählen kann.

4. "Die flinke Hand" - praktische Aufgaben. Praxis gehört zum Alltag eines jeden Arztes. Deshalb sind praktische Aufgaben aus dem klinischen Studienabschnitt integriert. Neben den Klassikern "Nähen", "Gipsen", "Verbände anlegen" gibt es auch klinisches Untersuchen, Augen spiegeln, Sonographie und Laparoskopie - der Phantasie sind nur wenige Grenzen gesetzt. Hier werden die Leistungen der Teams in eine Reihenfolge gebracht und mit Punkten bewertet.

 

Bilder diagnostizieren - "Der schnelle Klick"

Im Gegensatz zu "Wer wird Millionär" durften die Studenten dem Nervensystem bei diesem Modul lediglich 1/100 Millisekunden zur synaptischen Übertragung geben. Folgende Bilder galt es zu erkennen: M. Ollier und M. Wilson, Speichelstein, Struma und Situs inversus, eine Porzellangallenblase und eine Phimose - bei Falschdiagnosen konnte gleich ein anderes Team auf den Buzzer schlagen. Teilweise gab es auch ein paar Punkte für Nicht-Mediziner, zum Beispiel erkannten diese die siamesischen Zwillinge oder den Hallux valgus bei Stöckelschuhträgerinnen. Doch beim Blutbild einer Malaria, dem Hornhaut-Transplantat, der Keratitis dentritica und den Fachbegriffen Hexadaktylie oder Arachnodaktylie mussten die Laien passen.

 

Auch Kolibris durften nicht fehlen und sorgten für sekundenlanges konzentriertes Nachdenken: die Lissencephalie und das Cockayne-Syndrom als Variante einer Progerie waren sehr schwere Blickdiagnosen und auch das Lown Ganong Levine Syndrom im EKG sorgte für eine anstrengende Denkphase. Dafür holten die Teams schnelle Punkte bei vielen weiteren Bildern: Ileus, Trommelfellperforation, Zystennniere, Lungenembolie oder Inguinalhernie bereiteten keine Schwierigkeiten. Die Blickdiagnosen waren wieder eine Show vom Feinsten, denn die Teams waren super vorbereitet.

 

Ambulanz - "die clevere Diagnostik"

Als es an das Lösen der Fälle ging, verwandelte sich der Vorlesungssaal in eine interdisziplinäre Ambulanz. Neurologische Fälle wechselten sich ab mit internistischen Kasuistiken. Der 54-jährige Kraftfahrzeugmechaniker mit seit Jahren vorhandener, langsam progredienter Leistungsschwäche und ausgeprägtem Meteorismus konnte durch die clevere Diagnose konstriktive Perikarditis der Mainzer gerettet werden. Später kam eine 67-jährige Patientin wegen Kribbeln in den Händen, Sehstörungen und einem ungeklärten Kollaps vor zwei Tagen. Weitere Symptome waren die seit vielen Jahren bestehende Diarrhoe und Flatulenz die sich auch auf Obstipation nur wenig bessern. Ist hier eher ein neurologisches Konsil anzufordern oder ist die Expertise des Gastroenterologen gefragt? Eine Blutzuckermessung erfolgte. Die körperliche Untersuchung forderten die Teams an - "Pfötchenstellung" bei einer dünnen Patientin mit Bradykardie. Was konnte das sein? Nach weiteren diagnostischen Maßnahmen wurde schließlich eine richtungsweisende Anforderung gemacht, denn in der Serologie wurden erhöhte anti-mikrosomale AK 1:400 (bis 1 : 100), anti-TG-AK 1:100 (bis 1 : 100), anti-Gliadin-AK 1:80 (bis 1:10) und Anti-Endomysium-IgA-AK 1:40 (bis 1:10) gefunden. Gerade bei den Anti-Gliadin-Antikörpern leuchtete die rote Lampe bei den Tübingern auf, sodass ihnen die Diagnose "Zöliakie" weitere 250 Punkte einbrachte. Zu einem anderen Zeitpunkt kam eine 55-jährige Dame in die Ambulanz. Sie war im Wald spazieren und fühlte sich nun unwohl. Bei der körperlichen Untersuchung und während der diagnostischen Maßnahmen zeigten sich deutliche Symptome einer Sympathikus-Erregung. Nach einiger Zeit konnte die Patientin mit der Diagnose Atropin-Vergiftung nach Hause geschickt werden. Davor wurde sie sicherlich mit Neostigmin oder anderen Parasympathikomimmetika und einer ordentlichen Magenspülung geheilt.

 

 

An einem anderen Ambulanz-Tag lernten die Teams eine 82-jährige, rüstige Patientin kennen. Sie hatte juckende erhabene Veränderungen, vor allem am Rumpf, Oberschenkeln und Oberarmen. Diese Papeln begannen am Rücken; trotz Therapie mit Prednisolon-haltiger Salbe breiteten sie sich innerhalb von 6 Monaten großflächig aus. Auf der ersten Seite der Patientenakte stand unter anderem, dass sie Katzen als Haustiere hätte und seit 8 Jahren alleinstehend wäre. Könnte das die Bartonellose gewesen sein? Im thorakalen CT zeigten sich vergrößerte Lymphknoten. Irgendwann kam ein Team auf die Idee eine Probeexzision der Haut durchzuführen. Da zeigten sich atypischen Epitheloidzellen und mehrkernigen Riesenzellen, was rasch zur richtigen Diagnose einer kutanen Sarkoidose führte.

 

Examensfragen - die abgefahrene Frage

Bei den Auswahlfragen war der Stoff des vierten und fünften Jahres bei weitem am beliebtesten. Selten traute sich ein Team an die Fragen des ersten Jahres heran, um das zweite und sechste Jahr wurde ein noch größerer Bogen geschlagen. Schließlich stellte sich heraus, dass auch diese Jahre lösbar waren, da das Physikum doch noch Spuren in den Tiefen des Gedächtnisses hinterlassen hatte. Wenige Fragen lösten die Teams falsch - bei dieser Disziplin konnte der Punktestand deutlich erhöht werden.

 

Der Chirurg und die Wunde - einmal Donati bitte

Gespannt warteten Zuschauer und Contest-Teilnehmer auf die erste praktische Aufgabe. Alle Teams mussten vor der Tür warten, während ein Arzt die Hühnchenschenkel aus der Verpackung herausholte, einen Schnitt setzte und mit einem Lochtuch bedeckte. Als die erste Gruppe hereinkam war das OP-Szenario bereits startklar vorbereitet. Die Aufgabe: Nähen der Wunde per Rückstichnaht nach Donati, Zeitvorgabe: 2 Minuten. Bevor sich jemand auf die Wunde stürzte, machten einige Teams noch einmal eine kurze Teambesprechung. Wie ging das mit der Donati Rückstichnaht noch einmal? Also mit der Nadel eintauchen in Cutis und Subkutis, auf der anderen Seite - die Frankfurter würden sagen "trip de bach" - wieder ausstechen. Nun näher am Wundrand aber immer noch "trip de bach" wieder einstechen bis in die Subcutis. Man sollte wieder auf der Seite, wo man ursprünglich hinein kam mit der Nadel auftauchen und am Ende einen Knoten machen. Dieser Knoten sollte auch fest genug sein, deswegen eine kleine Wiederholung der Knotentechnik: Zweimal um den Nadelhalter wickeln - Knoten, einmal in Gegenrichtung - Knoten, noch einmal in die ursprüngliche Richtung - Knoten. Mit der Hand geknotet würde das bedeuten: Zweimal mit einer Technik, einmal mit einer anderen, dann wieder einmal mit der ursprünglichen Technik, im Prinzip das AABA-Schema.

Das Gesamtgeschehen wurde an die Wand projiziert, sodass auch die Zuschauer jedes Zittern mitverfolgen konnten. Das war eventuell noch ein zusätzlicher Stressfaktor, aber die Teams behielten einen kühlen Kopf. Das Ergebnis konnte sich im Großen und Ganzen sehen lassen, denn mindestens zwei Knoten schaffte jedes Team.

Das Ziel die gesamte Wunde auf der Hühnchenhaut zu verschließen konnte keines der Teams erreichen. Allerdings war dies von Seiten des Aufgabenstellers auch als anspruchsvoll eingeräumt. In manchen Fällen schlich sich der aufregungsinduzierte Fehlerteufel in die Naht ein: Einmal wurden Einzelknopf-Nähte verwendet, einige Teams knüpften zu wenige Knoten, ein anderes Mal war die Naht nicht stark genug zugezogen, sodass die Wunde offen blieb.

 

Ophthalmologen blickten tief in die Augen

Bei der praktischen Aufgabe der zweiten Vorrunde verließen die Teams das OP-Szenario, es ging jetzt mitten in die Welt der Augenheilkundler. Herr Dr. Singh, Opthalmologe am Universitätsklinikum Frankfurt, gab die Aufgabe preis: Eine Fundoskopie des Auges mit Diagnosestellung. Das Frankfurter "EyeSi" diente als Simulator. Diese Aufgabe war mit Tücken bestückt, denn sowohl der Abstand von der Lupe zum Auge als auch zum Untersucher war maßgeblich. Mit Feingefühl und mit Hilfe von Bewegungen des Patientenauges sah man ein Stückchen mehr vom Hintergrund.

 

 

Ergebnis der Vorrunden

Mannheim gewann die ersten Vorrunde, während Tübingen in der anderen Vorrunde die Nase vorne hatte. Daneben nahmen noch München, Mainz, Mannheim, Tübingen und Frankfurt (als Hausherr gesetzt) an der Endrunde am Folgetag teil, um den Sieger des Goethe-Contests 2012 zu ermitteln.

 

Finaltag

Freitag, Finaltag! Ein Willkommensapplaus hallte um 14.00 Uhr durch den Saal, denn der heutige Tag versprach Spannung. Gelb war das Team-Shirt von Tübingen mit dem Leitspruch "Think rich, look poor." (Andy Warhol), die Mannheimer, im eleganten schwarzfarbigen Outfit mit dem Logo der Universität, standen ebenfalls eng beisammen. Die Mainzer verkündeten gleich beim Eintritt in das Vorlesungsgebäude ihren Motivationsspruch "3, 2, 1 ... MAINZ!!". Die Frankfurter waren mit verschieden farbigen T-Shirts und einer Menge Gummibärchen und Getränken ausgerüstet. Alle Teams machten noch die letzten Absprachen.

Das Finale begann wie die Vorrunden mit Bildern. Die Diagnosen sprudelten heraus: Edwards-Syndrom, Hangmans fracture oder Pseudo-Pelger-Zellen - die Teilnehmer warfen Eponyme in den Raum. Den einen oder anderen Punkteverlust gab es auch durch voreilige Diagnoseversuche, aber das war in Ordnung, denn "no risk no fun". Es war unverkennbar, dass die Teams sehr viel wussten.

 

Fälle lösen

Noch einen Blick in die Diagnostik-Liste, bevor der erste Fall projiziert wird, und eine kleine Reise durch das Land der Akronyme: EKG, EEG, PET, MRT, PE, hier gibt es keine unbezahlbare Diagnostik. Dann kommt die erste Patientin: 59-jährig, bewusstlos, mit vielen internistischen Vorerkrankungen und einer langen Medikamentenliste. Sie wird von ihrem Sohn bewusstlos im Heimzimmer aufgefunden. Was könnte in diesem Fall sinnvoll sein? Zurückhaltend bei der Diagnostik waren die Teams nicht immer. Ab und zu wurden die Anforderungen realitätsfern, aber den Luxus konnte man sich im Contest erlauben. Das war auch gut so, denn durch gezielte und gut gelungene Anforderungen konnte man auch auf zügigem Wege an die richtige Diagnose gelangen. Vom Vorteil war, dass ein MRT im Contest lediglich 3 Sekunden dauerte und auch befundet war. Somit fordert ein Team großzügig eine Biopsie vom Mittelhirn an. Das ließ die "körperliche Untersuchung" ganz schön trivial aussehen, obwohl sie hier nicht unbedingt weniger wegweisend war als all die invasiven Methoden.

Schließlich zeigte das Labor, dass die Dame mit Bewusstseinsverlust an einer Laktatazidose bei Metformin -Einnahme trotz Niereninsuffizienz litt. Hätte man sich die Diagnostik eigentlich sparen können, da auf der ersten Seite der Patientenakte bereits die Information Metformin und Niereninsuffizienz drin stand. Aber es hätte ja auch etwas anderes sein können.

Auch im Finale litten die Ambulanzpatienten unter einem breiten Krankheitsspektrum: Ein Mann hatte krampfartigen Bauchschmerzen bei Bleivergiftung. Hätte man ein Blutbild angefordert, hätte die basophile Tüpfelung sicherlich eine Serie an Buzzer-Schlägen aus den Reihen der Teams verursacht. Ein Ergotismus mit Fibrose war unter den Krankheiten, ebenso wie eine progressive supranukleäre Blickparalyse PSP und eine Laktatazidose.

 

Praktische Aufgabe am zweiten Tag: Pädiater mit Nadeln

Für die Endrunde wurde ein 5-jähriger Junge in die Ambulanz geschickt - zumindest sein Abdomen und Becken als Modell. Bei Verdacht auf Meningitis war eine Liquorpunktion durchzuführen. Auf dem Tisch lag ein Liquorpunktions-Modell aus der Pädiatrie.

 

Das richtige Vorstellen mit Name, Funktion und Absicht der Punktion gehörte an den Anfang der Behandlung. Damit das Kind nicht zu viel "Aua" bekam, sollte 20 Minuten vor der Punktion ein Emla-Pflaster auf die Punktionsstelle geklebt werden. Im Contest wurde dieser Schritt durch den Pädiater auf einige Sekunden abgekürzt.

Der richtige Ort bei L3/L4 oder L4/L5 war gut aufzufinden, wenn die Spinae iliaca posteriores als Orientierung galt. Eine kleine Markierung der Punktionsstelle konnte nicht schaden. Das Kind sollte sich an den Bettrand setzen und sich C-förmig nach vorne krümmen, wobei ein Assistent das Kind festhalten sollte.

Das Emla-Pflaster wurde entfernt und der Punktionsort mit drei Wattestäbchen kreisförmig gereinigt. Nach erneuter Desinfektion und dem Anziehen von sterilen Handschuhen wurde die Punktionsstelle mit einem Lochtuch abgeklebt. Neben der richtigen Nadel - Sprotte Kanüle mit Schrägschliff - lagen gemeinerweise auch die Knochenmarkspunktionsnadel und die Nadel für die Lokalanästhesie auf dem Tisch. Die Sprotte-Kanüle wurde zunächst im 90 ° Winkel, danach im 45 ° Winkel eingeführt.

Zeigefinger und Daumen waren für das Halten der Nadel zuständig, die restlichen drei Finger stützen sich am Beckenkamm ab. Die zu durchstoßende Dura war als Widerstand auch beim Simulationspatienten spürbar. Falls alles richtig gemacht wurde, kam Liquor heraus, sodass dieser mit einer Spritze von etwa 2ml für das Ansetzen von Liquorkulturen (je 1ml) herausgezogen werden konnte. Drei Röhrchen sollten mit je 20 Tropfen gefüllt werden, gegebenenfalls ein viertes mit 40 Tropfen. Damit war die Aufgabe erledigt. Mit dem Anreichen von Punktionsmaterial kamen alle Teams gut klar. Zu vermeidende Fehler waren die Benutzung einer Nadel zur Knochenmarkspunktion und auch das Emla-Pflaster sollte statt einer Lokalanästhesie-Spritze benutzt werden. Mit Pluspunkten wurde die Frage nach Hirndruckzeichen und Gerinnungsstörungen bewertet. Als besonders kinderlieb und humorvoll ragte das Mainzer Team heraus, das bei dieser praktischen Aufgabe den ersten Platz belegte.

 

Examensfragen - FINALE

Mit den 100 Punkte Fragen gingen die Teams wie am Vortag zaghaft um, denn ein Punkteabzug von 50 schmerzt. Einige 100-Punkte-Jäger machten die Erfahrung, dass "weniger manchmal mehr ist".

 

Ergebnis des FINALES

Die Frankfurter führten zunächst mit einem weiten Abstand vor den restlichen Teams, allerdings holte das Mainzer Team deutlich auf. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz zeichnete sich ab. Das Frankfurter Team schwitzte über einem der letzten Patienten, der in der Ambulanz ankam. Er präsentierte sich mit einem kleinschrittigen Gangbild bei einer posturalen Instabilität. Zunächst tippten die Frankfurter auf eine "olivo-ponto-cerebelläre Atrophie". Dies war aber eine Fehldiagnose und damit fielen 125 Punkte weg, der Abstand zum Mainzer Team schmolz bedrohlich zusammen.

Eine weitere Diagnostik forderte das Münchener Team an, als plötzlich aus Frankfurt die rote Lampe aufleuchtete - wir können lösen!!! Mit zitternder Stimme brachte das Frankfurter Team die "Progressive supranukleäre Blickparese" die auch unter Steele Richardson Olszewski - Syndrom als richtig angerechnet worden wäre! 250 Punkte wurden dem Frankfurter Konto gut geschrieben, also keine Minusbeträge für diesen Patienten. Das Ende des Nachmittags war nicht mehr weit, als der letzte Krankenkassenkunde sich mit unspezifischen Symptomen vorstellte. Die Münchener ergriffen hier die Initiative und diagnostizierten ein MALT-Lymphom auf dem Boden einer Zöliakie. Das war eine wirklich furiose Diagnose, die mit tosendem Applaus des Publikums und der anderen Teams honoriert wurde. "Wirklich eine respektable Leistung", stimmten auch die Moderatoren zu. 250 Punkte landeten so im Münchener Krankenhaus.

Trotzdem konnten die Frankfurter nicht mehr aufgeholt werden. die Endrunden mit MC-Fragen und Bildern konnten keinen wesentlichen Unterschied mehr bringen. Im Saal schallte der Applaus, die Frankfurter konnten es kaum glauben. Die investierte Energie war nicht umsonst. Prof. Sader und Prof. Schulze gratulierten den Gewinnern herzlich. Trotz aller Anstrengung wurde nicht vergessen, dass der Contest ein Spiel ist, so gab es auch von den anderen Teams ein "High Five" für alle.

 

After Contest - Preisverleihung

Anstrengend waren die Stunden des Wettbewerbs, doch am Abend durften alle Teams noch mit Bier und Wein gemeinsam mit Prof. Sader und Prof. Schulze anstoßen und sich an einem reichhaltigen Buffet bedienen. Sie alle hatten sich diese Feier verdient. Nach dem Essen wurden mit den Urkunden auch die Preise an das Frankfurter Gewinnerteam überreicht. Für jeden gab es ein iPad. Doch auch die anderen Teams gingen nicht leer aus: Sie bekamen Büchergutscheine. Ein kräftiger Applaus galt wie immer den Siegern, noch mehr aber den Teams, die sich ihre Coaches selber organisieren mussten, wie zum Beispiel Mainz, Homburg oder auch Mannheim. Schließlich hatten die Frankfurter neben dem Heimvorteil auch noch den "Personal Trainer" Prof. Schulze.

 

 

Gewinner waren am Ende alle. Wer weiß, vielleicht tauchen ein oder zwei Diagnosen auch im Examen ("horribile dictu"), im späteren Arztalltag oder auch im Alltag auf. Mario Schwarzer aus dem 6. Klinischen Semester des Frankfurter Teams sagte: "Die lange und anstrengende Vorbereitung durchzuhalten war wirklich schwer. Am Schluss stehen aber nicht nur ein enormer Wissenszuwachs, der mir im Staatsxamen hoffentlich weiterhilft, sondern auch ein Zuwachs an wirklich guten Freunden." Die Punktejagd hat sich also hoffentlich für alle in jeder Hinsicht gelohnt.

Die gemeinsam erlebten Stunden fasste Mario Schwarzer vom Frankfurter Team folgendermaßen zusammen: "Dieser Contest verbindet nicht nur die Frankfurter Kommilitonen, sondern bringt uns auch in Verbindung mit Studenten aus ganz Deutschland und darüber hinaus." Auch Prof. Sader äußert sich mit Begeisterung, denn "so kann Lernen auch Spaß machen und so sollte es auch sein."Die Vorbereitung auf den Contest ist ein sehr gutes Modell, das klinische Wissen zu wiederholen und die Anwendung des Erlernten an konkreten Krankheitsbildern zu üben.

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