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  • Katharina Fischer
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  • 19.08.2016

Rauchzeichen

Das Projekt Rauchzeichen will Schüler vom Rauchen abhalten. Ein Besuch bei einer 7ten Klasse in Frankfurt.

 

 

Das Projekt „Rauchzeichen“ der Deutschen Herzstiftung betreibt im Raum Rhein-Main-Taunus-Mainz-Wiesbaden-Odenwald Tabak- und Suchtprävention mit Jugendlichen. Jeweils ein Arzt besucht zusammen einem Studenten die 7ten Klassen der Partnerschulen. In den Schulstunden unterhalten sie sich mit den Jugendlichen über das Thema Rauchen, Passivrauchen, Shisha und E-Shisha. Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt vor fast 10 Jahren von dem Kardiologen und langjährigen Chefarzt an der Frankfurter Uniklinik Herrn Professor Martin Kaltenbach, der es zusammen mit der Heilpraktikerin Jule Thomas an mittlerweile über 80 Schulen als jährliches Programm fest installierte. Jule ist auch gemeinsam mit den Ärzten an den Schulen unterwegs, ich nehme euch heute mit in eine solche Schulstunde.

Es ist Montagmorgen 8 Uhr, 30 Kinder zwischen 12 und 14 sitzen teils gespannt, teils noch müde da. Heute sind Jule und Dr. Müller gemeinsam in einer 7ten Klasse einer Frankfurter Schule. Es sind aufgeweckte Kinder, teilweise schon Teenager, teilweise noch eher kindlich anmutend. Der Lehrer begrüßt die Klasse und schon geht es los. Jule stellt die Deutsche Herzstiftung vor und beginnt mit der Frage, welche Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Schüler kennen. Verwundert, was das mit dem Rauchen zu tun haben soll, kommen schließlich die Antworten „Herzinfarkt und Schlaganfall“. Die Auflösung zu den jeweiligen Krankheiten, was diese mit dem Rauchen zu tun haben, kommt im Laufe des interaktiven Vortrags, der eigens von der Deutschen Herzstiftung für das Projekt erstellt wurde.

Auf der zweiten Folie stehen folgende Fakten: 30% der Erwachsenen in Deutschland rauchen, jeder 5te Jugendliche. Die meisten fangen zwischen 14 und 18 mit dem Rauchen an. Das sind erschreckende Tatsachen, die leider Realität auf deutschen Schulhöfen sind. Noch sind aber die Blicke der Kinder unbeeindruckt, denn was sagen schon ein paar Zahlen aus. Die Jugendlichen machen Faxen, sie rollen Blätter, sodass sie so aussehen wie riesige Joints oder tuscheln über Shishas.

Es geht weiter mit dem Grund der Sucht, dem Nikotin. Dr. Müller erklärt, warum es süchtig macht und was genau eine Sucht ist. Hier staunen schon die ersten. Die gleiche Wirkung wie Nikotin hat nämlich auch Essen, es wirkt auf das Belohnungszentrum in unserem Gehirn. Vom Zug bis zur Ankunft in unserem mesolimbischen System vergehen schlappe 7 Sekunden und die Wirkung hält insgesamt lediglich 20-30min an, danach ist schon die nächste Zigarette fällig.

Zwei „Schock-Bilder“ gibt es für die Schüler, einmal eine Röntgenaufnahme mit einem Lungen-Ca und ein Präparat einer Raucherlunge. Doch Abschrecken ist bei Rauchzeichen nicht das Ziel. Wir wollen informieren und aufklären. Die Entscheidung ja oder nein zu der Zigarette zu sagen, liegt bei jedem selbst. Das betont Jule auch während des Vortrages: die Doppelstunde ist keine Standpauke, sondern eine Informationsveranstaltung und soll aufklären, wie die Realität hinter den glänzenden Werbeplakaten der Zigarettenindustrie und dem lässigen Chillen mit „der Kippe inner Hand“ aussieht. Damit die Teenager verstehen, wie so eine schwarze Teer-Lunge überhaupt zustande kommt, erklärt Dr. Müller ihnen, wie das Selbstreinigungssystem der Lunge funktioniert. Der Rauch einer einzigen Zigarette legt dieses System für ganze 3 Tage lahm.

Nun wird es Zeit, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die am Anfang genannt wurden, genauer zu erklären. Um diese erstmal zu veranschaulichen, gibt es einen 5-minütigen Film. Im Video werden verschiedene Menschen und ihre Erfahrungen mit dem Rauchen gezeigt.
Herr K., hatte mit 21 einen Herzinfarkt. Aufgrund des Einflusses seiner Freunde, die er „Kollegen“ nennt, fing er bereits mit 9 Jahren an zu rauchen.
Frau M. hat 30 Jahre lang geraucht, zum Schluss ca. 60 Zigaretten pro Tag und besitzt mittlerweile nur noch 65% ihres Lungenvolumens.
Herr E. verlor beide Beine durch das Rauchen, ist mittlerweile verstorben. Er kam zu Lebzeiten mit an die Schulen.
Von Herrn M. ist die Rede, jedoch sieht man ihn im Video nie, denn er ist an Lungenkrebs verstorben. Im Interview berichtet seine zurückgebliebene Frau über die Diagnose, den Verlauf der Erkrankung und über das Leid der Angehörigen eines solchen Patienten.
Aus anfänglichem Gelächter und Grinsen in den Gesichtern der Kinder wird Erschrecken und Fassungslosigkeit.

Das Highlight der Doppelstunde ist das Experiment. Hierzu versammeln sich alle Kinder um den hinteren Tisch. Jule holt eine eigens für diesen Zweck hergestellte Glasflasche raus. Der Deckel der Flasche besteht aus einer Röhre, die in das Innere ragt und 2 seitliche Ausgänge besitzt. Sie simuliert einen Bronchus, der Innenraum der Flasche die Lunge. An einem Ausgang des Deckels steckt ein Gummischlauch der den Rauch nach draußen leitet, der andere Ausgang soll den Mund darstellen, hier kommt die Zigarette hinein mit einem Glaspropf um das rauchende Ende, damit der Rauch nicht in den Klassenraum gelangt.

 

Das Experiment fasziniert die Schüler.

 

In die Flasche, direkt am Ende des „Bronchus", legt Jule mit einer großen Pinzette ein weißes Taschentuch (wird zwischen „Bronchus“ und Flaschenboden geklemmt), es stellt unser noch sauberes Lungengewebe dar.
Die Zigarette wird geraucht und man sieht, wie sich die Glasflasche mit weißem/ gelblichem Rauch füllt. Ist die Zigarette aufgeraucht, holt Jule das Taschentuch heraus und man sieht einen glänzenden schwarzen Fleck darauf. So viel Teer ist durch eine Zigarette in die Lunge gelangt.
Alle Kinder sind schockiert und schreien "iiih", sie halten sich ihre Pullis vor die Nase wegen dem Rauchgeruch.

Ein Mädchen fragt leicht ängstlich, wie es denn sei, wenn man nun an der Bushaltestelle steht und den Rauch eines Rauchers in der Nähe einatmet. Nun kommen die beiden Referenten zum Thema Passivrauch. Dieser enthält bis zu 100mal mehr Schadstoffe, als der Aktivrauch aufgrund der unvollständigen Verbrennung bei niedrigeren Temperaturen. Einige der Jungs grinsen und man hört Bemerkungen wie „Ach, dann rauch ich einfach aktiv, dann bekomme ich weniger Giftstoffe ab“. Hier erklärt Jule dann aber ganz schnell, dass man als aktiver Raucher die doppelte Ladung an Giftstoffen abkriegt, da man als Aktivraucher immer auch gleichzeitig Passivraucher ist.

Zu guter Letzt wird das Thema Shisha/ E-Shisha besprochen. Die Irrglauben, dass das Wasser den Rauch reinige, oder dass Shisha weniger schädlich sei, werden aus dem Weg geräumt.
Dann stellt ein Schüler die Frage, was es denn mit den E-Shishas auf sich hat. Hier glauben immer noch 30% der Schüler, dass die Flüssigkeit in diesen Geräten Wasser sei. Als sie dann hören, dass es Propylenglykol, weitaus bekannter unter der Handelsbezeichnung „Frostschutzmittel“ ist, fallen alle Gesichter. Manche Ärzte empfehlen E-Rauchwaren, damit ihre Patienten sich von dem Rauchen entwöhnen, da es vermutlich weniger schädlich ist als die Verbrennungsstoffe des Tabakrauches. Doch alle gemeinsam sind sich einig, dass das Inhalieren von Frostschutzmittel, das man im Winter normalerweise ins Auto kippt, nicht gesund ist. Zu der E-Zigarette fehlen leider noch die Langzeitstudien, deshalb weiß man nicht ganz genau über die Wirkung, vor allem die Langzeitwirkung, Bescheid.

Am Schluss der Veranstaltung soll jeder Schüler für sich selbst die Frage beantworten, ob Rauchen nun cool oder doof ist und bevor der Gong den Anfang der Pause einläutet gibt es noch einen kleinen Film. Hier kommen erfolgreiche Sportler zu Wort: Mikel Eich, der Thaibox-Weltmeister, eine junge Kletterin, der Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld und die Free-runner Gruppe Ashigaru sprechen über ihre Einstellung zum Rauchen. Fazit: wer Leistung bringen will, der sollte das Rauchen besser lassen!

Sollte unter euch Lesern Interesse bestehen, an diesem Projekt mitzuarbeiten, könnt ihr euch gerne an mich wenden. Ich gebe euch die Details und leite euch zu Jule Thomas weiter. Schreibt einfach an: Katharina.Fischer@Thieme.de

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