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  • Miriam Heuser
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  • 20.06.2018

#NURLiebe im Nirgendwo – Medimeisterschaften 2018

Jährlich treffen sich Medizinstudierende aus ganz Deutschland auf einem Flugplatz – um was genau zu tun?

 

#NurLiebe – das Motto der Medimeisterschaften

 

Das Konzept der Medimeisterschaften erklären? Gar nicht so leicht.
Ein Festival, nur ohne Musik? Ein Fußballturnier, aber eigentlich interessieren sich viele gar nicht für den Fußball? Ein Treffen von über 22.000 Medizinstudenten aus ganz Deutschland und mittlerweile auch den umliegenden Ländern? Ein Flugplatz irgendwo im Nirgendwo, der für ein Wochenende von Schlümpfen, Bräuten, Dieben und goldenen Leggings in Beschlag genommen wird? Und wie wörtlich wird eigentlich das Motto „Nur Liebe“ genommen?

Drei Jahre lang war ich davon überzeugt, dass diese Medimeisterschaften nichts für mich sind – oder besser gesagt, ich nichts für sie. Ich vertrage weder Bier noch Dosenravioli, habe kein Interesse an Fußball, Techno, Trichtern oder One Night Stands, kein ausgeprägtes Durchhaltevermögen und eine geringe Hitzetoleranz. Irgendwann hat meine Neugier die Skepsis dann doch überwogen und plötzlich saß ich im Bus nach – ja, wo eigentlich genau? Der Flugplatz von Cochstedt, wo die Medis dieses Jahr stattgefunden haben, liegt irgendwo zwischen Magdeburg und Leipzig und ist von Freiburg neun Stunden mit dem Bus entfernt.

Für 4 Tage verwandelt sich der alte Flugplatz in eine bunte Zeltstadt, in der jede Uni einen eigenen Zeltplatz hat und ein eigenes Motto mit passenden Kostümen sowie einem Medi-Song. Natürlich stellt auch jede Uni eine Fußballmannschaft für das große Turnier, das den ganzen Samstag läuft. Die Medis wirken im Gegensatz zu normalen Festivals nicht wie die Großveranstaltung, die sie mit über 22.000 Besuchern mittlerweile geworden ist. Dadurch, dass wir (fast) alle Medizin studieren und dadurch im Alltag dieselben Herausforderungen, Aufgaben und Probleme haben, fühlt es sich eher an wie eine private Veranstaltung mit Menschen, die man vielleicht noch nicht kennt, die aber alle offen und gut gelaunt sind und alle Lust auf Spaß, Feiern und eine Auszeit vom Unialltag haben. Medizin zu studieren, das schweißt zusammen, merke ich.

Bunte Kostüme, die Hitze und reichlich Alkohol tragen ihr Übriges dazu bei, dass man, wenn man das will, auf den Medimeisterschaften in einem gefühlt sicheren Umfeld die Kontrolle verlieren kann. Und wenn ich das nicht will? Auch voll okay! Literweise Bier trichtern, halbnackt durch die Gegend laufen, bis zum Sonnenaufgang im Gras neben der Landebahn knutschen – ich denke mir immer wieder, dass hier einige die Dinge erleben, für die es im Studiumsalltag keinen Raum oder keine Akzeptanz gibt und die sie sich anderswo nicht trauen würden.

Aber auch für Menschen, die aktiv gestalten und verrückte Ideen umsetzen wollen, gibt es hier einen Raum. Das Medizinstudium mit Multiple-Choice-Tests und Frontalunterricht lässt für Kreativität und Eigeninitiative normalerweise nicht viel Platz und Zeit.

Während ich über die Landebahn entlang der Zeltplätze laufe, sehe ich, mit wie viel Herzblut und Leidenschaft sich hier viele über Wochen und Monate eingebracht haben. Die kreativen Musikbühnen, die die einzelnen Unis gestaltet haben, die ausgefallenen Mottos und die bunten Kostüme, die Fußballspieler und die Cheerleading-Teams, die trotz brennender Hitze den ganzen Tag ihre Mannschaft anfeuern, die Songs und Videos mit medizinischen Wortwitzen und nicht zuletzt die ganzen Medimeisterschaften werden von Medizinstudenten organisiert, großteils ehrenamtlich und in der Freizeit.

Andere nutzen wie ich die Gelegenheit, um einfach mal nichts zu tun, Freunde wiederzusehen, die mittlerweile in anderen Städten Medizin studieren, die kreativen Kostüme und den unglaublichen Sonnenuntergang zu bewundern und bis in die Nacht zu tanzen.

Ein bisschen wie Campingurlaub. Und dieses Gefühl, rundum entspannt und zufrieden zu sein, verlässt mich die ganzen Medis über nicht.

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