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  • Luise Eberlein
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  • 14.02.2022

Das 1. Klinische Semester

Die Vorklinik ist geschafft, das Physikum endlich bestanden: Hallo Klinik!

 

 

Nachdem sich die Vorklinik für mich persönlich etwas länger gezogen hat als geplant, habe ich mich im Oktober 2021 umso mehr gefreut, endlich im 5. Semester und damit im 1. klinischen Semester angekommen zu sein.

Während sich der eine oder andere vielleicht am Anfang noch gefreut hat, endlich klinisch relevante und praktische Tätigkeiten zu lernen, war die Realität doch eine etwas andere. In Gießen haben wir im 5. Semester nämlich erst mal viele Fächer, die zwar auch alle irgendwie mit Medizin zu tun haben und mitunter auch sehr wichtig sein können, aus meiner Erfahrung heraus und für mich persönlich aber keine Lieblingsfächer sind. Präsenztermine gibt es auch unter normalen Bedingungen kaum; das Semester besteht quasi nur aus Vorlesungen.

Dazu zählen täglich eine Vorlesung in Pathologie, Mikrobiologie & Virologie und Innere Medizin und wöchentliche Vorlesungen in Biomathe, Notfallmedizin und Geschichte der Medizin. Sowohl in Patho als auch in Mikrobio und Innere Medizin stehen am Ende des Semesters Klausuren an.
Dabei ist es sinnvoll, sich nicht den Kopf über Innere Medizin zu zerbrechen. Denn tatsächlich hat man die komplette Innere Medizin in Gießen auch im 7. Semester noch einmal. Da keine Dozierenden möchten, dass ihr Thema nur am Anfang der Klinik unterrichtet wird, gibt es keine Aufteilung der einzelnen Gebiete wie Kardiologie und Gastroenterologie. Stattdessen hat man dann einfach zwei Semester dieselben Themen. Ich glaube, das Ganze nennt sich dann “Wiederholung” und soll vielleicht dem Langzeitgedächtnis helfen. In Wirklichkeit scheint es eher ein Problem der Organisation zu sein, die man in Gießen ab der Klinik schnell mal vermisst.

Außerdem schreibt man noch in Biomathe eine Klausur. Ich glaub, die Frage, die ich dieses Semester am meisten beantworten musste, war: “Was ist eigentlich Biomathe?”. Ausgesprochen heißt dieses Querschnittsfach Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Medizinische Informatik. Wir beschäftigen uns also mit Studien, Studiendesign, statistischer Auswertung und Evaluation, sowie Verarbeitung von Patientendaten in der Klinik. Wem sich jetzt genauso wie mir sämtliche Nackenhaare aufstellen – keine Angst in Gießen ist im letzten Semester niemand durch die Klausur gefallen. Die Dozierenden sind hier sehr studierendenfreundlich und die wöchentlichen Hausaufgaben mussten in einer Gruppe bearbeitet werden. :)

Am Anfang des Semesters hat man auch noch ein paar Vorlesungen in Gesundheitsökonomie. Daran schließt sich recht zeitnah ein Seminar an, in dem die Studierenden eine Präsentation erstellen müssen. In dem einmalig stattfindenden Seminar werden dann nur noch offene Fragen geklärt und Diskussionen über das Thema geführt. Mein Seminar war recht aktuell, bei uns drehte sich alles um Corona, mein Thema war “Impfpflicht - Was spricht dafür? Was dagegen?”.

Eine Vorlesung, die ich mir dieses Semester tatsächlich von Anfang bis zum Ende angeschaut habe, war die Notfallmedizin Vorlesung im Fach Anästhesie. Hauptsächlich aus persönlichem Interesse und meiner Meinung, dass man in diesem Gebiet nie genug wissen kann, denn leider waren die Vorlesungen nur als Screencasts verfügbar. Sie waren zwar immer interessant gestaltet und spannend, allerdings fehlte dadurch der komplette Austausch mit den Dozierenden. Trotzdem würde ich sie jedem*r empfehlen.

Das Thema hat mich aber nicht nur einfach so interessiert, sondern es war auch Bestandteil eines praktischen Kurses, den wir in diesem Semester hatten: Basic Life Support (BLS) und Advanced Life Support (ALS). Im ersten Teil (BLS) werden die Grundlagen der Reanimation noch einmal besprochen und geübt, zum Abschluss wird dies auch von einem Notarzt begutachtet (keine Angst, es gibt keine Noten). Außerdem übt man einen intraossären Zugang zu legen und die Sicherung der Atemwege mit Wendl und Guedeltubus, sowie mit Larynxmaske. In der Woche danach gibt es einen Test mit ca. sechs Fragen zu beantworten. Diese sind aber alle mit dem vorhandenen Skript gut zu lösen. Danach übt man zu dritt (1 Notarzt/ärztin, 2 Rettungssanitäter/innen) die Reanimation mit Beatmung, Sauerstoffgabe, Medikamentengabe und Schockabgabe bei entsprechender Indikation. Dabei muss jeder einmal in die Rolle des Notarztes/der Notärztin schlüpfen und die Entscheidungen treffen. Anschließend wird das Ganze in der Gruppe evaluiert. Wichtig sind dabei nicht nur der richtige Ablauf, sondern auch die Kommunikation in der Gruppe. Der Kurs war gut organisiert und man arbeitet in einer vierer Gruppe einen Nachmittag direkt mit einem Arzt/Ärztin und einem HiWi zusammen. Die zwei Stunden sind im Nachhinein kurz, aber mitunter eine der lehrreichsten und am besten umgesetzten Lerneinheiten im Studium.

Zu guter Letzt hat man im 5. Semester bei uns auch noch einen Grips Kurs zur körperlichen Untersuchung und Anamnese. Der Kurs ist aufgeteilt in fünf Termine die quer über das ganze Semester verteilt sein können und jeweils ca. drei Stunden am Nachmittag gehen. Zuerst hat man online einen Kurs zur Anamnese, man bespricht die wichtigsten Punkte und danach muss jeder eine Anamnese bei einem/einer Kommilitonen/in durchführen. Hierfür erhält man auch vorab ein Fallbeispiel. Darauf der Kurs “Körperliche Untersuchung”, hier geht man einmal alle Aspekte der körperlichen Untersuchung durch, auch die neurologische Untersuchung und die Auskultation werden kurz nochmal angesprochen. Dann findet noch ein Kurs zur EKG Anlage und Auskultation des Herzens, ein Kurs zur Auskultation der Lunge und zur Blutentnahme und ein Kurs zum Verhalten im OP, Naht- und Knotentechnik statt. Am Ende des fünften Semesters hat man dann so ziemlich alles, was man für die erste Famulatur wissen sollte, einmal geübt. Allerdings gilt er auch als direkte Vorbereitung für das erste Blockpraktikum. Dieses findet direkt nach dem Vorlesungsende nach dem 5. Semester statt und wird eine Woche lang auf einer Station der Inneren Medizin abgeleistet. Da mir dieses also noch bevorsteht, werde ich dazu später noch ausführlich berichten.

 

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