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  • Lisa Borotschnig
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  • 02.08.2017

Famulatur am offenen Herzen

Die erste Famulatur steht an. Doch wohin soll man gehen? Lisa entscheidet sich für die Herz-Thorax-Gefäß-Chirurgie und tauchte ein in die hohe Kunst der Medizin.

Für meine erste Famulatur wollte ich gleich ein Fach, das mich wirklich aus den Socken wirft. Die Herz-Thorax-Gefäß-Chirurgie sollte es sein, wo die Operateure mit dem Schalter des Lebens spielen. Gedacht, getan. Ich rief in der Abteilung eines mir nahegelegenen Krankenhauses an und bekam die Zusage. Mich ließ allein die Vorstellung daran, zuzusehen wie das Herz offen vor mir schlägt und dann ab- und wieder angeschaltet wird, schmunzeln. Zusehen zu dürfen wenn die Königsdisziplin der Medizin, wie sie manche Ärzte liebevoll nennen, ausgeübt wird, war für mich schon immer ein großer Traum.

Am ersten Tag ging es erstmal zur Wäsche, wo ich mein Gewand und meinen Kittel bekam. Auf Station wusste dann leider keiner davon, dass ich überhaupt komme. Trotz alldem verfolgte ich die Oberärzte bei der Visite, sie erklärten mir, bevor wir das Zimmer betraten, kurz die Diagnose und nahmen mich dann zum Patienten mit. Der restliche Tag verlief eher langweilig, da alle im Stress waren. Am zweiten Tag durfte ich dann auch in den OP mit, wo mir aufgrund des Wetters und der anstrengenden Zufahrt (Schneechaos) erstmal schwindlig wurde. Nichtsdestotrotz sah ich erstmals bei einer Bypass-OP am Herzen zu. Einfach nur genial, der Anblick eines stillen Herzens. Leider durfte ich nicht mehr als zugucken.

Am dritten Tag jedoch fingen die Ärzte und Schwestern erstmals an, mich wirklich als Famulant wahrzunehmen und überließen mir Aufgaben. Die Schwestern nahmen mich zu Blutabnahmen mit, erklärten mir kurz das Wichtigste nochmal und schickten mich dann mit den Röhrchen zu den Patienten. Die Blutabnahmen waren von da an fixer Bestandteil meines Famulatur-Tages, wie die Morgenbesprechung der Ärzte, in der es um geplante OP`s ging.

Die Oberärztin nahm mich anschließen mit in den OP, wo sie mich bei einer Venenentnahme für einen Bypass assistieren lies. Das Zunähen des Fußes verlief dann unter dem Motto „See one, do one“. Gesagt, getan. Am vierten Tag durfte ich erstmals nähen: Subcutan. Die Beine bei Bypässen zuzunähen, gehörte von da an auch zu meinem fixen Tagesprogramm.

Auch andere Oberärzte nahmen sich nun Zeit für mich und erklärten mir die Vielseitigkeit der Herzchirurgie, die Gefäßprobleme und die Komplikationen. Die Diagnostik eines Venenverschlusses wurde mir in der Ambulanz näher gebracht. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Herzchirurgen Amputationen vornehmen, da sie meist ein Anzeichen von Gefäßerkrankungen sind.

Generell durfte ich dann auch die nächsten Tage bei jeder Operation zusehen auf die ich Lust hatte. Assistieren war leider nur bei den Venen möglich und einmal Haken halten bei einer weiteren OP. Jedoch wurde mir in der freien Zeit viel über die Krankheitsbilder der Patienten beigebracht. Die Ärzte erklärten mir die Diagnostik und nahmen mich zu OP-Aufklärungen mit. Einmal durfte ich sogar einen Patienten unter Aufsicht und mit Hilfe selbst aufklären.

Im Großen und Ganzen muss ich also sagen, dass ich sehr viel Lernen konnte und mich mit einfacher Diagnostik von Gefäßverschlüssen und deren Anzeichen nun wesentlich besser auskenne.

Nichtsdestotrotz muss sich ein Famulant selbst darum kümmern, was er tun möchte und wo er mit möchte. Denn hätte ich nicht Eigeninitiative gezeigt und oft gefragt ob ich denn mitgehen darf, wäre ich wohl auf der Station sitzen geblieben. Na klar, wer will denn schon zusätzlich zu seiner normalen Arbeit, auch noch Lehrer und Aufpasser spielen? Aber irgendwo müssen Medizinstudenten auch zu lernen beginnen und das geht am besten in der Praxis.

Zusammenfassend kann ich also eine Chirurgische Famulatur sehr empfehlen, egal welches Fach. Ich habe viel gelernt und erklärt bekommen, auch wenn ich mir manchmal weniger „Stehzeiten“ und mehr Übung gewünscht hätte. Die HTGC ist ein wirklich atemberaubendes Fach, das ich noch nicht von meinen späteren Optionen streichen möchte. Ich kann nur jedem empfehlen, sich einmal die Kunst des Herz- Ab- und Anschaltens anzusehen. Es lässt einen träumen und hinterfragen, wie genial der Mensch und die Medizin eigentlich sind.

 

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