• Bericht
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  • Paul Gibiser
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  • 28.04.2015

Zulassung zum Medizinstudium in Österreich - Per Medizinertest MedAT zum Studienplatz

Wer in Deutschland Medizin studieren möchte, braucht ein sehr gutes Abi. Denn der Numerus Clausus für ein Medizinstudium ist hoch. In Österreich hingegen bestimmt der Medizinertest MedAT, wer das Studium beginnen darf. Was es bei diesem Test zu beachten gibt und wie er im groben aussieht, erzählt Paul.

 

Prüfungssituation - Foto: shutterstock

Foto: shutterstock

Jedes Jahr versuchen tausende Studenten einen Ausbildungsplatz an einer der drei Medunis in Österreich zu bekommen. Wer einen Platz erhält, entscheidet das Ergebnis des Aufnahmetests, der an allen drei österreichischen Universitäten synchron durchgeführt wird und seit dem Jahr 2013 einheitlich ist. Bevor man aber überhaupt zum Aufnahmetest zugelassen wird, gibt es einige Fristen und Vorgaben zu beachten. Erfüllt man diese Vorgaben nicht zeitgerecht, ist die Zulassung zur Teilnahme am Auswahlverfahren gefährdet.

 

Die Anmeldung

Hast du dir als engagierter Schüler in den Kopf gesetzt, dass du später Arzt werden willst, dann ist die erste Voraussetzung zur Zulassung die Absolvierung einer anerkannten Reifeprüfung. In Österreich wäre das die Matura, in Deutschland wird sie Abitur genannt. Anders als in Deutschland, wo der Notendurchschnitt eines der Hauptkriterien zur Zulassung zum Studium ist, ist dies in Österreich nicht der Fall.

Auch bereits absolvierte, praktische Erfahrungen werden in Österreich nicht berücksichtigt, sodass alle Studienplatzbewerber die gleichen Chancen besitzen.

Solltest du die Matura nicht abgeschlossen haben, gibt es die Möglichkeit, eine Studienberechtigungsprüfung zu absolvieren, die dich ebenfalls dazu berechtigt, am Auswahlverfahren teilzunehmen. Damit dies möglich ist, musst du das 20. Lebensjahr vollendet haben und vorweisen können, dass du berufliche oder außerberufliche Vorbildungen für das Medizinstudium aufweist.

Den nächste Schritt zur erfolgreichen Anmeldung stellt die Online-Registrierung dar. Hier musst du deine persönlichen Daten angeben. Im Jahr 2014 geht die Frist zur Online-Anmeldung vom 1. bis zum 31. März.

Hast du dich online vorgemerkt, erhältst du eine Zahlungsaufforderung von circa 100 Euro, die du einzahlen musst. Diese 100 Euro bekommt man nicht zurückerstattet, auch wenn man zum Zeitpunkt des Auswahltests verhindert ist. Du musst ebenfalls berücksichtigen, dass das Zeitfenster zum Einzahlen des Betrages nur sehr kurz ist (etwa vier Wochen). Ein heißer Tipp ist also, das Geld schnell einzuzahlen, damit es auch wirklich rechtzeitig auf dem Konto der jeweiligen Universität eintrifft.

Ebenfalls erhältst du eine Bearbeitungsnummer und musst ein Passwort wählen. Mit diesen Daten kannst du den Status deiner Anmeldung online verfolgen, also zum Beispiel, ob das Geld zeitgerecht eingetroffen ist, oder später auch, ob du den Test bestanden hast oder nicht.

 

Jetzt heißt's warten!

Hast du die oben beschriebenen Schritte alle zeitgerecht erfüllt, dann heißt es ab jetzt warten, warten und nochmals warten! Vergiss aber während der Warterei nicht, dich auf den Test so gut wie möglich vorzubereiten.

Grob gesagt besteht der Test aus einem naturwissenschaftlichen Kenntnisteil, einem Testteil, der die kognitiven Fähigkeiten überprüft und einem Part, der das Leseverständnis prüft. Bei den Bewerbern für Zahnmedizin kommt noch ein Drahtbiegeteil hinzu, der die manuellen Fertigkeiten prüft (Stand 2013). Da sich der Test im ständigen Umbau befindet, kann es vorkommen, dass von einem Jahr aufs nächste ein neuer Testteil hinzukommt oder wegfällt.

So überrascht es nicht, dass beim Auswahlverfahren im Jahr 2014/15 ein Teil mit dem Namen "Academic Thinking" hinzukommt, der mit 10% gewichtet wird. Vereinfacht gesagt, ist hier kritisches Denken und richtiges Argumentieren gefragt.

 

Die heiß diskutierte Quotenregelung

Was du bei deiner Online-Anmeldung ebenfalls angeben musst, ist die Quote für dein Reifezeugnis. Denn je nachdem, ob du dein Reifezeugnis in Österreich, in einem europäischen Land oder in einem außereuropäischen Land absolviert hast, hast du eine andere Quote. Es werden nämlich 75% aller Studienplätz an Bewerber mit Reifezeugnis aus Österreich vergeben. 20% an Bewerber mit einem Reifezeugnis aus einem europäischen Land und die restlichen 5% stehen für Bewerber mit Reifezeugnis aus einem außereuropäischen Land zur Verfügung.

 

Die Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung ist extrem wichtig für das Bestehen des Tests. Die kognitiven Fähigkeiten lassen sich nur schwer und wenn überhaupt nur langsam trainieren, aber was die naturwissenschaftlichen Kenntnisse betrifft, kannst du dein schulisches Vorwissen mit genügend Lernzeit aufbessern. Und genau hieran sollte man arbeiten!

Es werden unzählige teure Kurse für das Auswahlverfahren angeboten und auch zahlreiche Bücher und Skripten sind im Umlauf. Die Medunis distanzieren sich in der Regel von solchen Vorbereitungskursen.

Ich halte diese Vorbereitungskurse für wenig sinnvoll. Erstens sind sie verdammt teuer und zweitens ist der Test auch ohne einen solchen Kurs zu schaffen.

Mein Tipp: Kaufe dir einige gute Lehrbücher über Biologie, Physik und Chemie und versuche dir so viel Wissen wie möglich anzueignen, wobei dein Wissen aber in der Regel nicht über das des Maturaniveaus hinausgehen muss. Mathematik ist in der Regel mit Schulbüchern schaffbar.  

 

Der alles entscheidende Tag

Hoffentlich gut vorbereitet kommst du am Tag des Auswahlverfahrens zum jeweiligen Austragungsort des Tests. Der Test selber dauert in der Regel sechs bis sieben Stunden, wobei hier aber schon die zahlreichen Pausen und die Zeit, die immer wieder für das Erklären des Testablaufes benötigt wird, miteingerechnet ist.

Für Studierende, die mit dem Zug anreisen oder generell eine längere Strecke hinter sich haben, empfiehlt es sich, ein Zimmer in der jeweiligen Stadt zu mieten und dort zu übernachten. Nach dem Testtag ist man wirklich hundsmüde und manch einer möchte vielleicht auch noch feiern, um die Strapazen der vergangenen Monate zu verabschieden.

 

Das Ergebnis

Das Ergebnis des Auswahlverfahrens wird in der Regel einen Monat nach dem Test bekanntgegeben und online veröffentlicht. Die Links sind in der Regel auf jeder Homepage der Medunis zu finden.

Sollte deine Bearbeitungsnummer nicht sofort auf der Ergebnisliste erscheinen, dann musst du nicht gleich verzagen. Es besteht eine kleine Chance, dass du noch im Ergebnis nachrückst und so einen Studienplatz bekommst, weil ihn ein anderer zuvor abgelehnt hat.

Solltest du den Test geschafft haben, musst du dich per E-Mail innerhalb einer gewissen Zeit bei der jeweiligen Meduni rückmelden und bestätigen, dass du den Studienplatz annimmst. Geschieht dies nicht rechtzeitig, ist dein Studienplatz gefährdet und kann an einen anderen Bewerber vergeben werden.

Diejenigen, die den Test nicht geschafft haben, müssen ebenfalls nicht völlig enttäuscht sein, immerhin besteht die Chance, im nächsten Jahr einen der begehrten Plätze zu ergattern.  

Es lohnt sich wirklich, die "Strapazen", die das Auswahlverfahren mit sich bringt, auf sich zu nehmen. Denn so ein interessantes und abwechslungsreiches Studium wie das Medizinstudium findet man nicht allzu oft.

In diesem Sinn: Herzlichen Glückwunsch an alle, die Medizin studieren DÜRFEN! Nicht zuletzt, weil schon allein die Tatsache, dass du einen Studienplatz bekommen hast davon zeugt, dass du Fleiß, Schweiß und Mühe in die Zulassung und Vorbereitung gesteckt hast!

 

Aktuelle Neuigkeiten zum Medizinertest MedAT 2015

 

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