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  • Justus Lamm
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  • 09.12.2022

Ankommen, um anzukommen

Zum Studieren in eine fremde Stadt zu ziehen, in der man niemanden kennt, ist für viele Erstis ein großer Schritt. Wie es für mich war, in Greifwald anzukommen, erfährst du hier.

 

 

Autor Justus Lamm

 

„Die Greifswalder Studierenden weinen immer zweimal: Einmal, wenn sie hier ankommen und ein zweites Mal, wenn sie wieder gehen.“
Dass mein Professor eine der ersten Pflichtveranstaltungen des ersten Semesters mit diesen Worten eröffnete, irritierte mich sehr. War ich doch als frisch gebackener Abiturient und nun auch Erstsemester vor nur wenigen Tagen nach Greifswald gezogen, um hier voller Hoffnung und Begeisterung für mein neues Zuhause mein Studium der Humanmedizin zu beginnen.

Der Professor hatte aber in einem schon mal Recht: Es war ein schwerer Schritt, meine Heimat in einem 700 Kilometer entfernten Dorf in Süddeutschland zurückzulassen und in die Hansestadt an der Ostsee zu ziehen.
Die Berge gegen das Meer, Bayern gegen Mecklenburg-Vorpommern, eine vertraute Gegend mit meinen Freunden und meiner Familie gegen eine unbekannte Kleinstadt an der Küste zu tauschen war sicherlich auch mit der ein oder anderen Träne verbunden.  

Dennoch gab es viele Dinge, die diese Traurigkeit überwogen und das beschriebene Ankommen in Greifswald erträglicher, wenn nicht gar erst möglich machten – allen voran die tolle Gemeinschaft. Da waren die freundlichen Gesichter meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen. Noch vor Beginn der ersten Vorlesungswoche organisierten wir ein kleines Jahrgangstreffen am wunderschönen Hafen der Stadt und saßen in einer großen Gruppe zusammen, um uns – mit Bier und Snacks versorgt  – gegenseitig kennenzulernen.
Da waren unsere netten Tutoren und Tutorinnen, mit denen wir in Kleingruppen die Stadt erkundeten und die uns unzählige Tipps für das Studium und Freizeitaktivitäten gaben.
Und da waren die engagierten Mitglieder des Fachschaftsrates und der Studierendengremien, die unzählige Veranstaltungen organisierten, um uns Stück für Stück die wichtigsten Informationen zum Studium zu vermitteln.
 
All diesen Menschen mag es geschuldet sein, dass ich mich nach nur wenigen Wochen, wenn nicht gar Tagen, bereits in Greifswald zu Hause fühlte und mich immer mehr an das Leben an der Ostsee gewöhnte. Weil ich wusste, dass dort Kommilitonen und Kommilitoninnen sind, die selbst das regnerische Wetter, die gnadenlosen Stürme der düsteren Wintertage und das Heimweh erträglicher machen.

All diesen Menschen mag es auch geschuldet sein, dass die ersten zwei Semester wie im Flug vergingen und ich mich nun im dritten Semester befinde und selbst Tutor für die neuen Erstis bin – sicherlich auch, um all das weiterzugeben, was ich selbst von meinen Tutoren und Tutorinnen lernen durfte.

All diesen Menschen tragen dazu bei, dass ich mittlerweile auch den Ausspruch des Professors verstehen kann. Denn nun, wenn ich kommende Woche für die Weihnachtsferien nach Hause fahren werde, wird es mir ergehen, wie zu jedem Ferienbeginn: Ja, auch dieser Abschied, wenngleich er nur temporär sein mag, wird erneut ein schwerer Schritt sein. Und ja, auch auf der Heimfahrt werde ich gewiss eine Träne verdrücken müssen.  

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