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  • Paula Reikowski
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  • 30.01.2020

Meine Doktorarbeit und ich – Teil 1: Vom Suchen und Finden

Für viele Medizinstudierende stellt sich im klinischen Abschnitt die Frage nach der Doktorarbeit. Brauche ich den Titel? Will ich ihn überhaupt? Und wenn ja, was für eine Art der Arbeit will ich schreiben? Eine experimentelle, eine klinische oder eine theoretische? Wie viel Zeit will (oder kann) ich mir nehmen? Und wie finde ich eigentlich das richtige Thema für mich?

Mit Beginn des klinischen Studienabschnitts stellt sich für viele Studierende die Frage: Soll ich promovieren?

In der Reihe "Meine Doktorarbeit und ich" möchte ich gerne die wichtigsten Fragen zum Thema Doktorarbeit aufgreifen und beantworten.

 

 

 

 

Von der Notwendigkeit des Titels

 

„Die Frau Doktor hat dann gleich Zeit für Sie“ – ein Satz, den du so oder ähnlich sicher schon mal gehört hast. In den Köpfen vieler Menschen ist fest verankert, dass ein Arzt auch automatisch ein Doktor ist. Im Gegensatz zu Österreich oder den USA, wo mit Abschluss des Medizinstudiums ein Berufsdoktorat verliehen wird, ist in Deutschland allerdings das Verfassen einer Doktorarbeit notwendig, um den Doktortitel zu erlangen.

Andersherum ist es jedoch in Deutschland  nicht notwendig, einen Doktortitel zu haben, um als Arzt arbeiten zu können. Eine Ausnahme stellt hierbei die Arbeit an einer Universitätsklinik da: an den meisten Häusern ist hierfür ein Doktortitel notwendig und dessen Erwerb wird innerhalb der ersten Jahre der Facharztausbildung erwartet.

Ein verbreiteter Irrglaube unter Patienten ist es, dass ein Arzt, der einen Doktortitel hat, kompetenter ist als einer, der keinen Titel trägt – dem ist nicht so; Der Doktortitel ist lediglich ein Zeichen dafür, dass eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben und erfolgreich verteidigt wurde.

Die Frage, ob ein Doktortitel notwendig ist, ist also eine ganz persönliche Frage, die jeder nur für sich allein beantworten kann.

 

Die Art der Doktorarbeit

 

Die medizinische Doktorarbeit unterscheidet sich von den Doktorarbeiten der Naturwissenschaften grundlegend: Zum einen ist es in der Medizin möglich, bereits während des Studiums die Doktorarbeit zu beginnen (und an einigen Unis auch abzuschließen). Zum anderen nimmt sie auch deutlich weniger Zeit in Anspruch als eine naturwissenschaftliche Doktorarbeit; während in den Naturwissenschaften die Doktorarbeit meist 3-5 Jahre in Anspruch nimmt, sind es in der Medizin meist nur 1-2 Semester, die Vollzeit für die Dissertation genutzt werden oder die Doktorarbeit wird sogar während des regulären Studiums „nebenbei“ geschrieben.

 

Die medizinische Doktorarbeit wird in drei verschiedene Arten unterteilt: Experimentelle, Klinische und Theoretische/Statistische Arbeiten.

 

Theoretische Arbeiten sind beispielsweise Metaanalysen, bei denen Studien zu einem Thema gelesen und zusammengefasst werden oder auch Arbeiten, in denen bereits erhobene Daten analysiert und ausgewertet werden. Da hier keine eigenen Daten generiert werden, sondern diese bereits vorliegen, ist diese Arbeit sehr gut planbar und recht schnell, sowie auch neben dem Studium, abzuschließen.

 

Im Gegensatz dazu stehen klinische und experimentelle Arbeiten:
Die klinische Arbeit findet, wie der Name schon sagt, in der Klinik – am Patienten – statt. Hierbei werden Daten am Patienten selbst erhoben, beispielsweise mittels Laborparametern, EEG oder Fragebögen. Diese Art der Arbeit braucht ihre Zeit: Es müssen Patientenkohorten rekrutiert, Patienten aufgeklärt und Daten erhoben werden. Und schlussendlich müssen diese auch noch ausgewertet werden. Falls du dich für eine klinische Arbeit entscheidest, solltest du dir bewusst sein, dass diese oft mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann.

 

Eine experimentelle Doktorarbeit findet nicht am Patienten statt – sondern in einem Forschungslabor. Falls du also mal einen Ausflug in die Grundlagenforschung machen möchtest, ist eine experimentelle Doktorarbeit das richtige für dich. Doch auch viele Kliniken haben eigene Forschungslabore, in denen beispielsweise an neuartigen Therapiemethoden von Tumoren geforscht wird.
Eine experimentelle Doktorarbeit ist sehr zeitaufwendig. Viele Studenten nehmen sich dafür ein oder zwei Freisemester. Auch muss man lernen, mit Rückschlägen umzugehen, denn die Forschung ist unberechenbar.

 

Der Zeit- und Kostenfaktor

 

Während eine theoretische Doktorarbeit vergleichsweise gut im regulären Semesterablauf zu schreiben ist, wird gerade für experimentelle (und auch klinische) Arbeiten oft empfohlen, ein bis zwei Freisemester einzulegen. Selbstverständlich ist es auch möglich, eine experimentelle Doktorarbeit neben dem Studium zu verfassen – die Arbeitslast und das Stresslevel sind aber meist dementsprechend hoch.

Einige Universitäten haben regulär in ihrem Curriculum ein Freisemester vorgesehen, in dem die Promotion begonnen werden kann.

Ansonsten bietet es sich auch an, mit dem Studiendekanat Kontakt aufzunehmen, wann es sich am besten einrichten lässt, das Studium zu unterbrechen.

Das Studium zu verlängern, birgt natürlich zusätzliche Kosten: hier bietet die Universität Greifswald beispielsweise das Gerhard-Domagk-Nachwuchsförderungsprogramm an. Dieses besteht aus einem Stipendium, um die Lebenshaltungskosten der Stipendiaten abzudecken und aus einem begleitenden Curriculum mit Seminaren, die unter anderem aufs wissenschaftliche Schreiben und Präsentieren vorbereiten.

Auch ein HiWi-Job kann finanzielle Unterstützung während der Doktorarbeit bieten – hier sollte aber bedacht werden, dass ein Nebenjob auch Zeit fordert, die eventuell für die Laborarbeit gebraucht wird.

 

Das richtige Thema

 

Kurz nach dem Physikum mit dem Thema Doktorarbeit konfrontiert zu werden, hat mich zunächst überfordert. Schließlich ist die Doktorarbeit ein wichtiger Schritt und sollte wohl überlegt sein. Um hier ein kleines bisschen die Panik zu nehmen: Im Endeffekt ist es relativ egal, wo man seine Doktorarbeit schreibt. Auch wenn du dich für eine Promotion in der Inneren Medizin entscheiden solltest, kannst du später in der Chirurgie arbeiten. Du kannst dich also voll und ganz darauf konzentrieren, welches Thema dir jetzt am besten gefällt und – was fast noch wichtiger ist – welche Arbeitsgruppe dir am meisten zusagt.

In Greifswald findet zu Beginn des klinischen Abschnittes der sogenannte „Tag der Wissenschaft“ statt. Hier stellen sich die Arbeitsgruppen vor, du erfährst, in welchen Bereichen sie forschen und kannst mit den aktuellen Doktoranden ins Gespräch kommen.
 

Wenn du eine Arbeitsgruppe gefunden hast, deren Thema dir zusagt, bietet es sich an, sich das Labor anzusehen und vielleicht auch einen Tag zur Probe dort zu verbringen.
Ansonsten solltest du darauf achten, einige Formalitäten zu klären: Wer ist dein direkter Ansprechpartner?  Wer arbeitet dich ein? Falls du Tierversuche machst: wird dir die Möglichkeit geboten, einen entsprechenden Kurs zu besuchen, um rechtlich die Qualifikation zu haben, mit den Tieren zu arbeiten? Falls du an Patienten arbeitest: Wer klärt die Patienten auf? Liegt der Tierversuchsantrag oder das Ethikvotum bereits vor? Mit welchen Methoden wirst du arbeiten? Wie ist der Arbeitsplan? Ist geplant, dass deine Ergebnisse publiziert werden?

 

Hier noch ein kleiner Hinweis: Es schadet nicht, schriftlich festzuhalten, dass du als Doktorand an deinem Institut arbeitest und welche Rechte und Pflichten du und dein Betreuer haben. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Falls du dich auf ein Stipendium bewirbst, müssen häufig die Betreuer der Bewerbung zum einen zustimmen und zum anderen damit auch unterzeichnen, dass du in ihrer Arbeitsgruppe mitarbeitest.

Viele Unis bieten auch eigene Vordrucke für Betreuungsvereinbarungen an. Ansonsten gibt es auch von der DFG eine Empfehlung zur Erstellung von Betreuungsvereinbarungen.

 

Die Doktorarbeit und damit auch, für die meisten Studierenden zumindest, die einzige Möglichkeit während des Studiums ein bisschen Labor- und Forschungsluft zu schnuppern, ist ein aufregendes Thema.
Aber ich kann jedem, der mit dem Gedanken spielt, nur raten, sich auf das Abenteuer einzulassen und einen kleinen Ausflug in die Forschung zu wagen.

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