• Interview
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  • Das Interview führte Anne Schneider
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  • 07.11.2017

Chirurgie – hart aber herzlich

Im Interview erzählt Assistenzarzt Christian Strenge, wie sein Job in der Chirurgie aussieht und warum ihm eine gute Beziehung zum Patienten besonders wichtig ist.

 

Christian Strenge,  Assistenzarzt in der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Asklepios Klinikum in Sankt Georg.

 

> Warum hast du dich für die Chirurgie entschieden?

Da ich handwerklich recht geschickt bin, war mir eigentlich schon immer klar, dass ich etwas Chirurgisches machen möchte. Schon im Studium habe ich Famulaturen in verschiedenen chirurgischen Fächern gemacht und mich nach meinem Examen schließlich hier in Hamburg für eine Assistenzarztstelle in der Allgemeinchirurgie beworben.

> Was macht für dich einen guten Arzt aus?

(lacht) Gute Frage. Sehr wichtig finde ich, dass ein guter Arzt empathisch ist, dass er den Patienten zugewandt ist, er sich in sie hineinversetzen kann und ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis entsteht. Natürlich spielt auch die fachliche Kompetenz eine wichtige Rolle, aber es geht eben viel über das Persönliche und darüber, wie der Patient dem Arzt vertraut, und das finde ich sehr wichtig.

> Was magst du am meisten an deinem Job?

Am allermeisten mag ich die Arbeit mit den Patienten, weil kein Patient dem anderen gleicht und ich auf jeden anders eingehen muss. Außerdem gefällt mir das Teamwork, also sowohl die Zusammenarbeit mit dem eigenen Team als auch interdisziplinär mit anderen Abteilungen, mit denen man sich beratschlagt. Und natürlich das Handwerkliche, weil man einen Menschen operativ heilt, ihm also seine Beschwerden durch eine Operation nimmt und er dadurch extrem dankbar ist über den Eingriff.

> Was magst du, im Gegensatz dazu, gar nicht an deinem Job?

Das frühe Aufstehen (lacht). Das war gewöhnungsbedürftig, aber nach inzwischen einem Jahr habe ich mich selbstverständlich auch damit abgefunden. Ansonsten spüre ich natürlich den wirtschaftlichen Druck der Krankenhäuser auch als Assistenzarzt.

> Beschreibe mir bitte einen typischen Tagesablauf von dir.

Morgens stehe ich um 6.15 Uhr auf und bin um 7 Uhr auf Station. Zuerst bereite ich mich auf den Tag vor und schaue in die Patientenakten. Um 7.30 Uhr beginnt die Visite, mit der wir meistens nach einer Dreiviertel- bis ganzen Stunde fertig sind. Gemeinsam mit Ober- und Chefärzten haben wir dann um 8.30 Uhr die Frühbesprechung. Zwischen 8 und 9 Uhr beginnen die Operationen und je nachdem wie ich eingeteilt bin, verbringe ich den Vormittag im OP oder mache Stationsarbeit. Nachmittags haben wir immer eine Röntgenbesprechung, plus einmal in der Woche eine Teamsitzung und zweimal wöchentlich die Angehörigenvisite. Danach schreibe ich Arztbriefe oder stelle schon mal Laborwerte für den nächsten Tag, bespreche mich noch mal mit meinen Kollegen und mache die Station schick. Im Normalfall kann ich dann gegen 16.30, 17 Uhr nach Hause gehen.

> Lässt sich dein Job gut mit deinem Privatleben vereinbaren?

Anfänglich war es natürlich schwierig, weil ich mich erst an die neue Situation anpassen musste: Ich arbeite ja zum ersten Mal so richtig viel und war anfangs gerade nachmittags so müde und kaputt, dass ich nur wenig unternommen habe.  Aber inzwischen hab ich auf der Arbeit mehr Routine und treffe mich wieder mehr mit Freunden und gehe zum Sport.

> Was war, in Bezug auf Patienten oder den Klinikalltag, dein bisher kuriosestes Erlebnis?

Es ist immer wieder interessant, was Patienten alles durch rektales Einführen „abhanden kommt“...

> Gibt es einen goldenen Rat, den du gerne Medizinstudierenden auf den Weg geben möchtest?

Gute Frage... Vielleicht, dass man versucht, einen Einblick in alle Fachrichtungen zu bekommen. Gerade für Leute, die sich noch nicht ganz sicher sind, was sie machen wollen, ist es hilfreich, Famulaturen und eventuell auch Hospitationen in verschiedensten Fachrichtungen zu machen und möglichst viele Einblicke zu bekommen, um sich dann zu entscheiden, was man machen möchte.

 

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