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  • Anne Schneider
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  • 27.09.2016

Motivationstief? Ab zum Hausarzt!

Der Hamburger Modellstudiengang iMed ist darauf ausgelegt, seine Studenten schon früh mit dem Arztalltag in Kontakt zu bringen, anstatt nur stumpfe Theorie auswendig zu lernen. Ein gutes Beispiel dafür ist das einwöchige Blockpraktikum in der Allgemeinmedizin. Hier ein ehrlicher Einblick aus studentischer Sicht.

Foto: Kaesler Media-Fotolia.com

Wie bekomme ich einen Praktikumsplatz?

Für das Blockpraktikum musst du dich als Hamburger Medizinstudent nicht bewerben, sondern du wirst im zweiten Semester einer Lehrpraxis zugeteilt. Die vom UKE im Vorfeld ausgewählten Praxen befinden sich in Hamburg und Umgebung, sprich ebenfalls in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Damit man keine stundenlange Fahrt auf sich nehmen muss, sollte man vor der Zuteilung drei Stadtteile wählen, in denen man sein Praktikum am liebsten absolvieren möchte. Außerdem hat man als Student Zugang zu einer Liste der Lehrpraxen. Wenn man einen Allgemeinmediziner im Hamburger Raum kennt, dessen Praxis nicht mit aufgelistet ist, kann man diese beim Dekanat vorschlagen. Mit etwas Glück wird auf den Vorschlag eingegangen und man kann eine Woche lang bei seinem Wunsch-Arzt mitlaufen.

Die Praktikumswoche findet während der Sommerferien zwischen dem zweiten und dem dritten Semester statt. Damit du deinen Urlaub, dein Pflegepraktikum oder deinen Ferienjob nicht gänzlich nach dem Blockpraktikum ausrichten musst, solltest du neben dem Ortswunsch auch angeben, in welchem Zeitraum du das Praktikum gern machen würdest und wann es dir überhaupt nicht passt.

In vielen Fällen können deine Wünsche berücksichtigt werden – ich zum Beispiel hatte Glück und habe einen Praktikumsplatz bekommen, der gut mit dem Fahrrad zu erreichen war und der mir auch zeitlich gepasst hat. Allerdings kenne ich auch Kommilitonen, die einen ziemlich weiten Anfahrtsweg hatten oder eine Woche erwischt haben, in der sie eigentlich schon etwas anderes geplant hatten. Grundsätzlich finde ich es sehr bequem, dass das Praktikum für uns organisiert wurde. Der Nachteil ist allerdings, dass die Termine und Praxen erst im Juni bekannt gegeben wurden, sodass es für manche schwierig war, ihre Semesterferien zu planen.

Wer einen größeren Urlaub, ein Pflegepraktikum oder die Arbeitszeiten seines Nebenjobs plant, hat mit dieser Kurzfristigkeit leider zu kämpfen. Ein weiterer Nachteil der späten Informationsvergabe ist, dass in einigen Praxen gleichzeitig ein Famulant (der sich schon Monate vorher auf die Stelle beworben hat) und ein Blockpraktikant sind. Bei mehreren Ärzten ist diese Überschneidung kein Problem und man kann sich in ruhigen Momenten über das Studium und andere Themen austauschen. Wenn allerdings nur ein Arzt in der Praxis ist, ist es schade, wenn ein Student immer draußen sitzen muss und wenig zu sehen bekommt.

Was mache ich in der Praxis?

Die Erfahrungen, die man während des Blockpraktikums sammelt, sind von Student zu Student unterschiedlich. Meiner Meinung nach ist es schon eine wertvolle Erfahrung, wenn man bei zahlreichen Patientengesprächen „nur“ zuhören darf. Das ist eine tolle Chance, für die ich dem Arzt und den Patienten immer sehr dankbar war. Alles, was über Zuhören und Zuschauen hinausgeht, hängt von den jeweiligen Ärzten, Patienten, Sprechstundenhilfen und nicht zuletzt von dir selbst ab.

Manche Ärzte und Patienten bieten von sich aus an, dass du Blutdruck messen, auskultieren, eine Anamnese erheben und anderweitig untersuchen darfst. In anderen Praxen wiederum kann man vorsichtig und mit viel Feingefühl fragen, ob man sich an solchen Aufgaben versuchen darf. Manche Blockpraktikanten dürfen neben den genannten Beispielen auch Blut abnehmen, EKGs schreiben, bei kleinen operativen Eingriffen assistieren oder den Arzt auf Hausbesuchen begleiten.

Doch selbst wenn es die ganze Woche beim reinen Beobachten der Tätigkeiten des Arztes und der Sprechstundenhilfen oder Labormitarbeiter bleibt, kann man aus dem Praktikum einiges mitnehmen und erhält einen Einblick in die Arbeit eines Allgemeinmediziners. Das Praktikum kann noch vielfältiger sein, wenn du in einer Gemeinschaftspraxis landest, wo neben dem „üblichen“ Allgemeinmediziner vielleicht auch ein Sportmediziner, Chirurg oder Tropenmediziner arbeitet.

Mit viel Offenheit, nicht zu hohen oder festgefahrenen Ansprüchen ans Praktikum und ohne dich ständig mit dem, was deine Kommilitonen dürfen und erleben zu vergleichen, wirst du in der Woche beim Allgemeinmediziner sicher interessante und wertvolle Erfahrung machen. Wer sich sonst durch die Biochemie und Anatomie quälen muss, schöpft neue Motivation für das dritte vorklinische Semester und kann sich in der nächsten langweiligen Vorlesung bestimmt umso mehr auf die kommende, klinischere Studienzeit freuen.

 

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