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  • Annika Simon
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  • 31.05.2016

Das Rote Gold: Blutspenden dringend benötigt!

Jeder Mensch hat es literweise, und trotzdem wird es gerade dringend gesucht. In der Region Hannover werden die Reserven an Blutprodukten immer knapper und viele Kliniken warnen schon vor Engpässen. Dabei ist eine Blutspende für Gesunde ganz leicht – zum Beispiel beim Blutspendedienst der MHH.

 

Blutspende - ©lightpoet/Fotolia.com

 

Ein unachtsamer Moment, ein plötzlicher Hagelschauer, ein rasender Ferrari: In der Region Hannover ist es am langen Pfingstwochenende zu zahlreichen schweren Verkehrsunfällen mit Toten und Verletzten gekommen. Die Geretteten kommen dann nicht selten als Polytrauma mit einem Hubschrauber in ein Traumazentrum und kämpfen in den ersten Stunden und Tagen um ihr Leben.

Bei einem Polytrauma handelt es sich um das gleichzeitige Bestehen mehrerer Verletzungen, von denen mindestens eine oder ihre Kombination lebensbedrohlich ist. Betroffene haben dabei häufig ein Schädelhirntrauma, schwere Knochenbrüche und innere Verletzungen wichtiger Organe wie Leber oder Milz. Und früher oder später haben alle Traumapatienten eines gemeinsam: Sie benötigen dringend Blutprodukte!

 

Von EKs bis zum FFP

Bei einem schweren Beckenbruch können zum Beispiel innerhalb kürzester Zeit bis zu 5000ml Blut verloren gehen, bei einer komplexen Oberschenkelfraktur können es schnell mal 2000ml sein. Werden diese akuten Blutungen nicht sofort gestoppt und das fehlende Volumen ersetzt, geraten die Patienten in einen hämorrhagischen Schock mit oftmals letalem Ausgang.

Den Blutverlust beziffert man mit Hilfe der beiden Laborwerte Hämoglobin (Hb) und Hämatokrit (Hkt), über die man die Anzahl an Erythrozyten abschätzen kann. Obwohl eine Veränderung dieser Werte häufig dem akuten Blutverlust zeitlich etwas hinterher hinkt und auch durch die Gabe von Infusionslösungen verfälscht werden kann, liefern sie doch einen guten Hinweis für den Bedarf von Blutprodukten. Ein normwertiger Hb liegt im Bereich zwischen 12 und 16 g/dl, bei akuten Blutverlusten von ansonsten Gesunden, ist eine Transfusion dann indiziert, wenn der Hb nur noch 15% beträgt, also unter 6 g/dl fällt. Um den Hb um 1g/dl anzuheben, ist im Schnitt etwa ein Erythrozytenkonzentrat (Ek) erforderlich. Sinkt der Hb beispielsweise auf einen kritischen Wert von 4g/dl sind schnell an die sechs Eks erforderlich, um den Patienten am Leben zu halten.

Neben den Eks gibt es noch weitere Blutprodukte wie Thrombozytenkonzentrate (Tk) und Frischplasma (FFP), die entweder in einem separaten Verfahren gespendet oder nach der normalen Vollblutspende aus dem Blut extrahiert werden. Bewusstlose Patienten mit unbekannter Blutgruppe erhalten im Notfall Eks des Universalspender-Blutgruppe Null negativ, weshalb diese bei den Blutbanken natürlich besonders willkommen ist. Alle Blutprodukte haben nur eine begrenzte Haltbarkeit, regelmäßiger Nachschub wird daher ständig benötigt.

 

Ablauf einer Vollblutspende

Jeder gesunde Mensch kann Blutspenden, bei bestehender Schwangerschaft, chronischen Erkrankungen, akuten Infektionen, nach schwerer Krankheit oder bei frischen Piercings oder Tätowierungen gibt es Einschränkungen. Ob ihr für eine Vollblut- oder eine Thrombozytenspende geeignet seid, erfragt ihr am besten bei der jeweiligen Blutbank oder entnehmt es aus entsprechenden Informationsseiten (siehe Linkliste). Bei jeder Spende muss man zunächst einen Fragebogen ausfüllen und ggf. den schon vorhandenen Spenderausweis vorzeigen. Dann erfolgt eine kurze Untersuchung von Blutdruck und dem Eisenwert (Hb-Wert) durch einen kleinen Piecks in die Fingerkuppe. Ist dieser Wert ausreichend hoch, spricht der Spender noch kurz mit einem Arzt und kann dann sein Blut spenden.

Dazu liegt der Spender auf einer bequemen Liege, bekommt einen venösen Zugang und wird während der laufenden Spende engmaschig von Fachpersonal überwacht und betreut. Sind 450ml Vollblut dann in den „Beutel“ gelaufen, kann der Spender nach kurzer Ruhezeit mit einer Mahlzeit in der Spendencafeteria wieder zu neuen Kräften kommen. Die nächste Spende ist dann in der Regel nach einer Regenationszeit von etwa 3 Monaten wieder möglich.

 

Fazit: Spendet Blut!

Wie man sieht, ist eine normale Vollblutspende für Gesunde wirklich kein Hexenwerk und lässt sich mit geringem Zeitaufwand auch neben dem Beruf bewerkstelligen. Je nach Blutbank erhalten Spender eine kleine Aufwandsentschädigung, eine leckere Mahlzeit und leisten nebenbei noch einen wertvollen Beitrag zur Gesundheit ihrer Mitbürger. Ich habe in der MHH schon sehr oft Blut gespendet, schätze die Atmosphäre und kann diese „Gute Tat“ wärmstens empfehlen. Ein unachtsamer Moment, ein plötzlicher Hagelschauer, ein rasender Ferrari: Schließlich kann es jeden treffen!

 

Weiterführende Links:

- Homepage des Blutspendedienstes der MH Hannover

- Informationsblatt zur Blutspende der MH Hannover

- Informationen rund um die Blutspende auf der Homepage des Deutschen Roten Kreuzes

- Infofilm vom Deutschen Roten Kreuz über den Ablauf einer Blutspende

- Dokumentation über den Alltag einer deutschen Notaufnahme

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