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  • Annika Simon
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  • 28.01.2016

Die Qual der Wahl: Wie geht es weiter nach dem Studium?

Welches Studium? Welches PJ-Wahlfach? Welche Facharztweiterbildung? Ständig muss man sich entscheiden. Wie du die beste Wahl triffst.

Ärztemangel: Zu viele Möglichkeiten?

Nur eine Woche in einem Krankenhaus der Regelversorgung reicht aus, um ihn zu spüren: Den vielfach genannten und heiß diskutierten Ärztemangel. Kaum hat sich ein Stationsarzt kurzfristig krank gemeldet, stapeln sich die morgendlichen Blutentnahmen und geplante Entlassungen von drängelnden Patienten müssen wegen ungeschriebener Arztbriefe verschoben werden. Die tägliche Visite wird gestrichen, in der Konsequenz verlängert sich die Liegedauer und die Kliniken rutschen in die roten Zahlen.

Dieser negative Trend maskiert sich auf den ersten Blick als Schlaraffenland für Medizinstudenten. Waren heutige Ärzte der älteren Semester heilfroh, wenn sie damals eine Stelle ergattern konnten, wissen ihre jungen Kollegen von morgen gar nicht, wo sie sich zuerst bewerben sollen. Die Auswahl ist quasi unbegrenzt: Karriere bei der Bundeswehr, Forschung an der Uniklinik, Arbeiten wo andere Urlaub machen, Chirurgie, Innere Medizin oder eine attraktive Stelle im deutschsprachigen Ausland – der Stellenteil des Deutschen Ärzteblattes bietet einen bunten Strauß voller Entwicklungsmöglichkeiten. Aber wie findet ein unbedarfter Medizinstudent den Arbeitsplatz, die Fachrichtung, das Team und die Stadt, die wirklich zu ihm passen?

 

 

Alles kann, nichts muss!

Fangen wir an mit der Entscheidung zur Fachrichtung. Als Humanmediziner muss man heute nicht mehr zwangsläufig als Weißkittel durch eine Klinik laufen. So landen immer mehr Ärzte nach ein paar Jahren der Knechterei in alternativen Branchen wie zum Beispiel in der Pharmaindustrie, in privaten Forschungseinrichtungen oder im Consulting. Andere, die ambulant arbeiten aber nicht die Risiken einer Niederlassung tragen möchten, werden zu Angestellten in Arztpraxen mit familienfreundlichen Arbeitszeiten.

Neben den großen Fächern wie Innere Medizin oder Chirurgie, bieten auch kleine Fachgebiete wie die Urologie oder die Augenheilkunde Entwicklungspotenzial und gute Verdienstmöglichkeiten bei moderater Arbeitsbelastung. Die Sache hat nur einen Haken: Entscheidet man sich nach dem Studium für Option A, trifft man gleichzeitig auch Entscheidungen gegen die anderen Optionen B, C und D. Und das kann ganz schnell zu schlaflosen Nächten führen. Denn die Medizin ist ein faszinierendes Feld, auf dem es viele spannende Ecken gibt.

Fragt man Kommilitonen am Ende ihres Praktischen Jahres (PJ) nach der zukünftigen Fachrichtung, sind Antworten wie „Ich weiß noch nicht!“, „Innere finde ich spannend, aber HNO wäre auch was für mich.“ „Ich will erstmal die Prüfung abwarten. Hat ja noch Zeit!“ an der Tagesordnung. Viele Assistenzärzte fangen einfach mal mit einem Fach der engeren Auswahl an, und wechseln gegebenenfalls nach kurzer Zeit nochmal die Abteilung oder Klinik. Die Auswahl an Stellen ist ja groß – dem Ärztemangel sei Dank! Doch wer sich rechtzeitig Gedanken macht, kann sich das Job-Hopping auch ersparen: Durch Famulaturen in potenziellen Wunschfächern und eine geschickte PJ-Wahl, bei der die Tertiale unterschiedliche Versorgungsstufen wie den ambulanten Bereich bis hin zur Uniklinik abdecken.

 

Andere Länder, andere Sitten

Neben der deutschen Kliniklandschaft werden Jobs im Ausland für deutsche Ärzte immer attraktiver. Gerade unsere Nachbarn Österreich und die Schweiz locken schon länger mit hohen Gehältern, moderaten Arbeitsbelastungen und einer guten Work-Life-Balance. Vor einem Tapetenwechsel ins Ausland sollte man aber nicht nur die Landschaft, das Geld oder das Fach betrachten. Zusätzlich können sich auch Sitten und die Arbeitsteilung unterscheiden. So wird in Frankreich das Blut beispielsweise ausschließlich vom Pflegepersonal abgenommen und in muslimischen Ländern gibt es oftmals große Besonderheiten, was die Behandlung von Frauen oder das Praktizieren als Ärztin betrifft. Auch in diesen Punkten kann eine Famulatur im Wunschland hilfreich sein, um einen Ortswechsel entscheiden und planen zu können.

 

Fazit: Das Klima muss stimmen!

Frühe Vorbereitung, abwechslungsreiche Famulaturen, Auslandserfahrung – das klingt zunächst nach einem großen Aufwand, der einem ausgelassenen Studentenleben manchmal ein bisschen im Wege stehen kann. Eine bequemere Alternative bietet dann das Praktische Jahr. Sollte auch zum Ende des Studiums die spätere Fachrichtung noch offen sein, kann es nicht schaden, erstmal in einer Klinik anzufangen, in der man die Abläufe bereits kennt und in der das Klima stimmt. Denn was nützen supertolle Arbeitsbedingungen, wenn die Stimmung im Keller ist? Und sollte das erste Fach doch nicht das richtige sein, kann man ja immer noch wechseln. Der Ärztemangel macht’s möglich!

 

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