• Bericht
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  • Franziska Ippen
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  • 14.01.2014
  • Notfallkurs Heidelberg - Foto: F. Ippen

    Franziska mimt eine Verletzte beim Erste-Hilfe-Kurs der Notfallinitiative in Heidelberg - Foto: F. Ippen

     
  • Notfallkurs Heidelberg - Foto: F. Ippen

    Der Erste-Hilfe-Kurs der Notfallinitiative Heidelberg - Foto: F. Ippen

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    Die Retter kümmern sich um die Verletzte - Foto: F. Ippen

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    Die Verletzte bekommt einen Verband und wird versorgt - Foto: F. Ippen

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  • Team Notfallkurs - Foto: F. Ippen

    Die Ausbilder der Notfallinitiative Heidelberg - Foto: F. Ippen

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Die Notfallinitiative Heidelberg

Ein Unfall, ein Herzstillstand, ein anaphylaktischer Schock - Situationen, in denen die Betroffenen völlig hilflos sind. Und nicht nur die: Je nach Ausbildungsstadium sind auch Medizinstudenten mit solchen Situationen überfordert. Was mache ich als Ersthelfer? Was, wenn eine Reanimation notwendig wird? Oder: Was mache ich als PJler bei einem Einsatz im Schockraum? Antworten auf diese Fragen gibt es bei der Notfallinitiative Heidelberg. Hier werden Medizinstudenten auf Notfälle aller Art vorbereitet.

Ich hatte mir meinen Tag eigentlich anders vorgestellt. Wirklich, so ganz anders. Aber weil ich mal wieder zu viele Sachen auf einmal gemacht habe, musste es wohl so kommen. Gerade eben noch lief ich in den Hörsaal, um mir eine Vorlesung anzuhören, war in Gedanken und sah auf mein Handy – nun liege ich auf der Treppe und kann mich nicht mehr bewegen. Mein Rücken tut weh, mein linkes Handgelenk auch. Außerdem läuft mir Blut die Schläfe hinunter und ich habe Kopfschmerzen.

„Hallo, können Sie mich hören?“, fragt eine Stimme über mir. Ich blicke gequält auf. Zwei junge Männer mit Verbandskasten sind auf mich zugekommen. Sie tragen Handschuhe und stellen mir viele Fragen. Wie alles passiert ist, wie es mir geht, ob ich weiß, wo ich bin … Sie beginnen mit der Untersuchung meiner Vitalfunktionen, decken mich mit einer Notfalldecke zu und verpassen mir einen Kopfverband. Einer von ihnen sitzt direkt vor mir und beruhigt mich, der andere fixiert meine Halswirbelsäule. Das Schema, nach dem sie vorgehen, klingt sehr vertraut: A,B,C,D,E: Airway, Breathing, Circulation, Disability, Environment …

„Was würdet ihr jetzt machen? Jetzt habt ihr die Vitalfunktionen geprüft, ihr habt die Platzwunde am Kopf versorgt. Wie geht es jetzt weiter?“, fragt eine andere Stimme hinter mir. In diesem Moment sehe ich, wie mein Ersthelfer vor mir angestrengt nachdenkt: „Hm, ich würde jetzt alles nochmal kurz checken, bis der Notarzt kommt.“ Er geht noch einmal die wichtigsten Parameter durch und beruhigt mich abermals. Der Notarzt erreicht schließlich die Einsatzstelle: „Ich bin der Notarzt, vielen Dank für Ihre Hilfe, können Sie mir eine kurze Übergabe machen? Wir übernehmen dann jetzt."

Lösen wir die Situation kurz auf: Ich bin heute Mime bei der Notfallinitiative Heidelberg für ein praktisches Fallbeispiel im Rahmen des Erste Hilfe Kurses. An mir üben Studenten heute eine von vielen Situationen, die im Erste Hilfe Kurs an der Universität Heidelberg besprochen und praktisch trainiert werden. Viele Studenten aus der Vorklinik sind bei diesem vertreten, um ihre Kenntnisse als Ersthelfer aufzufrischen und zu erweitern. Doch was unterscheidet die Notfallinitiative Heidelberg dabei nun konkret von anderen Institutionen, die entsprechende Notfallkurse anbieten?

 

Die Notfallinitiative Heidelberg

Die Notfallinitiative Heidelberg ist eine Studentische Initiative, die im Jahr 2001 ursprünglich gegründet wurde, um den Medizinstudenten der Uni Heidelberg den im Rahmen des Physikums geforderten Erste-Hilfe-Kurs anzubieten. Diese Kurse sind dabei so angelegt, dass sie im Gegensatz zu anderen Erste-Hilfe-Kursen auf den Vorkenntnissen der Studenten aufbauen und einen tieferen Einblick in die Notfallmedizin bieten. Das ermöglicht gerade in der Vorklinik eine bessere Vernetzung von theoretischem und praktischem Lernen. Die Kurse werden entsprechend von Tutoren geleitet, die zusätzlich zum Medizinstudium eine notfallmedizinische Vorausbildung durchlaufen haben, zum Beispiel die Ausbildung zum Rettungsassistenten oder Erste-Hilfe-Ausbilder.

Ihre Ziele bei der Ausbildung der Studenten sind, die Studenten auf der Basis aktueller Leitlinien im Bereich Notfallmedizin fachübergreifend auszubilden und so praktische Fertigkeiten in der Lehre zu vertiefen. Dabei tauscht sich die Notfallinitiative Heidelberg auch regelmäßig mit anderen notfallmedizinischen studentischen Initiativen anderer medizinischer Fakultäten aus. Dabei wurde erst im Dezember 2013 der Zusammenschluss ‘ConECT – studentische Notfalllehre vernetzt’ gegründet wurde. Der Name steht dabei für “Collaboration on Emergency Medicine in Clinical Teaching”. In diesem Rahmen soll in Zukunft der Austausch zwischen den teilnehmenden Initiativen gefördert werden, um eine ständige Weiterentwicklung der Kurskonzepte zu ermöglichen.

 

Weitere Kurse

Das Kursprogramm der Notfallinitiative ist vielfältig. Vom Vorkliniker bis zum Assistenzarzt kommt jeder auf seine Kosten. Dies wird vor allem an der Entwicklung der Notfallinitiative innerhalb der letzten Jahre deutlich: Nach der Genehmigung der Erste-Hilfe-Kurse durch das Landesprüfungsamt Baden-Württemberg konnte das Kurskonzept der Notfallinitiative immer weiter ausgebaut werden. Im Jahr 2008 wurde das Programm um die Advanced-Life-Support-Kurse (ALS) erweitert, unter anderem durch die Unterstützung durch Studiengebühren. Im Rahmen dieser Kurse haben Studenten die Möglichkeit, ihre Kenntnisse im Bereich Reanimation und diverser Notfallsituationen, die häufig zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand führen können, zu vertiefen.

Auch die Einübung grundlegender bis hin zu fortgeschrittenen klinischen Fertigkeiten kommt dabei nicht zu kurz. Vom legen eines intravenösen Zugangs zur Applikation notfallmedizinischer Medikamente, über Sicherung der Atemwege bis hin zur Defibrillation werden die wichtigsten Schritte des Advanced-Life-Support Schritt für Schritt geübt.

Basierend auf diesem Konzept wurde ein Notfalltraining für PJler etabliert, das von allen PJ-Studenten im Tertial Innere Medizin am Uniklinikum Heidelberg durchlaufen wird. Zudem wird seit dem Wintersemester 2011/2012 das klinische Wahlfach “PHTLS TEAM and ATLS TEAM for Medical Students” zur Traumaversorgung angeboten. PHTLS steht für Prehospital Trauma Life Support und beschäftigt sich mit der präklinischen Traumaversorgung. ATLS steht dagegen für Advanced Trauma Life Support, was die Versorgung der Patienten im Schockraum umfasst. Dieses deutschlandweit einmalige Wahlfach wird in Kooperation mit PHTLS Deutschland, der BG Unfallklinik Ludwigshafen sowie der Orthopädie und Unfallchirurgie der Uniklinik Heidelberg organisiert und ist ebenfalls zur Anmeldung zum 2. Staatsexamen vom Landesprüfungsamt Baden-Württemberg anerkannt.

 

Die Tutoren der Notfallinitiative

Alle Tutoren der Notfallinitiative sind Medizinstudenten, die regelmäßig Fortbildungen und Schulungen in Didaktik und Notfallmedizin durchlaufen. Die meisten haben bereits Vorerfahrungen im Rettungsdienst oder während der klinischen Tätigkeit gesammelt und können so ihre gesammelten Erfahrungen ebenfalls in die Kurse einbringen. Dabei kooperiert die Notfallinitiative mit unterschiedlichen Fachbereichen wie Anästhesie, Innere Medizin, Kardiologie sowie Unfallchirurgie um ein möglichst interdisziplinäres Kursprogramm unter der Berücksichtigung der Besonderheiten eines einzelnen Fachgebiets anbieten zu können. Die Tutoren sind dabei sehr engagiert und vermitteln strukturiert die wichtigsten Inhalte eines jeden Kurses, ohne dass der Spaß dabei zu kurz kommt. Das spiegelt sich vor allem in den regelmäßigen sehr guten Evaluationen der Notfallinitiative wieder. Wenn ihr also Lust habt, einen Kurs zu belegen oder selbst als Tutor aktiv werden möchtet, freut sich die Notfallinitiative Heidelberg auf euer Engagement – es lohnt sich!

 

Links

Homepage der Notfallinitiative

Facebookauftritt der Notfallinitiative

 

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