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  • Melissa Schmucker
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  • 09.02.2021

Mein Präpkurs im Onlinesemester

Ein Medizinstudium ohne den Präpkurs? Unvorstellbar! Melissa erzählt, wie es ist, den Großteil der Anatomie in Onlineseminaren zu lernen, anstatt am Körperspender.

 

Schreibtisch, Laptop und Jogginghose: Das waren vor 2020 nicht gerade meine ersten Assoziationen beim Gedanken an den ominösen Präpkurs. Als ich mich dann statt mit einem Skalpell, mit einer Computermaus durch den Jungle an anatomischen Wissen kämpfte und Koffein den Geruch von Formalin ersetzte, konnte ich schonmal vergessen, dass ich gerade den wohl prominentesten Kurs der Vorklinik absolviere.

 

Wie kann ein Präpkurs in Zeiten von Corona funktionieren?

„Ärzte ohne Anatomie sind Maulwürfen gleich: sie arbeiten im Dunkeln, und ihrer Hände Tagewerk sind Erdhügel.“ (Friedrich Tiedemann)
Dies sind die Worte, die uns Erstsemestern der medizinischen Fakultät Heidelberg als Überschrift unseres „Online Präparierkurses“ entgegenleuchten. Für die Möglichkeit, sich präparierte Strukturen im Video zeigen zu lassen, wurde eigens eine neue Lizenz erworben. Und diese ist nur eine der vielen Besonderheiten, die den diesjährigen Präpkurs prägen.
Das Programm: größtenteils online. Neben drei Pflicht online Seminaren steht aber tatsächlich auch ein zweistündiger Termin im Präpsaal auf dem Wochenplan. Zusätzlich gibt es eine breite Auswahl an online Angeboten, die auf freiwilliger Basis absolviert werden können. Neben Videos, welche die einzustudierenden Strukturen am Körperspender und im CT zeigen, gibt es zusätzlich Beschriftungsübungen, klinische Fälle sowie zahlreiche Links zu externen Lernangeboten.  

Im Präsenzkurs wurde uns schnell klar, dass der Fokus nicht auf dem Präparieren liegt, sondern auf der Orientierung am Körperspender. Denn keine noch so genaue Vorbereitung (die bei so knapper Zeit im Saal essenziell ist) hilft, wenn beim Körperspender dann doch irgendwie alles ganz anders ist. Trotz der knappen Zeit wird auch mal selbst Hand angelegt und man erfährt das unglaubliche Privileg, die Anatomie an einem echten Menschen lernen zu dürfen.
Während die zeitliche Kürzung des Kurses natürlich einen klaren Nachteil darstellt, gibt es tatsächlich auch Veränderungen, die den Studierenden zu Gute kommen. Zwar lernen in Summe etwa gleich viele Studierende an einem Körperspender, allerdings zeitlich versetzt in Kleingruppen. Dadurch haben Studierende nicht nur die Gelegenheit, sich alles in Ruhe und ohne Gedränge anschauen zu können, sondern auch einen viel besseren Studenten-Assistenten-Schlüssel, die statt zehn immer nur vier Studierende betreuen. Durch die zeitliche Aufteilung bekommt man allerdings viele Präparationsschritte nicht mit, wenn diese zu anderen Zeitslots durchgeführt werden und es kommt vor, dass innerhalb einer Woche plötzlich sämtliche Organe entnommen wurden.

Der Kurs wird von je einem zweistündigen Seminar mit Dozent und Präpassistent begleitet. Die Seminare bestehen größtenteils aus Kleingruppenarbeit in Breakoutrooms, in welchen Kurzpräsentationen erarbeitet oder Bilder aus (Foto)-Atlanten beschriftet werden wollen. Am Ende werden häufig nochmal MC Fragen zu den behandelten Themen besprochen. Während im Präpsaal die Zeit mit dem Dozenten recht knapp ist, stellt das Online-Seminar eine tolle Gelegenheit dar, Unklarheiten ausführlich zu klären. Generell sind die Seminare sehr offen gestaltet und Fragen sind immer willkommen und werden diskutiert.
Neben diesen zwei wöchentlichen Seminaren gibt es noch ein unregelmäßig stattfindendes Virtuelle Anatomie Seminar mit studentischen Tutoren, die einem die Strukturen nochmal im CT näherbringen. Im Zeitalter von Bildschirmübertragungen stellt die Digitalisierung dieses Seminars keine große Hürde dar.

Einen Präpkurs größtenteils online absolvieren? Sowohl von Studierender- als auch Dozentenseite gab es zu Beginn dieses Semesters viele Bedenken. Vor allem die Sorge, dass unser Jahrgang Defizite im anatomischen Wissen davontragen würde, prägte die Zeit bis zum ersten Testat.
Mittlerweile neigt sich der Kurs trotz lockdownbedingter Verzögerungen dem Ende zu und erste Resultate wurden in Online Konferenzen besprochen: Hingegen der Erwartungen und der zahlreichen Hindernisse, seien die studentischen Leistungen sehr zufriedenstellend und man überlege sogar, den Kurs dauerhaft zu reformieren bzw. einige Veränderungen/Angebote weiterhin beizubehalten.

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