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  • Rebecca Freund
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  • 07.05.2014

Aufklärung gegen Tabak in Homburg

In dem Projekt "Aufklärung gegen Tabak" engagieren sich auch Homburger Medizinstudenten für rauchfreie Schulen. In Präsentationen und Klassenraumseminaren werden Schüler über die Auswirkungen des Tabakkonsums informiert. Durch Aufklärung, aber ohne Bevormundung, sollen Schüler vom Rauchen abgehalten werden.

Foto: Fotolia / Robert Neumann

 

Aufklärung gegen Tabak, kurz AGT, wurde 2012 von einem Gießener Medizinstudenten gegründet. Noch im selben Jahr kam es auch zur Gründung einer AGT-Gruppe in Homburg. Anfang 2013 folgten die ersten Klassenbesuche im Christian-von-Mannlich-Gymnasium in Homburg.

 

Aulapräsentationen und Klassenraumseminare

Das Projekt AGT ist zweigeteilt: zunächst findet eine Aulapräsentation mit allen in das Projekt einbezogenen Klassen statt. Dabei wird bereits auf die gesundheitlichen Nachteile des Rauchens eingegangen. Die Studenten erklären den Schülern unter anderem typische Krankheitsbilder wie COPD oder verschiedene Krebsformen. Aber auch nicht-medizinische Folgen des Rauchens werden thematisiert, wie zum Beispiel der finanzielle Aspekt, denn Rauchen ist – gerade für Schüler – sehr teuer. Ergänzt wird dieser Vortrag durch den Besuch eines Patienten aus der Homburger Lungenklinik, der als langjähriger Raucher den Schülern die gesundheitlichen Aspekte noch einmal erklären und verdeutlichen kann.

Einige Tage oder Wochen später wird das Thema mit den einzelnen Klassen noch einmal in so genannten Klassenraumseminaren wiederholt und vertieft. Dabei besuchen die Studenten in Zweierteams die verschiedenen Klassen und besprechen zusammen mit den Schülern die Folgen des Rauchens. Mithilfe von Modellen und Körperskizzen werden die genauen Auswirkungen des Tabaks auf die verschiedenen Organe erklärt. Dabei werden neben den allgemein bekannten Raucherkrankheiten beispielsweise auch Blasenkrebs oder Kehlkopfkrebs mit den entsprechenden Folgen thematisiert. Besonders beeindruckt zeigten sich die Schüler dann auch von dem mitgebrachten Blasenkatheter, denn den wenigsten war vorher klar, dass das Rauchen nicht nur die Lunge schädigt.

 

Mit Hampelmännern und Strohhalmen die Theorie verdeutlichen

Neben den verschiedenen Erkrankungen, die der Tabakkonsum mit sich bringt, werden auch die anderen Inhaltsstoffe einer Zigarette besprochen. Dabei wird den Schülern  gezeigt, wo diese Stoffe noch Verwendung finden, wie zum Beispiel Wasserstoffcyanid, das als Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt wird. Auch pragmatischere Folgen des Rauchens werden nicht vernachlässigt. So wird in einfachen Rechnungen gezeigt, was man sich für das Geld, das ein Raucher monatlich oder jährlich für seine Sucht ausgibt, alles leisten könnte. Auch auf die Werbestrategien der Tabakindustrie wird in den Klassenraumseminaren eingegangen.

Aber die Klassenraumseminare bestehen nicht nur aus grauer Theorie. Mit verschiedenen Übungen werden die besprochenen Themen verdeutlicht. So werden die Schüler beispielsweise aufgefordert, Hampelmänner und Liegestütz zu machen und sollen danach versuchen nur durch einen Strohhalm Luft zu holen. Damit wird die Atemnot simuliert, unter der Patienten mit einem Lungenemphysem leiden, das zum größten Teil durch Rauchen verursacht wird. Auch für die zahlreichen Fragen nehmen sich die Studenten Zeit und beantworten alles schülergerecht und möglichst ohne medizinische Fachbegriffe. Zum Abschluss des Klassenraumseminars wird mit Hilfe von Fragebögen erfasst, ob auch alles Besprochene hängengeblieben ist.

 

Aufklären, ohne Verbote zu setzen

Der Erfolg des Projekts liegt darin, dass der Altersabstand zwischen den Schülern und den Studenten viel geringer ist als bei ähnlichen Aufklärungsprogrammen. So haben die Studenten einen viel besseren Zugang zu den Jugendlichen und können mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren und auch als Vorbild dienen. Das medizinische Fachwissen, dass sie durch ihr Studium mitbringen, macht sie dabei besonders glaubwürdig. Da die Zielgruppe des Projekts meist Siebtklässler sind, setzt AGT dort an, wo noch keine oder wenige Schüler selbst rauchen. Es soll also vor allem der erste Griff zur Zigarette vermieden werden, um das Suchtproblem gar nicht erst aufkommen zu lassen. Wichtig ist auch, dass trotz der Aufklärung den Schülern nichts verboten werden soll. Stattdessen sollen ihnen die nötigen Informationen gegeben werden umihren eigenen Standpunkt zum Thema Rauchen zu finden.

 

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