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  • Julia Marschall
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  • 25.02.2016

Humanmedizin, erstes Semester: Bin ich hier richtig?

Das erste Semester des Medizinstudiums ist geschafft – und ich weiß nun alles über das Funktionsprinzip des Oszilloskops und die spektroskopischen Methoden in der Chemie. Wundervoll!

© Halfpoint-Fotolia.com

Meine Zeit in Homburg hatte wirklich schön angefangen, denn mein großer Traum vom Medizinstudium war endlich Wirklichkeit geworden. Nachdem die älteren Semester uns Erstis einen gebührenden Empfang bereitet hatten, lernte ich viele Kommilitonen kennen und auch meine Orientierung auf dem unübersichtlichen Campus wurde immer besser.

Nach einem Wochenende voller Partyspaß begann dann der Ernst des Lebens. Meine neuen Freunde und ich checkten erstmal den Stundenplan. Zu unserem Entsetzen würden wir uns die nächsten beiden Wochen mit Physik und Biologie beschäftigen – und das von morgens bis abends.

Mein erster Gedanke dazu war: „Na gut, das wird ja wohl nicht das ganze Semester so bleiben und es kann ja auch nicht schaden, mal die Physikkenntnisse aufzubessern.“ Schließlich gibt es Statistiken, die besagen, dass Physik zu den meist gehassten Fächern der Schulzeit gehört. Dementsprechend hatten die meisten von uns keine Ahnung mehr davon. Zum Glück gibt es die Tutorien – kleine Lerngruppen von 10-12 Studenten, in denen man alle Fragen und Probleme rund um die bevorstehenden Praktika und die unergründlichen Tiefen der Physik klären kann. Und obendrauf gibt es sogar noch vier Punkte für die Physikklausur, was einige unter uns tatsächlich retten wird.

Deshalb mein Tipp Nr. 1 an alle Erstis: Geht in die Tutorien, auch wenn die euch zunächst langweilig und nicht zu 100% sinnvoll erscheinen. Aber die Punkte sind es wert und wer weiß – vielleicht habt ihr ja im Tutorium die Erleuchtung und werdet zu wahren Physikgenies.

Mal abgesehen von den sieben Physikpraktika– die leider alle Pflicht sind, hält das erste Semester noch andere Überraschungen bereit. Das nächste, worauf wir uns freuen durften, war das Biologiepraktikum, in dem wir als Höhepunkt Schweineherzen sezieren durften. Hier meisterten wir auch die allererste Prüfung unseres Studiums: die Mikroskopierprüfung.

Das klingt schlimmer als es ist, denn man hat mehr als genug Zeit zum Üben am Mikroskop und in der Prüfung muss man nur ein Präparat scharf stellen. Außerdem konnten die Punktejäger unter uns schon während dem Praktikum ausreichend Punkte sammeln, sodass die Klausur am Ende komplett wegfiel.

Daher Tipp Nr. 2: Strengt euch in allen Praktika an, dann spart ihr euch das Lernen für eine Klausur komplett oder ihr erleichtert euch zumindest die Paukerei und seid am Ende des Semesters weniger gestresst.

Nach erfolgreich abgeschlossenem Biologiepraktikum trennte uns nur noch die Terminologie Klausur von den wohlverdienten Weihnachtsferien. Aber ich bin mir sicher, dass das die kleinste Hürde im ersten Semester ist, denn das Praktikum der medizinischen Terminologie, ist zwar Pflicht, macht aber riesig viel Spaß, was nicht nur am Dozenten Prof. Dr. Becker – dem Lieblings-Anatom der meisten Studenten in Homburg – liegt.

Mein Tipp Nr. 3 lautet: Genießt die Terminologie-Vorlesung, denn mal abgesehen von dieser Veranstaltung werdet ihr euch öfter die Frage stellen – wozu lerne ich diesen Blödsinn? Ich will Medizin studieren und kein Physiker, Chemiker oder Mathematiker werden!? Und ja, richtig gelesen: ein klein wenig Mathe braucht man auch im Medizinstudium.

Das Unglaubliche an der Uni ist: man merkt gar nicht wie schnell die Zeit vergeht und schwups, ist man fast schon am Ende des Semesters angelangt. Zu guter Letzt muss man sich nur noch den Chemie-Schein erarbeiten. Die Vorlesungen begleitend zu den fünf Pflichtpraktika waren spätestens dann superhilfreich und überdurchschnittlich gut besucht, als es auf die drei Klausuren zuging und sich allgemeine Panik breit machte.

Aber auch die Chemieprüfung war gut zu schaffen, wenn man sich konzentrierte und die Tipps der älteren Semester auch wirklich zu Herzen nahm. Selbst diejenigen von uns, die absolut keine Ahnung von Chemie hatten, haben letztlich fast alle Klausuren bestanden. Denn eins ist sicher: unser Chemie-Professor hat sein Versprechen gehalten, dass keiner im Studium aufgrund eines fehlenden Chemie-Scheins scheitern würde.

Tipp Nr. 4 und ein allgemeines Anliegen ist: Auch wenn es eure allerersten Prüfungen an der Uni sind: Macht euch nicht zu sehr verrückt! Vor euch haben es schon so viele andere geschafft, die vielleicht sogar weniger gelernt haben. Ihr fragt euch wie das möglich ist? Das lernt ihr wahrscheinlich schon am ersten Tag im Studium: Altklausuren kreuzen ist die halbe Miete! Und die verbreiten sich meist wie ein Lauffeuer über diverse Internetplattformen, zu denen jeder Student an der Uni Homburg Zugang hat.

Während des ersten Semesters habe ich vor allem eins gelernt: Das Medizinstudium ist manchmal echt anstrengend und man realisiert schnell, dass die vier Semester bis zum Physikum wohl nicht einfach werden und vollgestopft sind mit scheinbar irrelevanten Dingen. Aber gerade im ersten Semester hat man noch die Zeit, das Studentenleben zu genießen und neue Freunde zu finden, viel zu unternehmen und herauszufinden, wie man am besten lernt.

Tipp Nr. 5: Nutzt diese Zeit! Kehrt dem Schreibtisch auch mal den Rücken, im ersten Semester kann man sich das ohne schlechtes Gewissen leisten!
Und der allerwichtigste Tipp zum Schluss: Lasst euch bloß keine Angst machen! Weder von älteren Semestern, die euch von der schlimmen Vorklinik erzählen, noch von Kommilitonen, die meinen, sie wüssten über alles genauestens Bescheid. Jeder hat sein eigenes Tempo und arbeitet individuell. Zum Erfolg kommt man über eine Treppe und jeder erklimmt die Stufen dieser Treppe anders.

 

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