• Bericht
  • |
  • Marisa Kaspar
  • |
  • 02.10.2014

Altersforschung – Vortrag einer Nobelpreisträgerin in Jena

Die Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn hat in Jena einen Vortrag über ihre Forschung rund ums Altern gehalten. Marisa war dabei und berichtet euch davon.

Das Leibniz-Institut für Altersforschung und das Fritz-Lipmann-Institut (FLI) ermöglichten im Rahmen ihrer monatlichen Colloquien eine ganz besondere Vorlesung für Studenten und Wissenschaftler: Am 26. September hielt Dr. Elizabeth Blackburn in Jena einen Vortrag über Telomere, Telomerase und das Altern. Warum dieser Vortrag etwas so Besonderes war? Elizabeth Blackburn wurde im Jahr 2009 für ihre Forschung der Nobelpreis für Medizin und Physiologie verliehen – und in Jena sprach sie über ihre Forschung.

 

Die Nobelpreisgewinnerin Dr. Elizabeth Blackburn - Foto: Conrad Erb

Die Nobelpreisgewinnerin Dr. Elizabeth Blackburn

 

Vor Beginn ihres Vortrags wurde die Forscherin kurz vorgestellt. Sie hatte in Australien und Großbritannien studiert und promoviert, bevor sie an der Universität Berkeley in Kalifornien als Professorin tätig wurde. Schon vor der Verleihung des Nobelpreises hatte sie verschiedenste Auszeichnungen erhalten: So wurde sie zum Beispiel 2007 vom Times-Magazin als eine der „100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt“ geführt und hat im Jahr 2009 den Paul-Ehrlich-Preis gewonnen.

 

Jena – Altersforschung wird hier groß geschrieben

Viele fragen sich jetzt sicher, warum eine berühmte Nobelpreisträgerin einen Vortrag in Jena und nicht etwa in eine Großstadt wie Berlin oder München hält. Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: In Jena steht das erste nationale Institut für Altersforschung, das Leibniz-Institut. Hier werden sowohl Alterungsprozesse einzelner Zellen als auch der Mensch ganzheitlich mit seinen verschiedenen Erkrankungen im Alter betrachtet. Die Arbeitsgruppen forschen vor allem an Telomeren und Genen, die am Altern beteiligt sind. Außerdem werden neurodegenerative Erkrankungen wie Chorea Huntington und typische Alterskrankheiten wie Krebs und Organversagen untersucht.

 

Das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena - Foto: Claudia Sadewasser

Das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena

 

Was sind eigentlich Telomere und die Telomerase?

In Jena wird an Telomeren geforscht und Dr. Blackburn hat ihren Nobelpreis für die Entdeckung der Telomerase erhalten, also scheinen die Beiden ja in wirklich wichtige Prozesse im Körper verwickelt zu sein. Das sind sie tatsächlich: Die Telomere sind schuld daran, dass wir altern und die Telomerase arbeitet daran, dass das nicht ganz so schnell passiert.
Stücke, die sich immer wieder wiederholen: Die Telomere. Diese haben keine wichtigen Informationen gespeichert und können deswegen beliebig verkürzt werden. Doch irgendwann sind die Telomere zu kurz und die Zelle hört auf, sich zu teilen. Hier kommt die Telomerase ins Spiel. DieStücke an die Telomeren an, sodass diese wieder länger werden und die Zelle sich öfter teilen kann. Die Telomerase ist beim Menschen jedoch nur in bestimmten Zellen aktiv, die sich häufiger teilen müssen als gewöhnliche Zellen: in Immunzellen, Stammzellen, Zellen der Keimbahn und leider auch in 94% der Krebszellen.

Die Telomerase - Foto: Sierra Sciences

Die Telomerase fügt ans Ende der Chromosomen immer neue Sequenzen wie am Fließband einer großen Fabrik.

 

Krankheiten durch Änderungen der Telomerlänge

An diesem Punkt setzt die Forschung von Elizabeth Blackburn an – und über genau diese erzählte sie in Jena. Es gibt Menschen mit kürzeren Telomeren und Menschen, deren Chromosomenenden länger sind als bei anderen. Man sollte meinen, dass lange Telomeren super sind – man müsste ja länger leben und weniger Alterskrankheiten bekommen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Längere Telomere kommen von einer sehr aktiven Telomerase und diese hemmt, wenn sie so aktiv ist, den natürlichen Zelltod, sodass bestimmte Krebsarten, wie Gehirntumoren, viel leichter entstehen können.
Doch auch zu kurze Telomere können zu Krebs, vor allem der Haut und der Schleimhäute führen. Neue Studien zeigen außerdem einen Zusammenhang zwischen kurzen Telomeren und kardiovaskulären Erkrankungen sowie Diabetes mellitus. Die Telomere dürfen also weder zu kurz, noch zu lang sein. Wir leben, um es in den Worten von Dr. Blackburn zu sagen, „auf Messers Schneide“.

 

Können wir etwas für unsere Telomere tun?

Im ersten Moment hört sich das nach einer sehr merkwürdigen Frage an. Doch auch hierüber berichtete Elizabeth Blackburn. Viele Umweltfaktoren beeinflussen die Aktivität der Telomerase und damit die Länge der Telomeren. So führen zum Beispiel Rauchen und Stress zu kürzeren Telomeren. Doch nicht nur Stress im Alltag, auch traumatisierende Kindheitserfahrungen und sogar Stress in der Schwangerschaft lassen die Telomere von Kindern schrumpfen. Es gibt aber auch Faktoren, die die Telomeren länger werden lassen. Genügend Schlaf, gesunde Ernährung, Sport und sogar das Bildungsniveau sind hierfür gute Beispiele. Eine britische Studie konnte zeigen, dass bei Leuten mit Hochschulabschluss die Telomere am längsten sind, während sie bei Menschen ohne Schulabschluss am kürzesten sind.

 

Ehepaar - Foto:  Ras67

Um gesund und glücklich zu altern, können wir einiges tun – trotz genetischer Einflüsse!

 

Doch es gibt auch Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. So haben Kinder von Eltern mit kurzen Telomeren auch kürzere Telomere und es reicht schon, wenn ein Elternteil diese hat: Das Kind wird dann zwar die langen Telomere erben, doch diese verkürzen sich schneller als bei anderen.

 

Messung der Telomerlänge

Für alle, die es ganz genau wissen wollen, möchte die amerikanische Firma Telome Health Inc., die Dr. Blackburn mitgegründet hat, Tests zur Feststellung der Telomerlänge anbieten. Ob man die kennen möchte oder lieber doch nicht, sei jedem selbst überlassen. Wichtig ist aber, immer zu bedenken, dass wir die Länge unserer Telomere und damit unsere Alterskrankheiten selbst beeinflussen können: Durch einen gesunden Lebensstil.

Mehr zum Thema

Artikel: AG Aufklärung gegen Tabak

Artikel: Linien-OSCE

Bericht: Blockpraktikum Pädiatrie

Mein Studienort

Medizinstudenten berichten aus ihren Unistädten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 100 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete