• Bericht
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  • Patricia Paul
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  • 23.05.2017

Blockpraktikum Pädiatrie

Was du im Blockpraktikum Pädiatrie lernst und wie du dich am besten darauf vorbereitest.

Das Blockpraktikum Pädiatrie dauert in Jena 5 Tage. In dieser Zeit rotierst du von Station zu Station und lernst so die Vielfalt dieser Fachrichtung kennen. Jeder Tag des Blockpraktikums beginnt mit der Frühbesprechung im Vorlesungssaal um 8 Uhr. Auch wenn im Stundenplan 7.45 Uhr steht, geht es doch erst um Punkt 8 Uhr los. Bitte sei pünktlich bei der Frühbesprechung und kleide dich schon vorher in blauer Stationskleidung, da es von der Frühbesprechung direkt auf Station geht. Jede Seminargruppe hat ihre eigene Blockpraktikumswoche – jeweils zwei Studenten werden gemeinsam auf einer Station eingeteilt.


An Untersuchungs-Utensilien solltest du das mitbringen, was du auch im Untersuchungskurs im 5. Semester verwendet hast: Stethoskop, Pupillenleuchte, Reflexhammer, Notizblock und Kugelschreiber.
Jede Station hat ihren individuellen Ablauf am Morgen, aber eines haben alle gemeinsam: Zuerst geht es ins Arztzimmer, dort werden die kleinen und großen Patienten kurz mit dem Oberarzt durchgesprochen. Darauf folgt dann die morgendliche Visite. Auf uns Studenten wird auf jeder Station sehr gut eingegangen, Fragen werden direkt vor dem Patientenzimmer geklärt und alle sind hilfsbereit und zuvorkommend.


Was sind deine Aufgaben als Blockpraktikant?


In erster Linie lernt man im Blockpraktikum, wie man mit den Kindern richtig umgeht. Jeder Student wird einem Arzt auf Station zugeteilt und begleitet diesen dann den gesamten Vormittag. Der Vorteil davon ist, dass du bei Untersuchungen eine 1:1-Betreuung von Arzt zu Student hast und auf deine Fragen und Lernziele eingegangen wird. Du darfst die Patienten nach dem Arzt abhören – im Anschluss bespricht der Arzt dann direkt mit dir, was du hören solltest oder fragt, was dir aufgefallen ist. Blutentnahmen führen die Ärzte selbst durch, ebenso die Aufnahmen. Als Blockpraktikant ist es daher sehr entspannt. Alle – also Ärzte und Pflegepersonal – sind daran interessiert, dass wir Studenten etwas lernen.


Am ersten Tag findet zudem noch ein pädiatrischer Untersuchungskurs für die Blockpraktikumsstudenten statt. In diesem Seminar wird noch einmal mit einem der Oberärzte auf Untersuchungstechniken in der Pädiatrie und den richtigen Umgang mit den kleinen Patienten eingetragen.

Auf welche Stationen werden Studenten eingeteilt?


Allgemeine Pädiatrie:
Hier liegen Kinder mit den verschiedensten Erkrankungen. Von Myositis über Otitis media bis hin zum seltenen Kawasaki-Syndrom ist das gesamte Spektrum der Pädiatrie vertreten. Je nachdem, welche Krankheitsbilder gerade auf der Station vertreten sind, lohnt es sich, diese mitzuschreiben, da diese am Testat-Tag gerne geprüft werden.


Infektiologie:
Auf der Infektiologie landen die kleinen Patienten, die mit bakteriellen oder viralen Infektionen zu kämpfen haben. Wichtig ist auf dieser Station, dass du dir vor jedem Patientenzimmer mit dem Besucherhinweis „Bitte beim Stationspersonal vor Betreten des Zimmers melden“ Schutzkittel, Mundschutz und Handschuhe anziehst. Händedesinfektion vor Betreten des Patientenzimmers und beim Herausgehen nicht vergessen. Auf dieser Station sind die Chancen gut, eine Bronchitis abhören zu können und Patienten mit den Assistenzärzten in Ruhe zu untersuchen.


Neuro-Pädiatrie:
Eine interessante Station, da sich der Umgang mit den neuro-pädiatrischen Patienten doch sehr vom Umgang mit neurologischen Patienten unterscheidet. Wenn du bei Neurologie eher an Parkinson und Co denkst, wirst du erstaunt sein, welche Krankheitsbilder dich hier erwarten werden. Mit etwas Glück siehst du sehr seltene Erkrankungen, ich hatte das Glück bei der Aufnahmeuntersuchung eines Mädchens mit tuberöser Sklerose, die laut Assistenzärztin sehr selten ist, dabei sein zu dürfen. Es gibt einige Betten für Patienten mit umfassender Behandlung von Kopfschmerzen, bei denen bisher keine andere Therapie angeschlagen hat. Diese Patienten erhalten in den ersten Tagen Unterricht im Krankenhaus, dann dürfen sie vom Krankenhaus aus ihre Schule besuchen. Nachmittags erhalten sie dann weitere Behandlungen. Reflexe beim Kleinkind prüfen solltest du dir nicht entgehen lassen. Meist lassen sich diese gut auslösen, es ist aber herausfordernd, die kleinen Patienten vom Stillhalten zu überzeugen und in „Kindersprache“ zu erklären, was du gerade vorhast.


Neonatologie/Kinderintensivstation:
Auf diesen Stationen teilst du dich mit deinem Kommilitonen auf, ein Student darf auf die Neonatologie, der andere Student auf die Kinderintensivstation. Ich war in meiner Blockpraktikumswoche auf der Neonatologie, daher kann ich hier nur über die Neonatologie berichten. Da ich auch auf der Neonatologie mein Testat hatte, hatte ich mich im Vorfeld mit dem Skript von Prof. Proquitté beschäftigt. Dies kam mir auf der Neonatologie zugute, da es doch eine komplexe Fachrichtung mit einigen Eigenheiten ist. Die Krankheitsbilder auf der Neonatologie unterscheiden sich doch grundlegend von den Krankheitsbildern auf einer normalen pädiatrischen Station. Das kleinste Frühgeborene, was ich dort gesehen habe, war um die 800 g schwer und viel zu früh auf die Welt gekommen. Eine Blutentnahme auf der Neonatologie ist sehr interessant, da das Blut entweder aus Handrücken herausgedrückt wird oder wenn dies nicht möglich ist, aus der Kopfschwarte entnommen wird. Für mich war dies ein sehr ungewohnter Anblick, unser kleiner Patient war aber sehr entspannt. Wenn du die Möglichkeit hast, mit zu der U2 zu gehen, dann mach das unbedingt. Dort siehst du die Reflexprüfung live und hörst Tipps zum richtigen Verhalten, um den plötzlichen Kindstod zu vermeiden.


Onkologie:
Auf der Onkologie siehst du das gesamte Spektrum der onkologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Die pädiatrischen Patienten sind sehr tapfer. Im Laufe des Vormittages wirst du bemerken, dass diese Patienten auch „nur“ Kinder mit den gleichen Bedürfnissen sind wie gesunde Kinder. Sie sind kräftemäßig je nach Tagesform mehr oder weniger belastbar.


Wie läuft das Testat am letzten Blockpraktikumstag ab?


Je nach dem Oberarzt auf Station besteht das Testat aus einer reinen Wissensabfrage oder einer Untersuchung am Krankenbett mit dazugehörigen Theoriefragen. Das Testat dauert je nach Station unterschiedlich lang, von 20 min bis 60 min ist alles möglich. Frage am besten deine Kommilitonen, die schon auf dieser Station waren während der Blockpraktikumswoche, welche Erkrankungen die Patienten haben. So könnt ihr euch schon während des Blockpraktikums darauf vorbereiten und seid für die Theoriefragen gerüstet.

Wie sollte ich mich am besten auf die Blockpraktikumswoche vorbereiten?


Schau dir am besten noch einmal die Vorlesungen der Pädiatrie an und lese dir die häufigsten pädiatrischen Krankheitsbilder im Pädiatrielehrbuch durch. Es ist nicht schlimm, wenn du Fragen nicht beantworten kannst, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es leichter ist während der Visite zu folgen, wenn man die wichtigsten Krankheitsbilder im Kopf hat. Das gibt dir Sicherheit und Lernerfolg, wenn du dann Symptome wiedererkennst. Für die Neonatologie würde ich mir unbedingt die verschiedenen Herzfehler anschauen. Wenn du interessiert bist und viele Fragen stellst, lernst du eine ganze Menge und die Ärzte freuen sich über motivierte Studenten.
Für mich war es das beste Blockpraktikum während des Studiums. Ich konnte so viel mitnehmen wie in keinem anderen Blockpraktikum. Und ich habe mich niemals fehl am Platz gefühlt. Freu dich auf die Woche – von diesem Blockpraktikum kannst du nur profitieren.

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