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  • Patricia Paul
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  • 02.07.2015

Hör auf dein Herz – Dr. Heart

Ältere Menschen mit Herzproblemen wissen oft nicht genau über ihre Erkrankung bescheid. Dr. Waller will dies mit seiner Website Dr. Heart ändern.

 

Herz - Foto: hywards – Fotolia.com

© hywards/Fotolia.com

 

 

Bei meinem letzten Kaffeekränzchen bei Oma kam ein älterer Herr auf mich zu. Er erzählt mir, dass er erst vor kurzem einen Herzinfarkt gehabt hätte und eigentlich gar nicht so recht wüsste, was die Ärzte gemacht haben und warum er denn nun drei Medikamente einnehmen müsse.


So geht es vielen Herzkranken. Weil sie nicht genau Bescheid wissen, halten sie die Behandlungstreue nicht und versterben dann an ihrer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Mit diesem Missstand, möchte sich Dr. Stefan Waller alias Dr. Heart – Internist und Kardiologe in Berlin- nicht zufrieden geben.
Er hat eine eigene Website – www.dr-heart.de – erschaffen, auf der von ihm erstellte Videoclips zum Thema Herz-Kreislaufmedizin zu finden sind. Die Schaffungsphase dieses Projektes dauerte ungefähr 16 Monate, das Drehen der Clips begann dann vor einem Jahr und seit nunmehr drei Monaten ist Dr. Heart endlich online und erfreut sich wachsender Beliebtheit.


Ich habe Herrn Dr. Waller einmal etwas genauer zu seinem Dr.Heart-Projekt befragt.

 

Dr. Waller - Foto: privat

Dr. Waller alias Dr. Heart


> Herr Dr. Waller, wie kamen Sie auf die Idee, eine Website mit Videos für medizinische Laien zu veröffentlichen?


Obwohl ich viel in der interventionellen Kardiologie gearbeitet habe und mir das Herzkathetern Spaß macht, ist es doch so, dass man die Erkrankung mit Stents allein nicht aufhält. Im akuten Infarkt kann man mit einem Stent an der richtigen Stelle viel Gutes tun, sprich Leben oder zumindest Lebensqualität retten, da man den Patienten gegebenenfalls vor einer späteren Herzschwäche bewahrt. Nach dem Herzkatheter beginnt aber erst die eigentliche Aufgabe: das Leben mit der KHK, das Erlernen eines einigermaßen herzgesunden Lebensstils, um sich vor dem zweiten Herzinfarkt, der dann meist viel verheerender verläuft, zu schützen. Aus meiner Erfahrung sowohl als Kardiologe in der Klinik als auch aktuell in der ambulanten Medizin, sehe ich die Problematik, dass für eine ausführliche Aufklärung über wichtige Zusammenhänge der eigenen Herzerkrankung im stressigen Ärzte-Alltag oftmals schlicht die notwendige Zeit fehlt. Hieraus entstand die Motivation, mit dem Dr. Heart-Videoportal Abhilfe zu schaffen und den Menschen in einfacher Sprache wichtige Zusammenhänge zu ihrer Erkrankung zu vermitteln.


> Wie sieht die Vorbereitung für solch ein Video aus?


Ich überlege mir, welche Themen ich aus Sicht des Patienten für wirklich relevant halte und in welchem Umfang sie bearbeitet werden sollten. Oft fließt auch die Erfahrung aus meinem Berufsalltag mit ein, da ich aus den wiederkehrenden Fragen der Patienten ein wenig einschätzen kann, zu welchen Themen es besonders viele Unklarheiten gibt. Dann recherchiere ich aus verschiedenen Quellen zum Thema, spreche den Text in mein iPad und optimiere hin und her. Anschließend übe ich den Text ein, bis er einigermaßen sitzt! Auch meine täglichen Fahrradfahrten durch Berlin nutze ich häufig zum Vor-mich-her-Erzählen ...


> Auf welche Art und Weise schaffen Sie es, die medizinische Fachsprache für Laien verständlich zu machen?


Die beste Vorbereitung ist das Vortragen vor meinen Eltern. Da sie zu der Generation der "Golden-Ager" gehören, muss ich hier besonders langsam und verständlich reden. Wenn Sie alles mitbekommen und verstanden haben, dann ist es meist schon ganz gut. Daneben bekommt man auch gute Tipps und Kritiken von Freunden und allen möglichen Zuhörern, die sich die Videos bereits angesehen haben. Aber natürlich ist das alles eine kontinuierliche Entwicklung, man muss sich ständig an den Zuhörern ausrichten und ich möchte und werde mich hoffentlich hierbei auch noch weiter verbessern. Für konstruktive Kritik bin ich jedenfalls immer offen und versuche, dies dann auch ich den folgenden Videos umzusetzen, wenn ich es für richtig halte.


> Wie sind die Reaktionen Ihrer User?


Im Großen und Ganzen sehr positiv, ich versuche ja auch auf Themenvorschläge einzugehen, einige sehr nützliche und sachliche Kritiken konnte ich bereits umsetzen. Das ist das Schöne an einer Webseite, man kann sie immer verändern und verbessern. Allerdings bin ich noch nicht voll bei meiner ursprünglich anvisierten Zielgruppe der Herzpatienten angekommen. Bedingt durch das Medium Internet ist zumindest die Mehrzahl meiner Facebook-Follower eher im jüngeren bis mittleren Alter. Hier will ich auch unter den etwas älteren Menschen noch bekannter werden.



Herr Dr. Waller freut sich immer über Feedback. Beim nächsten Kaffeekränzchen kannst du dank der dr-heart-Website einfach das Smartphone zücken und die Videoclips zeigen. Videos sind einprägsamer, können mehrmals hintereinander angesehen werden, sollte es den aufgeregten Patienten beim Arzt zu schnell gehen mit den Erklärungen. Sie können Präventionsarbeit bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen leisten. Denn wie es so schön von Hippokrates heißt: „Es gibt keine unheilbaren Krankheiten, nur unheilbare Menschen“.

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