• Bericht
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  • Marisa Kaspar
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  • 16.05.2014

Labor-experimentelle Doktorarbeit: Die erste Woche

Marisa hat sich entschieden, für eine labor-experimentelle Doktorarbeit in der Virologie zwei Freisemester zu nehmen. Hier erzählt sie von ihrer ersten Woche im Labor, welche Schwierigkeiten sie erwarteten und warum es Spaß macht, mal etwas Neues auszuprobieren.

Montag

Nach zwei Wochen Ferien mit Ausschlafen fällt das Aufstehen bekanntlich schwer. Doch die Vorfreude und die Nervosität haben mich schon eine Stunde vor dem Weckerklingeln aus dem Bett geholt. Etwas zu früh stehe ich dann vor dem Labortrakt und warte auf meine Betreuerin.

Das Center for Molecular Biochemistry - Foto: M. Kaspar

Das Center for Molecular Biomedicine (CMB), in dem ich an meiner Doktorarbeit forsche.

Als diese da ist, zeigen sich – noch bevor ich den eigentlichen Labortrakt betrete – erste Probleme: Der Schlüssel für den Spint, in dem meine Kittel sein sollten, passt einfach zu keinem der Spinte. Dabei war ich doch extra schon vor vier Wochen bei den netten Damen in der Wäscherei, damit am ersten Tag alles klappt. Das fängt ja gut an. Meine Betreuerin weiß leider auch nicht weiter, doch dank einer netten MTA löst sich das Problem: In diesem Gebäude heißt das Erdgeschoss Ebene 1, der erste Stock Ebene 2 und so weiter. Meine Kittel sind deshalb wohl ein Stockwerk zu weit unten gelandet. Also nochmal die Treppen runterlaufen, nachsehen – und die Kittel sind da.

Endlich bereit anzufangen, geht es ins Labor. Doch zuerst steht noch eine Sicherheitsunterweisung an. Ich bekomme einen Ordner mit gefühlt 1000 Seiten („Lies die doch bitte genau durch“) und kann mich so über Brandschutz, Infektionsgefahr (HIV, Hepatitis und Co.) sowie über das richtige Pipettieren („Nicht mit dem Mund pipettieren!“) informieren.

Jetzt kann es aber wirklich losgehen – dachte ich. Denn heute steht erstmal Arbeit am Computer an. Nicht ganz der Start, den ich mir gewünscht hätte, aber morgen startet dafür die eigentliche Laborarbeit. Ein Schild am PC verkündet „Vorsicht: langsam!!“ und das bestätigt sich auch, als ich den Computer hochfahre. Meine Betreuerin schreibt in der Zwischenzeit einen Befund zu Ende und als sie dann fertig ist, ist auch mein Computer endlich startklar.

Primer für die Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) zu definieren, steht jetzt an. Zum Glück hatte meine Betreuerin mir schon vor ein paar Wochen ein kurzes Skript über meine Arbeitsabläufe gegeben, damit ich mich ein wenig einlesen konnte. Ich hatte also schon eine Grundidee, was auf mich zukommt. In der Praxis sieht das Ganze dann aber schon etwas komplizierter aus als auf dem Papier. Ob ich schon einmal mit dem Programm Mega 5.1 gearbeitet hätte? Ich habe davon bisher noch nicht einmal gehört …

Aber dank guter Erklärungen von meiner Betreuerin und Hilfe, sobald ich nicht mehr weiter weiß, bringe ich den ersten Tag gut vorbei und am Ende sind alle nötigen Primer definiert und bestellt. Mit einem guten Gefühl und Vorfreude auf die nächsten Tage geht’s nach Hause, wo ich erschöpft schon ziemlich früh ins Bett falle.

 

Dienstag

Heute passiert nicht viel bei mir im Labor. Eine Biotechnologiestudentin, die ihre Bachelorarbeit machen will, wird heute eingearbeitet, sodass meine Betreuerin mir frei gegeben hat. Für mich heißt das: etwas länger schlafen. Auch nicht schlecht! Ausgeschlafen geht’s in die Bibliothek, ein bisschen Literaturrecherche für die nächsten Wochen durchführen. Zu lang halte ich aber nicht durch, denn Arbeiten werde ich in den nächsten Wochen sicher noch genug. Lieber nutze ich meinen freien Tag und treffe Freunde. Am nächsten Tag geht’s ja wieder früh los.

 

Mittwoch

Schon wieder bin ich wach, bevor mein Wecker klingelt. Unglaublich – ich mutiere ja noch zum Frühaufsteher. Pünktlich um 7.30 Uhr stehe ich im Labor und treffe auch gleich die Bachelor-Studentin, die heute mit mir zusammen von meiner Betreuerin alles gezeigt bekommt.

Jetzt geht’s ans Eingemachte. Zum ersten Mal bin ich wirklich im Labor und realisiere erst richtig, dass es jetzt  mit meiner Doktorarbeit losgeht. Ein bisschen mulmig wird mir dabei schon. Was, wenn ich mich doch übernommen habe? Aber ich bin ja gut betreut und alle anderen in der Arbeitsgruppe sind auch sehr nett und scheinen sich über die neue Doktorandin zu freuen. Bestimmt kann ich auch hier immer nachfragen, wenn ich etwas nicht verstehe.

Heute wird zuerst DNA isoliert. Ob ich das schon einmal gemacht hätte? Nein. Irgendwie habe ich nichts, was hier passiert, schon einmal gemacht oder gesehen. Da hilft auch das Biochemie-Praktikum im dritten Semester überhaupt nicht weiter. Aber ich werde das schon lernen. Alles fleißig mitzuschreiben ist ein guter Tipp von der Bachelorstudentin – bei so vielen Infos vergisst man sonst mindestens die Hälfte.

Nach der Herstellung von Gel für die Gelelektrophorese und einer PCR habe ich leider schon wieder vergessen, wo die meisten Dinge, die ich hierbei brauche, zu finden sind. Gut, dass jetzt erstmal wieder der Abend zum Entspannen kommt und ich eine Nacht über die vielen neuen Infos schlafen kann.

Fleck - Foto: geralt/pixabay.com

So in etwa fühlt sich mein Gehirn nach dem dritten Tag an. Gut, dass jetzt Feierabend ist! Grafik: geralt/pixabay.com 

 

Donnerstag

Heute werden die Ergebnisse der letzten Tage ausgewertet. Dabei heißt es, eine Gelelektrophorese zu machen, das PCR-Produkt aufzureinigen und dann zum Sequenzieren einzuschicken. Aber wo waren nochmal die Chemikalien, die ich für die Herstellung des Gels brauche? In Raum 409? Oder doch 410? Oder an einem ganz anderen Ort? Und wie ging das alles nochmal? Fragen über Fragen … Zum Glück können mir die nette MTA und meine Mitschriften aus den letzten Tagen weiterhelfen und am Ende des Tages hat alles geklappt, was für heute geplant war. Gut, dass hier alles so nett sind und mir jede Frage auch gerne zwei Mal beantworte, wenn ich wieder einmal vergessen habe, was ich wo finde. Ich und mein toller Orientierungssinn …

 

Freitag

Jetzt ist die erste Woche fast geschafft. Viele Infos in ziemlich kurzer Zeit – und nächste Woche sollen noch mehr neue Methoden dazu kommen?! Und dazu auch noch neue Räume, in denen ich arbeiten werde. Ich bin gespannt, wie ich mir das noch alles merken soll.

Labor - Foto: Jean-Pierre/wikipedia.de

Trotzdem hat die erste Woche wirklich viel Spaß gemacht! Es ist toll, mal etwas ganz Neues auszuprobieren, das dem regulären Medizinstudium so gar nicht ähnelt. Eine schöne Abwechslung nach dreieinhalb Jahren Studium. Aber aller Anfang ist schwer und Biochemie- und Biotechnologiestudenten sind durch ihren Studiengang viel besser auf die Arbeit im Labor vorbereitet als wir Mediziner. Aber auch als Mediziner ist die Laborarbeit mit ein wenig (mehr) Starthilfe gut zu bewältigen und für alle, die sich für solche Forschungsarbeit interessieren, sehr zu empfehlen.

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