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  • Patricia Paul
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  • 22.08.2016

Durststrecke im Studium? – Eine Lerngruppe kann helfen

Die Klausuren rücken näher, der Berg an Lernstoff wird immer mehr und die Durststrecke immer größer. Eine Lerngruppe kann dir helfen, wieder in die Spur zu kommen.

 

 

Getreu der chinesischen Weisheit „Wer die Spur nicht wechselt, hat keine Chance zum Überholen“, solltet ihr nicht nur mit dem Gedanken einer Lerngruppe spielen, sondern diese Form des Lernens einmal ausprobieren. Denn Durststrecken, die zusammen gemeistert werden, bleiben nicht lange Durststrecken: Gemeinsam seid ihr stärker und der Berg an Lernstoff wird (zumindest gefühlt) kleiner.

Die Vorteile der Lerngruppe:

1) Ihr könnt gemeinsame Lernpläne schmieden, jeder geht die Themen zu Hause für sich durch und ihr besprecht diese dann gemeinsam.

2) Jeder Lerngruppenteilnehmer kann ein kleines Vortragsthema übernehmen und das den anderen vorstellen – so übt ihr nebenbei das Referieren und merkt selbst, ob ihr den Zusammenhang logisch erklären und auf die Fragen eurer Lerngruppe eingehen könnt.

3) In einer Lerngruppe könnt ihr auch das Wissen aus dem Untersuchungskurs vertiefen und euch gegenseitig untersuchen – so könnt ihr den richtigen „Patientenumgang“ erst einmal an euren Kommilitonen üben.

4) Ihr könnt von den (Vor-)Erfahrungen aus der Lerngruppe profitieren, vielleicht haben einige Kommilitonen vor dem Studium eine medizinische Ausbildung und zum vorliegenden Krankheitsbild ein passendes Bild vor Augen? An Beispielen lernt es sich meist leichter. 

5) Ihr könnt euren Kommilitonen Fragen stellen und euch über die Vorlesungen austauschen. Nicht jeder war immer in allen Vorlesungen, sei es durch Krankheit, Kind…

Ihr seht, eine Lerngruppe kann zu einer Win-Win-Situation für alle Teilnehmer werden. Natürlich gibt es auch Negativbeispiele: Gegenseitiges Ablenken, Privatgespräche, Streit, Diskussionen – die Liste lässt sich endlos erweitern. Meiner Ansicht nach kommt es auf die richtige Zusammenstellung der Lerngruppenmitglieder an. Für ein gutes Gelingen müsst ihr nicht die besten Freunde sein, aber ihr solltet miteinander reden können und ungefähr das gleiche Lerntempo und die gleichen Lernziele haben. Wichtig ist auch, so etwas wie eine Schweigepflicht für die Lerngruppe festzulegen: Dinge, die in der Lerngruppe besprochen werden, haben außerhalb der Lerngruppe nichts zu suchen. Es sollte natürlich selbstverständlich sein, dass über Unsicherheiten der Lerngruppenmitglieder nicht gelacht wird und es keine „dummen“ Fragen gibt.

So findet ihr den richtigen Lerngruppenpartner:

- Sucht euch eure Lerngruppenpartner aus verschiedenen Seminargruppen zusammen, so habt ihr unterschiedliches Seminarmaterial und verschiedene Tipps von den Seminarleitern.

- Sprecht Kommilitonen verschiedenen Alters an, einige mit Berufserfahrung, andere ohne, die jedoch ehrgeizig sind und den Stoff genauestens durchgehen.

- Achtet darauf, dass alle potenziellen Lerngruppenpartner das gleiche Medium nutzen, um sich auszutauschen. Wenn ihr eine WhatsApp-Gruppe gründet, sollte jeder auch WhatsApp haben, sonst müsst ihr einigen SMS, anderen eine E-Mail schreiben und manch anderen anrufen – das kostet besonders in Klausurenphasen viel Zeit und kann auf Dauer nervig werden.

- Überlegt euch einen festen Treffpunkt für eure Lerngruppe, nicht zu laut, aber auch nicht zu leise, damit ihr euch austauschen könnt – bei verschiedenen Meinungen kann es da schon einmal etwas lauter zugehen.

- Ein Freiwilliger aus der Lerngruppe sollte eine Art „Sprecherfunktion“ einnehmen, der im Fall der Fälle Meinungsverschiedenheiten schlichten und verschiedene Termine für ein Treffen an alle verschickt.

- Gründet eure Lerngruppe am besten gleich zu Semesteranfang, so kann sich jedes Lerngruppenmitglied an die Lernatmosphäre ohne Lernstress gewöhnen und ihr könnt schon während des Semesters voneinander profitieren – so seid ihr schon ein eingespieltes Team, wenn es auf die heiße Klausurenphase zugeht.

Wenn ihr dann eure Lerngruppenmitglieder gefunden habt, kann es losgehen. Wie viele Mitglieder eine Lerngruppe umfassen sollte, ist schwer zu beantworten. Das kommt ganz auf die Charaktere der einzelnen Lerngruppenmitglieder an. In meiner Lerngruppe war es so, dass diese mit 2-3 Mitgliedern begann und sich dann in Spitzenzeiten vor Klausuren auf 10 Personen ausgeweitet hat. 10 Lerngruppenmitglieder, das klingt nach viel und ist es auch, jedoch ist nicht immer jedes Mitglied bei jeder Besprechung anwesend, daher verteilt sich das dann ganz gut. Nach jedem Lerngruppentreffen solltet ihr eine Person auswählen, die das an dem Tag besprochene an die fehlenden Mitglieder verschickt, so ähnlich wie ein kurzes Protokoll von Vorstandssitzungen aus Vereinen. So weiß jeder, was besprochen wurde und kann sich dementsprechend auf das nächste Treffen vorbereiten. Ob ihr immer einen festen Termin pro Woche ausmacht, an dem ihr euch trefft oder den Termin von Mal zu Mal bestimmt, sei euch überlassen. Meine Lerngruppe hat während des Semesters feste Termine und in Klausurenzeiten wird von Mal zu Mal ausgemacht, wann wir uns treffen, damit sich auch jeder vorbereiten kann. Denn ohne Vorbereitung kommt ihr nur langsam voran und werdet müde, das bringt keinem etwas. Es sollte schon jeder vorbereitet sein. Und scheut euch nicht, Verbesserungsvorschläge für die Treffen zu machen, nur so kann eure Lerngruppe zu einem Team zusammenwachsen.

So seid ihr auch für die Staatsexamina gut gerüstet, denn wie schon Sir Alf Ramsey wusste: „Never change a winning team“.

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