• Bericht
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  • Patricia Paul
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  • 10.11.2016

Mentorenprojekt der Landesärztekammer Thüringen

Du willst nicht bis zur Famulatur warten, um praktische Erfahrungen zu sammeln? Dann ist das Mentorenprogramm genau richtig für dich!

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ – diesen Spruch hat sich wohl die Landesärztekammer Thüringen zu Herzen genommen und ein Mentorenprojekt entwickelt, bei dem die Studenten schon von Beginn des Studiums an den Berufsalltag eines Arztes kennenlernen. Teilnehmer können sich während des Studiums einen Mentor suchen und diesen dann im Berufsalltag begleiten.

 

Notarzt Dr. Christian Icke mit seinem Mentee bei der EKG-Befundung während eines Notfalleinsatzes. Foto: Uwe Nicolai

Welche Voraussetzungen muss ich als Student dafür erfüllen?


Die Teilnahme am Mentorenprojekt ist ab dem ersten vorklinischen Semester möglich. Für das Mentorenprojekt der Landesärztekammer Thüringen solltest du als Student für das Fach Humanmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena eingeschrieben sein. Interesse für das Fach deines Mentors ist ebenso wichtig wie die Motivation und Bereitschaft, dich (mindestens) einmal im Monat für einen halben bis ganzen Arbeitstag mit deinem Mentor zu treffen und ihn im Arbeitsalltag zu begleiten.

Wie finde ich den richtigen Mentor?


Die Landesärztekammer Thüringen hat auf ihrer Website einer Liste über die am Mentorenprojekt teilnehmenden Ärzte veröffentlicht. Diese kannst du kontaktieren und ein erstes Treffen vereinbaren, in dem ihr eure Vorstellungen und Erwartungen vom Mentorenprojekt miteinander abstimmen könnt. Die Chemie muss stimmen, denn ihr begleitet euren Mentor zwar in seinem Berufsalltag, aber in eurer Freizeit. Die Liste der aktuell eingetragenen Mentoren findet ihr unter folgendem Link: http://www.laek-thueringen.de/wcms/DocsID/Mentoren-Projekt

Wie sieht die Zusammenarbeit aus?


Ihr seid als Studenten über die FSU Jena versichert, daher könnt ihr am normalen Berufsalltag eures Mentors ohne Probleme teilnehmen und auch ärztliche Tätigkeiten unter Aufsicht übernehmen. Das ganze läuft so etwa wie während einer Famulatur ab: Euer Mentor zeigt euch seine Tätigkeitsfelder und ihr übernehmt nach und nach Aufgaben aus diesem Fachbereich.

Um noch mehr über das Programm zu erfahren, habe ich Dr. med. Christian Icke, Oberarzt der Anästhesie und Intensivmedizin im HELIOS Klinikum Erfurt interviewt. Er nimmt seit Jahren am Mentorenprojekt teil.

> Christian, was motiviert dich, als Mentor deine Erfahrungen weiterzugeben?´

Das ist eigentlich ganz einfach: ich liebe meinen Beruf und ich liebe meine Fachrichtung. Nur ein einziges Mal wurde ich etwas unsicher: kurz vor dem Ende meiner Promotion stand ich vor der Entscheidung für eine forschungsorientierte Laufbahn und gegen den klinischen Weg oder gegen eine forschungsorientierte Laufbahn und für den klinischen Weg. Ich habe mich für den klinischen Weg entschieden und diese Entscheidung nie bereut.

> Haben sich deine Erwartungen an das Mentorenprojekt erfüllt?


Das Mentorenprogramm wurde von der Landesärztekammer Thüringen initiiert mit dem Ziel, den Studierenden außerhalb von Famulaturen und Praktischem Jahr Einblicke in den späteren Berufsalltag zu ermöglichen. Und das zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Es müssen also Entscheidungen, die sich später vielleicht als ungünstig herausgestellt haben, nicht erneut gemacht werden. Die Medizinstudierenden sollen auf ihren späteren Einsatz als Arzt besser vorbereitet werden.

> Wie oft triffst du dich mit deinem Mentee?


Wir treffen uns nach Möglichkeit ein- bis zweimal pro Monat, wobei es nach oben keine Grenze gibt ;-)

> Was erwartest du von deinem Mentee?


Das Mentorenprojekt beruht auf Freiwilligkeit. Das ist vielleicht für viele Dinge im Leben ein Schlüssel zum Erfolg. Die Mentees, die zu den Mentoren kommen, tun das allein für ihre Fortbildung, also für sich. Wichtig ist mir das Einhalten von Absprachen sowie die Bereitschaft zum Lernen. Der Besuch eines Skills Labs ist keine zwingende Voraussetzung.

> Welche Aufgaben überträgst du an deinen Mentee?


Je nach Umfang der bereits erworbenen Kenntnisse übertrage ich recht schnell gewisse Aufgaben an den Mentee: das reicht vom Erheben einer kurzen Anamnese im Rettungsdienst über das Anlegen von venösen Zugängen bis zum Steuern und Überwachen von Allgemeinanästhesien in meinem Beisein. Der Mentee wird dabei von mir angeleitet und supervidiert.

>Hältst du zu deinen ehemaligen Mentees auch nach dem Mentorenprojekt Kontakt?


Das hoffe ich doch. Denn mich interessiert schon, was aus den Mentees wird, in welche Richtung sie sich weiterentwickeln. Da wäre es toll, auch nach dem Programm noch den Kontakt zu halten.

 

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