Kiel - Hoch im Norden

Was fällt dir zuerst ein, wenn du an Norddeutschland denkst? Dauerregen, Fischbrötchen, Nord- & Ostsee, Möwen und natürlich „Moin“? Was der hohe Norden sonst noch zu bieten hat und wie das Medizinstudium in Kiel aufgebaut ist, erfährst du von Lokalredakteur Lennart.

 

 

Neben durchaus urlaubsgeeigneten Landschaften sind in Norddeutschland auch einige Universitätskliniken, Kiel und Lübeck, angesiedelt. Wir stellen mit dem UKSH in Kiel sogar die nördlichste Uniklinik in Deutschland. Unter Kieler Studierenden hat sich der Spruch „Studieren wo andere Urlaub machen“ durchgesetzt und der trifft es auch ziemlich gut: Kiel hat einen enormen Freizeitwert, direkt nach den Vorlesungen am UKSH oder am Unicampus an oder auf die Förde, Wassersport oder einfach am Strand in Falckenstein oder Laboe das Leben neben dem Studium genießen. Die berühmte Kieler Woche nicht zu vergessen…

 

Studieren in Kiel

Das Studium in Kiel ist ein Regelstudiengang mit der klassischen Trennung in Vorklinik, Klinik und PJ. Die Vorklinik findet dabei vollständig (bis auf die EKM-Kurse im 4. Semester) auf dem Campus der CAU statt, ab dem 5. Semester wechselt die Lehre vollständig auf den Campus des UKSH, welches hoch erhoben direkt über der Förde thront und einen wunderbaren Blick bis nach Laboe und auf die Ostsee erlaubt. Die Klinik ist dabei in 3 Studienjahre gegliedert, welche wiederum aus einem P-Fächerblock und einem Q-Fächerblock bestehen. Klingt auf den ersten Blick etwas verwirrend, erklärt sich aber bei Kenntnis der Stundenpläne sehr schnell und ist dann auch gut verständlich.

In der Vorklinik lernst du den menschlichen Körper wortwörtlich von ganz außen bis ganz innen kennen. Im 1. Semester startest du mit den grundlegenden Naturwissenschaften Biologie (inklusive Grundlagen der Humangenetik, Mikrobiologie & Embryologie), Chemie und Physik sowie den Grundlagen der Histologie, der Anatomie des Bewegungsapparats und der Medizinischen Psychologie und Soziologie (PsychSoz), sowie einer Einführung in die medizinische Terminologie und die Berufsfelderkundung (BFE). Eine Besonderheit der Kieler Uni lernst du sofort kennen: Ab dem 1. Semester darfst du selbstständig und eigenverantwortlich an Präparaten lernen. Alles in allem ist das erste Semester super zum Reinkommen und eignet sich auch dazu, Kiel kennenzulernen, weil die Prüfungen zeitlich angenehm liegen und die Lehrinhalte einen guten Einstieg für Neulinge bieten.

Im zweiten Semester ist die Fächeranzahl massiv reduziert, du hast lediglich in der ersten Hälfte parallel Neuroanatomie und die gesamte organspezifische Histologie sowie in der zweiten Semesterhälfte Biochemie 1 mit Schwerpunkt Stoffwechselwege und Zell- & Neurophysiologie. Das zweite Semester hat es definitiv in sich, ist aber mit ein wenig Selbstdisziplin absolut machbar, auch weil die Prüfungen - wie immer in der Vorklinik - über das gesamte Semester verteilt liegen. Am Ende hast du noch ein wenig Anatomie, die nochmal die Voraussetzung für den Präpkurs im 3. Semester legt.

Das dritte Semester startet gleich am ersten Tag mit der Eingangsklausur für den Präpkurs. Klingt erstmal erschreckend, aber die Klausur ist echt total machbar, kein Hexenwerk und deine einzige Klausur in Anatomie. Im Anschluss hast du erneut Biochemie, diesmal mit Schwerpunkt auf Molekularbiologie und Vegetative Physiologie. Die Klausuren schreibst du vor Weihnachten, sodass du die Weihnachtsferien nochmal genießen kannst, bevor dann im Januar das Highlight der Vorklinik ansteht: der Präpkurs. 6 Wochen lang lernst du den Körper wortwörtlich von außen nach innen kennen, morgens Vorlesung und direkt danach Präppen. 

Das vierte Semester bereitet dich endgültig auf das Physikum vor. Durch Vorlesungen in Biochemie 3 mit klinisch relevanten Themen wie molekulare Onkologie, aber auch mit PsychSoz 2 und deinem Wahlfach lernst du weitere Aspekte des Systems „Mensch“ kennen. Parallel dazu legen die EKM-Kurse (Einführung in die klinische Medizin) die Grundlagen für deine spätere Tätigkeit als Ärztin oder Arzt. Es folgt ein weiterer zweiwöchiger Präpkurs mit dem Thema Kopf, nach dem du dich in Ruhe auf das Physikum vorbereiten kannst. Begleitet wirst du dabei von den Physiologen und Biochemikern mit Repetitoriums-Seminaren, wo wesentliche Inhalte, die auch sehr häufig im mündlichen Physikum geprüft werden, wiederholt werden. Alles in allem ist die Vorklinik in Kiel eine anspruchsvolle, aber auch sehr lehrreiche Zeit, die dich wirklich gut auf das Physikum und die spätere Tätigkeit vorbereitet. 


Fazit

Hoch im Norden… ja, hier weht manchmal ein rauer Wind (frei nach Santiano, Klischee muss sein), aber nach jedem Regen - der hier echt häufig ist - kommt auch wieder Sonnenschein und genauso verhält es sich im Studium.
 

Schlagworte
Mein Studienort

Medizinstudenten berichten aus ihren Unistädten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 100 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete
Cookie-Einstellungen