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  • Constanze Falk
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  • 24.04.2008

Schnittstelle von Recht, Medizin und Psychologie

Ab welchem Alter ist ein krimineller Jugendlicher für seine Taten voll zur Rechenschaft zu ziehen? Wie kann ein Sexualstraftäter fair und objektiv bestraft werden, wenn seine Taten niemanden emotionslos lassen? Und inwieweit ist ein Mensch für seine kriminellen Taten verantwortlich, wenn er psychisch krank ist? Um diesen Fragen wissenschaftlich fundiert und fachübergreifend nachgehen zu können, wurde an der Kieler Uni das Zentrum für Rechtspsychologie, Kriminalwissenschaften und forensische Psychopathologie eröffnet.

Der Eröffnungsvortrag im Audimax - Foto: D. Wunberg

Gründe für das Zentrum

"Kriminalität und deren Bekämpfung beschäftigt Gesellschaft, Medien und Politik." sagte Prof. Dr. Günter Köhnken, der die Abteilung Psychologische Diagnostik und Intervention, Rechts- und Persönlichkeitspsychologie am Institut für Psychologie leitet, auf der Eröffnungsveranstaltung des neuen "Zentrums für Rechtspsychologie, Kriminalwissenschaften und forensische Psychopathologie", kurz ZRKFP.

Dabei gehe es aber zumeist sehr emotional zu und es würden vermeintliche Patentrezepte geboten, wie beispielsweise mit jugendlichen Straftätern umgegangen werden sollte. Um aber auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Justiz auszuüben, bedürfe es der Zusammenarbeit von verschiedenen Einrichtungen wie z.B. der Polizei, Juristen, Psychologen und Psychiatern, Kriminalwissenschaftlern und Sexualmedizinern.

Organisierte Zusammenarbeit

"Die Fragen und Probleme, die aus der Justiz und Polizeipraxis an die Rechtspsychologie herangetragen werden, werden immer komplexer, die Anforderung an die fachliche Qualität erheblich höher.", betonte Prof. Köhnken als eines der sechs Gründungsmitglieder des neuen Zentrums.

 

Prof. Köhnken - Foto: David Wunberg

 

Eine derartige Zusammenarbeit gebe es zwar ohne Zentrum schon viele Jahre, nun solle aber eine organisierte "Verknüpfung von Forschung, Lehre und Praxis entstehen, bei der keine Grundlagenforschung, sondern angewandte Forschung betrieben wird."

Künftig Wahlpflichtfächer für Studenten

Prof. Dr. Lutz Käppel, Dekan der Philosophischen Fakultät, die die Gründerfakultät des Zentrums ist, lobte die Idee dieses "in Deutschland bisher einmaligen Zentrums" , das verschiedene Disziplinen in Forschung und Lehre zusammenbringe.

Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Thomas Bauer, zeigte sich besonders erfreut, dass das ZRKFP "mit seinen Projekten und Studienangeboten die Attraktivität der Uni Kiel steigern wird".

Nach Ansicht von Prof. Köhnken sollte die Lehre am Zentrum bei den beteiligten Disziplinen als Wahlpflichtfächer in die Prüfungsordnungen einbezogen werden. Zu den beteiligten Disziplinen gehören in erster Linie Psychologie und Kriminalwissenschaften, aber auch die Medizin.

Ob Rechtspsychologie oder forensische Psychopathologie tatsächlich in den nächsten Jahren auch bei Medizinern auf der Wahlfachliste stehen, wird sich zeigen.

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