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  • Nina Puls
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  • 22.11.2019

Studienplatz- und nun?

Nach Jahren des Wartens war es so weit: Ich hielt die Zusage für meinen Medizinstudienplatz in der Hand. Ich war vorbereitet, hatte extra den Job gewechselt, meine Wohnung gekündigt und bin bei meinem Freund eingezogen, um flexibel zu sein. Und trotzdem war der Tag eine Achterbahn der Gefühle...

 

Es war der 23.03.2016. Fast sechs Jahre sind seit dem Abi vergangen, eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege hatte ich in der Tasche und war um einiges an Erfahrung reicher. Ich öffnete den Brief: Zusage. Der erste Gedanke? Endlich! Der zweite Gedanke? Mainz?! 

Aber ich wohne doch in Hamburg. Hier sind meine Freunde, mein Job, mein Zuhause - das sollte ich alles zurücklassen? Eine Mischung aus Freude und Trauer, Hoffnung und Zweifel machte sich breit. Das Osterwochenende nutzte ich, um mich zu besinnen und mich mit meiner Familie und meinen Freunden zu beratschlagen. Auf der Arbeit bat um einen Tag frei, da ich mich in Mainz persönlich immatrikulieren musste. Gleichzeitig suchte ich online nach einem möglichen Tauschpartner, davon hatte ich wenige Monate zuvor gehört. 

Weiter in den Norden sollte es gehen, doch nicht viele Unis starten zum Sommersemester, also fiel die Wahl auf Göttingen. Ein Tauschpartner war schnell gefunden, wir trafen uns in Mainz und reichten mit meiner Immatrikulation auch gleich den Tauschantrag ein, der auf direktem Weg abgesegnet wurde. Wow, das geht ja leicht, dachten wir und waren froh. Mit den Unterlagen in doppelter Ausführung machte er sich auf den Weg nach Göttingen und ich mich wieder nach Hamburg, denn am nächsten Tag hatte ich Frühdienst.

In Göttingen lief es dafür nicht so glatt, zunächst lehnten sie unseren Antrag ab, da es nicht das Uni eigene Formular war. In Panik, dass der Tausch doch nicht klappte, fuhr mein Tauschpartner zu mir nach Hamburg, damit wir die Göttinger Formulare ausfüllen konnten, mit denen er am nächsten Tag wieder ins Studienbüro ging. Diesmal war alles richtig, doch dauerte die Prüfung der Formulare länger. Meine Nerven lagen völlig blank, denn mittlerweile war schon der 31.03. und das Semester startete in Kürze.

Am Nachmittag dann die Erlösung: Tausch genehmigt. Ich habe gejubelt und geweint vor Freude, doch das hielt nicht lange an. In der nächsten Woche sollte ich in Göttingen sein und studieren. Stattdessen war ich in Mainz immatrikuliert, hatte keine Wohnung, weder dort noch in Göttingen, wusste nicht, wie alles ablaufen wird und wann ich wo sein musste.

Freitagmorgen stieg ich also in aller Frühe ins Auto und fuhr nach Mainz, denn ich musste mich natürlich auch persönlich exmatrikulieren. Dazu ebenfalls aus der Bibliothek, in der ich nie zuvor gewesen bin, eine Bescheinigung ausfüllen, dass ich dort nichts ausgeliehen hatte. Ich fühlte mich, als würden mir alle Steine der Welt in den Weg gelegt und das, als ich endlich meinen Traumstudienplatz haben sollte.

Dazu die Sorge: Exmatrikuliert sich mein Tauschpartner auch wirklich oder stehe ich vermutlich ganz ohne Platz da? Zum Glück klappte alles und ich fuhr direkt nach Göttingen, um mich zu immatrikulieren. Auch dort, zehn Minuten vor Schluss des Büros, schien alles reibungslos zu verlaufen. Ich war erleichtert.
An diesem Wochenende suchte ich nach einer Wohnung und hatte Glück: Ich bekam direkt die erste, die ich mir angeschaut hatte. Alles lief wie am Schnürchen, bis ich in der nächsten Woche bei der Sekretärin der Vorklinik anrief, die mir schlecht gelaunt mitteilte, dass die Kurse an dem Tag begonnen hätten und ich zu spät sei. 

Wieder stieg Panik in mir auf, war etwa alles umsonst? Plötzlich sagte sie, dass aber die Kurse auch am nächsten Tag noch stattfinden würden und ich in eine der Gruppen könnte. Sofort habe ich die Koffer gepackt, ein Hostel gebucht und bin losgefahren. Das waren definitiv die aufregendsten und gleichzeitig anstrengendsten zwei Wochen meines Lebens, aber es hat sich gelohnt und ich bin jeden Tag dankbar für die Chance, meinen Traum vom Medizinstudium zu verwirklichen.

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