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  • Benjamin Kroh
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  • 03.11.2014

Am Anfang waren es die Bauchschmerzen - Sag Prüfungsangst den Kampf an!

Je näher die Prüfung rückte, desto schlechter konnte sie schlafen. Am Prüfungstag stand Lena völlig neben sich. Ihr fiel es schwer, sich zu konzentrieren. Sie bestand die Prüfung zwar, aber mit keiner guten Note. Und keinem guten Gefühl. Prüfungsangst ist keine Seltenheit. Um Betroffenen zu helfen, wurden an der Uni Köln sogenannte Prüfungsangstgruppen gegründet.

 

„Ich ärgere mich dann immer über mich selbst, dass ich mich nicht unter Kontrolle habe“, so Lena, 22 Jahre, Medizinstudentin aus Köln, „aber die Angst durchzufallen, ist so groß und schmeißt mein Leben völlig aus der Bahn.“

 

Diese oder ähnliche Bedenken und Sorgen hört Frau Dr. Ann Schaefer oft. Sie ist Koordinatorin der Prüfungsangstgruppe an der Medizinischen Fakultät der Universität Köln. Bereits seit 2008 organisiert sie in Zusammenarbeit mit dem Dekanat eine Prüfungsangstgruppe. In dieser wird betroffenen Studenten der Medizinischen Fakultät eine Möglichkeit gegeben, gemeinsam in einer Gruppentherapie an der Prüfungsangst zu arbeiten. Oder sie sogar zu besiegen. „Eine leichte Prüfungsangst muss mit Sicherheit nicht behandelt werden“, so Frau Dr. Schäfer, „denn sie wirkt sich positiv auf die Leistungssteigerung aus! Erst wenn die Betroffenen unter ihrer Angst so leiden, dass sie unter ihrem Leistungsniveau liegen und hochgradig psychisch belastet sind, empfiehlt sich der Gang zum Fachmann.“

 

Am Anfang der Prüfungsangstgruppe stand ein Forschungsprojekt von Frau Dr. Schaefer und Prof. Dr. Gabriele Pfitzer, Institutsleiterin der Vegetativen Physiologie, Köln. In zwei Gruppen evaluierten sie Medizinstudenten mit geringer und stark ausgeprägter Prüfungsangst hinsichtlich ihrer seelischen Gesundheit und ihrem Studienerfolg. Das Fazit fiel eindeutig aus: Starke Prüfungsangst muss bei Studierenden der Medizin als Indikator für eine hohe seelische Belastung angesehen werden. Sie empfahlen, eine fakultätsinterne finanzierte Prüfungsangstgruppe ins Leben zu rufen, die von psychotherapeutisch ausgebildeten Mitarbeitern geleitet werden sollte (Schaefer et al., PPmP 2007; 57: 289-97).

 

Mit dieser Idee und dem Forschungsbericht in der Tasche, wandten sie sich an Hr. Dr. Stosch, Referent für Lehre, Studium und Studienreform der Med. Fakultät. Auch der Dekan Prof. Dr. Lehmann war von dieser Idee so begeistert, dass mittlerweile 6 Prüfungsangstgruppen mit je 9-­‐10 Teilnehmern realisiert wurden. Fast 58 Medizinstudenten haben mit den Therapeuten an ihren Ängsten gearbeitet. Der erste Weg zu Fr. Dr. Schaefer führt entweder über ein im Studium verankertes Praktikum im Rahmen der Physiologie - Veranstaltung oder durch ein Beratungsgespräch im Studiendekanat Medizin. Wichtig ist es, in obligatorischen Vorgesprächen zu klären, ob eine manifeste Prüfungsangst vorliegt oder „nur“ Lampenfieber.

 

Mit der Teilnahme an den gemeinsamen Gruppengesprächen erlernen die Studenten Skills, um ihren Ängsten zu begegnen – sei es durch Entspannungsübungen, Videoaufzeichnungen oder einen Erfahrungsaustausch in der Gruppe. „Ich habe oft erlebt, dass sich die Prüfungsangstgruppen auch für die Klausurvorbereitung gemeinsam organisieren – ein positiver Nebeneffekt“, so Frau Dr. Schaefer. Zudem sind die obligaten drei Einzelgespräche, in denen mit traumatherapeutischen Techniken an einer früheren, heute noch belastenden Prüfungserinnerung gearbeitet wird, hilfreich. Interessierte Studierende können auch nur die beiden Vorgespräche als Beratungs-/ Unterstützungsangebot nutzen.

 

Nach dem Besuch der Prüfungsangstgruppe geht es auch Lena besser: „Insbesondere die Aufzeichnung mit der Videokamera bei der Simulation einer mündlichen Prüfung und die gemeinsame Nachbesprechung haben mir sehr geholfen.“. Jetzt gehe sie selbstsicherer und entspannter in eine Prüfung. Dank der Gruppe habe sie nicht nur wieder Vertrauen in sich selbst, sondern auch in ihr Studium bekommen. „Früher hatte ich einfach Angst, etwas gefragt zu werden, was ich nicht weiß. Heute bin ich gespannt, in einer mündlichen Prüfung etwas zu erwähnen, was der Prüfer selbst nicht weiß“. Ein Resumee, das ganz für sich und den Erfolg des Konzepts der Medizinischen Fakultät der Uni Köln spricht.

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