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  • Franziska Müller
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  • 09.02.2015

Das Arzt-Patienten-Gespräch

Ein Arzt sollte jedem Patienten das Gefühl vermitteln, dass er sich für ihn Zeit nimmt. Am besten geht das mit den richtigen Gesprächstechniken.

 

Beim Arzt-Patienten-Gespräch sollte der Arzt aufmerksam sein und dem Patienten die richtigen Fragen stellen. Foto: britta60 – Fotolia.com

 

Der Patient kommt in das Zimmer. Ich schaue genervt zu ihm auf. „Ah, Herr …“, ein kurzer Blick in die Akte, „… Schulze. Sie schon wieder. Was gibt’s dieses Mal?“
Der Patient schaut erstaunt und ziemlich irritiert. „Naja“, sagt er zögerlich, „ich hab da diese Schmerzen im Kopf seit einiger Zeit, ich glaub-“
„Da müssen Sie schon etwas spezifischer werden“, unterbreche ich ihn. „Und wenn Sie das schon so lange haben, wieso kommen Sie erst jetzt zu mir?“

Keine Sorge – es handelt sich bei diesem Beispiel nicht um ein echtes Arzt-Patienten-Gespräch, sondern um eine Simulation. Im Rahmen eines Kurses der Universität zu Köln wurden ein Kommilitone und ich gebeten, das schlechteste Arzt-Patienten-Gespräch, das wir uns vorstellen können, unserer Gruppe vorzuführen.
Ich spielte die Ärztin, mein Kommilitone den Patienten. Es war gar nicht so schwierig – ich musste immer nur das Gegenteil von dem machen, was ich und jeder halbwegs normale Mensch in dieser Situation getan hätte. Mir dabei das Lachen zu verkneifen und Blickkontakt mit meinen grinsenden Mitstudenten zu vermeiden, war das Schwierigste an der Sache.

Den Patienten schaute ich nicht an. Ich kritzelte auf meinen Akten, kaute Kaugummi, schaute ständig auf die Uhr, hörte nicht richtig zu und fragte nach Dingen, die er bereits erzählt hatte. Als die Beobachter später gefragt wurden, was denn positiv am Gespräch gewesen sei, wurde nach einigem Überlegen gesagt, ich habe immerhin mit dem Patienten gesprochen.

Die Simulation hatten wir also gemeistert, wir hatten erfolgreich alles falsch gemacht. Doch wie sieht es aus, wenn man alles richtig machen will?
Natürlich weiß jeder: Ein Arzt muss trotz der Masse an Patienten das Gefühl vermitteln, dass er sich für jeden genug Zeit nimmt. Er muss kompetent und aufmerksam sein und eine Vertrauensatmosphäre schaffen. Besonders bei dem letzten Punkt ist der erste Eindruck keinesfalls zu unterschätzen: Lächeln, Blickkontakt, fester Händedruck und eine freundliche Atmosphäre können Wunder wirken. Wenn der Arzt allerdings immer wieder in die Akte schauen muss, um die Vorgeschichte oder gar den Namen nachzuschlagen, leidet das Vertrauensverhältnis enorm.

 

Die Gesprächsführung

Neben der richtigen Atmosphäre ist natürlich auch die Gesprächsführung auf dem Weg zur richtigen Diagnose von Bedeutung. Mit den passenden Fragestellungen kann dabei schon eine Menge erreicht werden – der Patient fühlt sich ernst genommen, gut betreut und der Arzt kann sich durch gezielte Fragen ein Bild über die Situation verschaffen.
Beginnen muss das Gespräch mit einer offenen Frage, „Was führt Sie heute zu uns?“ oder „Was kann ich heute für Sie tun?“ sind die klassischen Gesprächseinleiter. So kann sich der Arzt zunächst einen Überblick über die Situation seines Gegenübers verschaffen. Um die Informationen, die der Patient daraufhin liefert, zu ordnen und zu präzisieren, kann der Arzt mit unterschiedlichen Frageformen fortfahren:
Geschlossene Fragen zielen auf eine kurze und präzise Antwort ab, wie z.B. „Hatten Sie in der Vergangenheit schon einmal Probleme mit Migräne?“ – „Nein“.

Mit Sondierungsfragen dagegen regt man den Gesprächsfluss an und bringt den Patienten dazu, mehr über sein Leiden zu erzählen. Dazu gehören die typischen „W-Fragen“ oder Fragen wie „Beschreiben Sie mir die Ereignisse des letzten Jahres. Könnte etwas passiert sein, das die Kopfschmerzen auslöst?“.
Schließlich gibt es noch die Katalogfragen: „Ist der Schmerz brennend, bohrend oder stechend?“. So fällt es dem Patienten eventuell leichter, seine Beschwerden zu beschreiben.

Während des Gesprächs ist es sinnvoll, Aussagen des Patienten in Form einer Reflexionsfrage zu wiederholen, wie z.B.: „Also gingen die Schlafprobleme kurz nach der Trennung von ihrem Partner los?“. So beugt der Arzt Missverständnissen vor und fördert den Beziehungsaufbau zwischen sich und dem Patienten.
Natürlich gibt es auch Fragen, die man auf jeden Fall vermeiden sollte. Dazu zählen Neugierfragen und wertende Fragen – um diese macht man wahrscheinlich bereits instinktiv einen Bogen. Auch Doppel- und Mehrfachfragen sollten nicht gestellt werden.

Man kann es auch ganz einfach zusammenfassen: Gute Fragen kommen zum richtigen Zeitpunkt, bringen das Gespräch inhaltlich weiter, erhöhen die Antwortbereitschaft des Patienten und lassen die Empathie des Arztes erkennen.

 

Das richtige Auftreten

Die Art der Gesprächsführung variiert natürlich enorm von Patient zu Patient. So ist auch die Art der Interaktion unterschiedlich. Der Arzt kann als Halbgott in Weiß auftreten und alle Entscheidungen für den Patienten treffen. Er kann allerdings auch lediglich einen Dienstleister darstellen und dem Patienten das nötige Fachwissen zur Verfügung stellen, sodass dieser letztlich alleine die Entscheidungen trifft.

Die häufigste und wahrscheinlich auch beste Methode ist wohl eine Mischung aus diesen beiden Modellen: Arzt und Patient treffen sich auf Augenhöhe und arbeiten partnerschaftlich zusammen. Sie treffen gemeinsam die Entscheidungen, die am ehesten zu dem Patienten passen und so auch die Chance erhöhen, dass dieser sich an die Therapie hält.

Es gibt also einige Dinge zu beachten bei dem Umgang mit Patienten.
Die Erfahrungen, die wir mit den Probegesprächen in dem Kurs gemacht haben, sind auf jeden Fall viel wert. Denn wie heißt es doch so schön: Die Übung macht den Meister, oder in diesem Fall: Den guten Arzt.

 

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