• Bericht
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  • Franziska Müller
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  • 20.03.2015

Der Präpkurs: Was du heute kannst entfernen musst du morgen nicht mehr lernen

Für die wenigsten ist der Präpkurs ein Spaziergang, aber jeder muss durch. Im Anatomiekurs gilt es nicht nur, Nerven zu präparieren sondern auch die eigenen zu behalten. Lokalredakteurin Franziska berichtet von ihren Erfahrungen.

 

 

Illustration Anatomiekurs, Quelle: Fotolia/CandyBox Images

 

Als ich mich dazu entschloss, Medizin zu studieren, war mir zwar bewusst, dass ich die Welt der Anatomie an einer Leiche erkunden würde - ich machte mir darüber aber keine großen Gedanken. Ganz nach dem Motto: „Wenn es soweit ist, dann wirst du damit schon irgendwie klar kommen“ ging ich die Sache mit dem Sezieren locker an.

 

Letztes Semester war es dann endlich soweit. Fleißig kauften wir Kittel und Präparierbesteck, blätterten erstmals in Prometheus, Sobotta & Co. und fanden uns schließlich als Gruppe von acht mehr oder weniger motivierten Studenten um einen Tisch zusammen. Darauf lag „unser“ Körperspender. Natürlich hatte ich mich vorab umgehört, was mich in diesem Semester so erwarten würde. Ich hörte alles von „Das ist das geilste Semester der Vorklinik!“ über „Deine einzige Beziehung wird dein Anatomie-Buch sein.“ bis hin zu „Da trennt sich die Spreu vom Weizen.“In einem schienen sich aber alle einig zu sein: Das anstrengendste und unvergesslichste Semester der Vorklinik stand mir bevor.

 

In Köln findet der Kurs immer im Wintersemester statt. Studenten des 2. und 3. Semesters trudeln im Oktober in die Anatomie ein, um sich anzumelden und ihre „Präpanleitung“ abzuholen. Dieses rote Heftchen wird mir in den nächsten drei Monaten den Schneide-, Lern- und damit auch Schlaftakt vorgeben. Gleich in der ersten Woche wird man in den Präpsaal zitiert: Nacheiner Einführungsvorlesung über Seziertechniken verteilen sich 500 in weiße Kittel gekleidete Studenten in den zwei großen Präpariersälen der Universität.

 

Ist die erste Scheu überwunden, geht es munter drauf los. Haut und Fett werden entfernt, Nerven freigelegt, Muskeln, Knochen und Organe entdeckt. Dreimal die Woche muss man für jeweils vier Stunden präparieren. Anstatt sich zu Hause von dem doch recht penetranten Geruch des Fixiermittels und der psychischen Belastung, an einem Menschen herumzuschneiden, zu erholen, geht es dort mit der Paukerei für die Testate weiter. Das Medizinstudium ist eben kein Zuckerschlecken.

 

Fazit: Ohne Fleiß kein Preis

Ohne Zweifel ist das „Präp-Semester“ ein sehr anstrengendes. Während man anfangs noch begeistert ist, dass man jetzt versteht, welche Muskeln den Menschen aufrecht gehen lassen und wie die Beziehung der inneren Organe zueinander aussieht, weicht diese Freude zunehmend dem Stress und der Verzweiflung angesichts des gewaltigen Stoffumfangs der Testate. Am Ende verfluchen die meisten einfach nur noch das gesamte Fach.

 

Aber so anstrengend es auch sein mag: dieses Semester bildet die Grundlage für unsere ärztliche Laufbahn. Nie mehr wird man die Gelegenheit haben, die Anatomie in dieser Form kennenzulernen. Also nutz dieses Semester und kämpf dich durch den gigantischen Stoffberg– am Ende wirst du begeistert und sehr stolz sein, wie viel du in so kurzer Zeit geleistet hast!

 

Hier gibt es hilfreiche Tipps und Tricks für den Präpkurs.

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