• Bericht
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  • Vanessa Bücker
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  • 07.09.2011

Das Rezept für eine gelungene Ärztliche Basisprüfung Teil I

"Geschafft!" - Ein Ausruf voller Erleichterung schwebt durch das Anatomie-Foyer. Der erste Teil der Ärztlichen Basisprüfung ist vorüber, nun folgt eine Woche später noch die Prüfung für Medizinische Psychologie und Soziologie. Dieses Jahr im August haben sich wieder über hundert Studenten dieser Barriere der Vorklinik gestellt. Aber ist die Prüfung wirklich ein Hindernis oder sogar ein Segen?

In Köln ist vieles anders: Der Karneval wird exzessiver gefeiert, statt "das" und "was" sagt der Kölner "dat" und "wat", statt dem Deutschen Grundgesetz gilt "Et Kölsche" und statt dem normalen Physikum am Ende des vierten Semesters gibt es für die Kölner Medizinstudenten "Äquivalenzprüfungen".

Jeder spricht über das Physikum, aber wie schlimm ist es in Köln wirklich? Und wie besteht man es am besten? Lokalredakteurin Vanessa Bücker, selbst Vorklinikerin im dritten Semester, war dieses Semester selbst unter der Geprüften und berichtet vom "Leben und Leiden" im Physikum-Stress.

 

Was ist anders in Köln?

Für viele stellt schon die Anmeldung zur Physikum-Prüfung das erste Hindernis dar: Das Abizeugnis und die Geburtsurkunde müssen hergeschafft werden, alle Scheine müssen bereitliegen und rechtzeitig im Landesprüfungsamt soll es dann auch noch sein.

Während mir eine Freundin, Medizinstudentin im vierten Semester in Bochum, von der "Tortur" erzählt, bereite ich mich in Kölner Manier auf meine eigene Anmeldung vor: Abizeugnis und Kopie der Geburtsurkunde, Personal- und Studiausweis in die Tasche und los geht's zum Uni-eigenen Prüfungsamt auf dem Campus.

Hier in Köln ist mit dem Modellstudiengang einiges anders: Bei uns heißen die Physikumsprüfungen "Äquivalenzprüfungen" und können gestaffelt geschrieben werden - immer dann, wenn die für die Prüfung erforderlichen Fachblöcke erfolgreich absolviert worden sind.

So können Studienstarter im Wintersemester ihre Äquivalenzprüfung in Medizinische Psychologie und Soziologie (PsychSoz) bereits im zweiten Semester schreiben. Anatomie kann frühestens im dritten geschrieben werden, Physiologie und Biochemie folgen dann im vierten Semester zusammen mit der mündlichen Querschnittsprüfung.

Die Anmeldung für die Prüfungen erfolgt im Prüfungsamt im Gebäude 42. Scheine sind keine erforderlich, dafür wird die Leistung in dem Kommunikationssystem uk-online festgehalten. So brauche ich dann auch nur persönlich innerhalb des festgelegten Zeitraumes mit unterschriebenem Formular, das im Studiendekanat/ Prüfungsamt erhältlich ist, und den nötigen Unterlagen im Prüfungsamt erscheinen. Dort bekomme ich dann das "Zulassungsschreiben". Eine Zulassung zur Prüfung per Post gibt es nicht.

Informationen über Termine, Anmeldung und Prüfungsergebnisse findet Ihr hier:

Medizinische Fakultät der Uni Köln

Richtiges Lernen ist das A und O

Nach der erfolgreichen Anmeldung beginnt die "heiße Phase". Wer sowohl Biologie, Makroskopische Anatomie, Histologie als auch Neuroanatomie bestanden hatte, durfte sich dieses Jahr am 17. August der Äquivalenzprüfung in Anatomie/Biologie stellen. Bei dem erfolgreichen Besuch des PsychSoz-Seminars durfte man auch in dieser Fächer-Kombination am 24. August ran.
Die Frage aller Fragen war natürlich: Wie lerne ich am besten?


Was hat die Uni für Anatomie zu bieten?

Zum einen gibt es den Wahlpflichtblock Anatomie - einem Repetitorium für Mikroskopische und Topographische Anatomie. Dieses Repetitorium ist leider nicht zu empfehlen, da der Lernstoff sehr konfus und didaktisch weniger wertvoll aufbereitet war.

Weitaus lohnenswerter ist der Besuch des Anatomie-Repetitoriums von Professor Angelov. Das Repetitorium ist nicht Wahlblockpflichtig und findet etwas später jeden Montag-, Mittwoch- und Freitagabend statt. Aushänge in der Anatomie informieren darüber rechtzeitig. Systematisch werden Inhalte der Makroskopischen sowie Mikroskopischen Anatomie wiederholt. Tipp: Lernt rot unterstrichene Fakten in den Folien.

Ein weiteres Highlight - vor allem aus didaktischer und klinischer Sicht - ist der Wahlpflichtblock "Repetitorium der Neuroanatomie unter Berücksichtigung klinischer Fallbeispiele" von der Anatomin Dr. Kürten und der Neurologin Dr. Hesse. Ein absolutes MUSS für Wiederholer der Neuroanatomie-Klausur.

Themen wie Motorik, Sensibilität und Blutversorgung wurden in diesem Neuroanatomie-Repetitorium auf klinische Weise aufgearbeitet. Zu jedem Thema war ein Patient geladen, an dem die Untersuchung gezeigt und erläutert wurde. Die Symptome wurden nach einer Wiederholung der anatomischen Fakten von den Studenten in Gemeinschaft zusammengetragen und zu einer Diagnose gebracht. Das Ergebnis: Ein vor Studenten platzender Hörsaal, bis auf den letzten Treppenplatz belegt.

 

Anatomie - Kreuzen, Kreuzen, Kreuzen

In punkto Anatomie ist neben dem Besuch der Repetitorien vor allem eines wichtig: Das Kreuzen von Altklausuren. Die Mediscript-CD sollte auf jeden Fall ein- bis zweimal durchgekreuzt werden, aber auch Klausuren aus älteren Jahrgängen sollten unbedingt auf der To-Do-Liste stehen.

Diese Klausuren findet Ihr hier:

Kreuz mich Köln

Ob man auf das Kreuzen vertraut, ist jedem seine Sache. Ich denke jedoch, dass die Prometheus-Bände (Anm.: dreibändiger Anatomie-Atlas) oder der Lüllmann-Rauch (Anm.: Histologie-Lehrbuch) noch mal rausgekramt werden sollten, um den Lernstoff zu wiederholen. Hierbei können vor allem Kurzlehrbücher hilfreich sein, die Tipps und Tricks extra zum Physikum beisteuern und dementsprechend ihr Wissen bündeln, wie zum Beispiel die Endspurt-Reihe vom Thieme-Verlag. Wichtig: Rechtzeitig anfangen und einen realistischen Lernplan erstellen.

 

PsychSoz - 1001 Folien

Für PsychSoz könnt Ihr die Lehrbücher getrost beiseite legen, oder am besten gar nicht kaufen. Der Fokus Eurer Lerneinheiten sollte auf dem stupidem Auswendiglernen der Vorlesungsfolien liegen. Dieses solltet Ihr ebenfalls mit etwas Kreuzen von Altklausuren würzen: Ihr könnt wieder auf besagten Internetseiten jhammes oder kreuzmich suchen; die Mediscript-CD oder die "Schwarze Reihe" sind ebenfalls zu empfehlen, aber nicht unbedingt erforderlich.

Wer für die Physikumsfragen nicht tief in die Tasche greifen möchte: Via Medici hat für Euch die IMPP-Originalfragen ab dem Jahr 2000 hochgeladen, wenn auch ohne Kommentar.

Via medici online IMPP-Originalfragen

Lernen - und was machst Du?

30 Grad und Hochsommer: Statt am Aachener Weiher zu sitzen, haben wir Repetitorien besucht, in der ZiBMed über den Büchern gesessen oder uns die Präparate im Demonstrationssaal der Anatomie angeschaut, bis wir soweit waren, dass wir Gespräche mit ihnen begannen.

Jede Gelegenheit wurde wahrgenommen, um etwas zu wiederholen: auf dem Fahrrad an der Bushaltestelle, in der Bahn, beim Einkaufen. So war es kein Wunder, wenn auf dem Einkaufszettel plötzlich die Abgänge des Nervus Trigeminus standen. Doch der Erfolg beim Runterrasseln der Zugänge zur Bursa Omentalis war motivierend. Auch die Prozentzahl beim Kreuzen der Mediscript-CD stieg in die Höhe und bald war die Bestehensgrenze überschritten.

Die Frage nach der Tagesplanung erübrigte sich natürlich. Auf "Was machst Du heute so?" war die Antwort natürlich: "Lernen!". Die Zeit rannte und schon standen die Prüfungen vor der Tür.

Mit Herzklopfen, Dextro-Energy und viel zu vielen Kugelschreibern betrat ich das Anatomie-Foyer. Auch wenn wir zwei Stunden Zeit hatten, war ich nach gut einer Stunde wieder draußen. Vielen ging es ähnlich. Schließlich hat unser Professor immer gesagt: "Wenn Sie fertig sind, sind Sie fertig. Und meistens ist die erste Antwort, die Sie gekreuzt haben, die Richtige." Jedes Umkreuzen wäre also wahrscheinlich eine weitere Schaufel Erde auf dem eigenen Anatomie-Grab gewesen.

Der erste Schock war also vorüber und auch die Anatomie-Äquivalenzprüfung verlief viel besser als erwartet. Froh, dass die Prüfung vorbei war, gab es schon ein leichtes "Geschafft"-Raunen, das durch das Foyer schwebte - auch wenn noch niemand sein Ergebnis wusste. Doch viel Zeit zum Verschnaufen gab es nicht, am nächsten Tag wurde Anatomie gegen PsychSoz ausgetauscht und weitergelernt.

 

Wie war's denn nu?

Jetzt, gut drei Wochen nach der Anatomie-Äquivalenzprüfung und zwei Wochen nach PsychSoz, ist das normale Leben wieder eingekehrt. Mein Zimmer ist von den Büchern des letzten Semesters befreit, mein Laptop von Folien über das Badewannen-Modell und Sigmund Freuds Theorie des "Es, Ich und Über-Ich".

Die ersten Ergebnisse hängen schon im Prüfungsamt aus. Alles hat geklappt und so komme ich zu dem Schluss: Es war weit weniger schlimm als gedacht. Vor allem Anatomie war mir zuvor ein Graus gewesen - nicht weil es mich wenig interessierte, sondern weil es viel war. Doch die Anatomen stellen die Klausur durchaus fair.

Köln hat viele Vor- und Nachteile mit seinem Modellstudiengang. Ein klarer Vorteil ist die Physikumsprüfung. Die Staffelung der Äquivalenzprüfungen lässt einem mehr Zeit zum Lernen. Außerdem ist nur ein Teil der Prüfung aus IMPP-Fragen zusammengestellt, sodass der andere Teil von der Fakultät selbst gestellt ist.

So habe ich am Ende nicht nur Muskeln und Nerven, Modelle der Emotions- und Lernpsychologie gelernt, sondern vor allem eines: Et kütt wie et kütt. Auch das Physikum geht irgendwann vorbei. Also denkt immer an den § 2 des Kölschen Grundgesetz: Habe keine Angst vor der Zukunft!

 

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