• Bericht
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  • Vanessa Bücker
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  • 08.04.2014

Neurologie-Famulatur am Bodensee

Während der Karnevalszeit in Köln an den Bodensee zu fahren ist für eine waschechte Kölnerin nicht leicht. Vanessa Bücker hat es dennoch gewagt und in der Klinik Friedrichshafen ihre Famulatur in der Neurologie absolviert. Wie es ihr gefallen hat und was sie erlebt hat, erfährst du hier.

 Klinikum Friedrichshafen - Foto: Vanessa Bücker

 

Die Bewerbung  

Es reichte aus, drei Monate vor Beginn der Famulatur eine formlose E-Mail-Anfrage mit Lebenslauf an das Sekretariat der Neurologie zu senden: r.stenmans@klinikum-fn.de.

Auch die sonstigen „Formalitäten“ wurden vorher per E-Mail oder Telefon schnell geklärt. So auch die Frage nach der Unterbringung. Es gibt für Famulanten und PJler eine kostenlose Unterkunft direkt im Wohnheim am Klinikum – vorausgesetzt es ist noch ein Zimmer bzw. Appartement frei. Ich hatte Glück und bekam ein Einzelzimmer, wenn auch recht spartanisch eingerichtet. Im Sommer soll es jedoch schwieriger sein, noch ein freies Zimmer zu bekommen.

 

Ein guter Start  

Recht bald nach Semesterende habe ich mich auf den Weg in den Süden gemacht. Montag morgens, nach einem kleinen Abstecher ins Personalbüro, wurde ich zunächst sehr ungläubig bei der allmorgendlichen Neuro-Teambesprechung empfangen. Eine Kölner Studentin zur „Fastnacht“ im Süden Deutschlands? Das hatte man dort auch noch nicht gesehen. Also wurde ich kurzerhand zum „Karnevalsflüchtling“.

 

Ein normaler Tag  

Die erst 2011 gegründete, quasi noch taufrische Neurologische Abteilung befindet sich im vierten Stockwerk des Klinikums Friedrichshafen. Sie umfasst 15 Betten auf der Normalstation sowie 6 Betten mit Monitor-Überwachung auf der Stroke-Unit.  

Gegen 8:00 Uhr morgens musste ich auf Station sein. Natürlich gehören auch hier Blutabnahmen und Viggos zum täglichen Brot. In der Regel erledigte ich diese Aufgaben bis 8:30 Uhr, natürlich mit Ausnahme derer, die über den Tag verteilt fällig werden. Dann beginnt die allmorgendliche Team-Besprechung, die im Anschluss öfter mal die ein oder andere Kuchen-Nascherei mit sich bringt. In der Besprechung berichtet der Nachtdienst von den Patienten, die er oder sie gesehen hat. Außerdem werden Neuzugänge auf Station vom Vortag besprochen. Im Anschluss wird relativ zügig mit der Visite angefangen.Gleich zu Beginn bekam ich meinen Ausweis, eine Essenskarte (4,30€/Tag), Dienstkleidung und wenige Tage später sogar ein eigenes Diensthandy. So ausgerüstet ging es dann gleich mit den alltäglichen Aufgaben auf der Station los.

Mittags beziehungsweise nachmittags werden neue Patienten aufgenommen. Hier durfte ich sehr schnell alleine agieren. Ich durfte neue Patienten aufnehmen, untersuchen und dem Stationsarzt sowie Oberarzt vorstellen. Bald hatte ich so auch „eigene“ Patienten. Diese konnte ich in der Visite oder morgendlichen Besprechung vorstellen,  Vorbefunde anfordern und Arztbriefe vorverfassen. So ging der Tag meist recht schnell rum. Und auch wenn ich öfter mal ein Stündchen länger geblieben bin, war das nie ohne Grund. Meist hielt mich ein spannender Fall auf, MRT-Befunde oder die Aussicht auf eine Lumbalpunktion.

Genau! Lumbalpunktion. Absolutes Highlight war natürlich, dass ich den Patienten auch selber Liquor entnehmen durfte. Schon gleich am vierten Tag wurde ich so das erste Mal „ins kalte Wasser geschmissen“, ganz nach dem Motto: „One see, one do, one teach“.  Natürlich war sowohl beim ersten als auch bei allen weiteren Lumbalpunktionen immer jemand dabei, den ich fragen konnte und der im Falle des Falles eingreiften konnte.

 

Wöchentliche Veranstaltungen

Dienstags ist Oberarztvisite, mittwochs Chefarztvisite. Außerdem gibt es donnerstags noch eine interdisziplinäre Team-Besprechung. Hier werden mit Ergo und Physiotherapeuten, Logopäden, dem Sozialdienst und der Pflege die  Verläufe der Patienten und ihre weitere Versorgung besprochen. Montags, mittwochs und freitags gibt es außerdem jeweils um 13:00 Uhr die Röntgen-Demo für die Neurologen. Dort besprechen die Radiologen zusammen mit den Neurologen die CTs und MRTs, die seit der letzten Röntgen-Demo gelaufen sind. Mit recht erbärmlichen radiologischen Kenntnissen gekommen, ging ich mit stattlichem Know-How der Neuroradiologie nach Hause. Natürlich nicht en detail, aber einen Mediainfarkt oder MS-typische Läsionen sollte ich nun wohl doch erkennen.

 

Studentenunterricht

Es gibt jeden Tag, bis auf Freitag, Unterricht für PJler und Famulanten. Von Gynäkologie und Pädiatrie über Innere Medizin, Chirurgie, Pathologie und Radiologie bis zur Anästhesie wird hier viel geboten. In der Regel können sich die Studenten auch selber einbringen und Themen-Wünsche äußern.   Absolutes Highlight war die Anästhesie-Fortbildung über den „Christoph45“, den am Klinikum Friedrichshafen stationierten Helikopter. Der Notarzt erklärte mir die Ausstattung, die typischen Notfälle und wie das Prozedere von A bis Z abläuft. Krönender Abschluss war der Start des Helis nachdem ein Notfallfunk reingekommen war.

 

Freizeit

Der Bodensee an sich ist schon herrlich. Selbst im späten Winter war er traumhaft.

Der Bodensee - Foto: Vanessa Bücker

 

Ob für einen Spaziergang an der Promenade, einer Joggingtour am Ufer in Fischbach oder einer Fahrt mit dem Katamaran nach Konstanz.

 

Katamaranfahrt Bodensee - Foto: Vanessa Bücker

 

Wer einmal aus dem Stadtleben entfliehen möchte, ohne gleich ganz im Heuhaufen zu landen, ist hier goldrichtig.  Wer sich für Technik begeistern kann, der sollte einmal im Zeppelin- oder Dornier-Museum vorbeischauen.

 

Dornier-Museum - Foto: Vanessa Brücker

 

Für alle, die gerne Ski fahren, gibt es außerdem im Winter die Möglichkeit, einige der nahegelegenen Skigebiete zu erobern. So ist für jeden hier etwas dabei.

Kleiner Tipp: Mit „MeinFernbus“ fährst du für nur 8 € pro Strecke nach Zürich! Auch wenn das Shoppen nicht ganz günstig ist, lohnt sich ein Besuch der Stadt allemal. Morgens hin, abends zurück – aber bitte das Geldwechseln nicht vergessen.

 

 Zürich - Foto: Vanessa Bücker

 

Fazit

Je näher es dem Ende der Famulatur zuging, umso mehr fühlte ich mich schon wie eine richtige Kollegin. Ich durfte immer selbstständiger arbeiten, hatte eigene Patienten und schrieb Arztbriefe. Die Stimmung war super. Fragen waren immer gern gesehen und wurden stets beantwortet. Aber auch von sich aus haben die Ärzte viel erklärt. Die Fastnacht in Friedrichshafen ist natürlich nicht zu vergleichen mit dem Kölle Alaaaf bei uns. Ich war zeitweise etwas wehmütig, aber auch diese Tage gingen vorüber. Denn schließlich hat mich die Zeit dort so bereichert, dass ich auch einmal auf Kölschen Karneval verzichten konnte. Ich habe es keine Sekunde bereut und würde jeder Zeit wiederkommen.

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