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  • Nico Bekaan
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  • 15.06.2020

Studieren in Corona-Zeiten: Wie das Virus die Studiensituation verändert hat

Das Corona-Virus hat sich auf die Situation der Studierenden ausgewirkt. Hier erfährst du, wie sich die Lehre an der Universität zu Köln verändert hat und welche Erfahrungen ich in dieser Zeit bisher gemacht habe.

 

Anfang März 2020 habe ich die erste Information zum Corona-Virus von der Universität erhalten. Die Situation würde beobachtet werden, Lehrveranstaltungen oder Prüfungen würden erstmal nicht ausfallen. Hygienemaßnahmen und Hausverbote sollten zu einer Risikominimierung beitragen. Von diesem Zeitpunkt an habe ich zusätzlich die Nachrichten von der medizinischen Fakultät und den einzelnen Lehrbereichen über die aktuelle Entwicklung verfolgt. So fühlte ich mich schon vor dem Semesterstart gut informiert.
Mitte März hatte sich die Lage allerdings verschärft: Das Land Nordrhein-Westfalen hatte den Vorlesungsbeginn von Anfang April auf den 20. April verschoben. Die Bibliotheken führten zunächst Zugangsbeschränkungen ein, schlossen dann jedoch ein paar Tage später. Auch im Freizeitbereich wurde man von der folgenden Nachricht überrascht: Das gesamte Sportprogramm in universitären und externen Sportstätten wird eingestellt.


Der „Lockdown“ wurde zum Semesterstart im April noch deutlicher, da die Lehre und die Prüfungen vor Ort eingestellt wurden. Die vorhandenen Strukturen des E-Learnings wurden ausgebaut. Über die digitale Lernplattform ILIAS wurden vermehrt Videos hochgeladen und zur Verfügung gestellt. Neu zum Einsatz gekommen sind Livestreams über Programme, wie Zoom oder GoToMeeting.


Meine erste Erfahrung mit den Online-Vorlesungen konnte ich in einem Kompetenzfeld zum Thema „Erbrechen und Diarrhoe“ machen. Technisch gab es keine Probleme. Meist können verschiedene Endgeräte verwendet werden und bei Bedarf noch eine Einwahl via Telefon erfolgen. Ungewohnt waren für mich die fehlenden Kommilitonen, die eigene Umgebung und die des Dozenten. So hat dieser sich schon mal gemütlich auf der Couch eingerichtet und man selbst braucht auch nicht starr auf den Bänken der Uni sitzen
Schon nach kurzer Zeit hatte ich mich an das leicht geänderte Format gewöhnt. Toll fand ich, dass ich viele Vorlesungen ansehen konnte wann und wo ich wollte. Einige Vorlesungen aufgenommen und später auf der unieigenen Lernplattform zur Verfügung gestellt. Ich konnte mir den Lernstoff besser einteilen und bei Bedarf Passagen mehrfach ansehen.


Die sonst in Kleingruppen vor Ort stattfindenden Seminare wurden in ähnlicher Aufteilung online als Videochat abgehalten. Auch hier gab es (wie sonst vor Ort) einen Gesprächsleiter und einen Protokollführer. Beispielsweise hatte ich als Protokollant meinen Bildschirm geteilt und es wurden in der Gruppe gemeinsam Lernziele in einer Schreibdatei festgehalten.


Die letzten Wochen haben mir gezeigt, dass  ich bei Onlinemeetings viel Zeit spare, da ja die An- und Abreise ausfällt. Auch in den online abgehaltenen Seminaren zeigte sich ein produktiver Umgang. Ein großer Nachteil ist meiner Meinung nach allerdings, dass man wesentlich mehr Zeit vor den Monitoren verbringt. Das kann schon ermüdend sein. Auch das Thema Datenschutz sollte noch genauer betrachtet werden. Eigene Streamingdienste auf den Servern der Universität wären eine gute Investition für die Zukunft.


Ihr fragt euch sicherlich, ob auch Klausuren online stattfinden. Und tatsächlich, die Prüfungen fanden zum Teil online statt. Ich habe eine kleinere Prüfung im Semester online abgelegt. Am Tag der Prüfung musste ich mich innerhalb eines gewissen Zeitrahmens online einloggen und konnte dann die Prüfungsfragen direkt im Browser beantworten. Ein integrierter Timer beendet die Klausur, sobald die Zeit abgelaufen ist.
Es wurde das gleiche System verwendet, welches sonst auch bei E-Klausuren vor Ort zum Einsatz kommt. Somit entfiel eine vorherige Einarbeitung. Ein paar Tage zuvor konnte man dennoch eine Probeprüfung durchführen, um die eigenen Geräte und die eigene Internetverbindung zu testen.
Immer mehr Prüfungen finden auch wieder in Präsenz statt. Dabei müssen Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen, wie das Tragen von Mund- und Nasenschutz beachtet werden.


Zu Problemen kam es bei dem zweiten Staatsexamen („Hammerexamen“). Da die Lage im April noch generell unüberschaubar war, haben die meisten Studierenden bis zum Schluss am Lernen festgehalten. Leider kam es dann zu keiner bundeseinheitlichen Regelung. In den meisten Bundesländern hatte das zweite Staatsexamen unter besonderen Vorkehrungen stattgefunden. Im Gegensatz dazu hat beispielsweise Bayern das Staatsexamen verschoben. Unterschiedliche Startzeiten für das Praktische Jahr (PJ) haben dann zudem die PJ-Mobilität erschwert.


Praktische Studienleistungen konnten nur teilweise erlangt werden. Studierende im Krankenpflegepraktikum, in Famulaturen oder im Praktischen Jahr haben die medizinische Versorgung unterstützt. Für einige Blockpraktika wurden Ersatzleistungen angerechnet. So konnte man im Fachblock der Allgemeinmedizin bspw. im Gesundheitsamt unterstützend tätig werden.


Nun sind wieder Präsenzveranstaltungen möglich, die Bibliotheken haben einen beschränkten Betrieb aufgenommen und auch Sportangebote sind wieder verfügbar. Die Präsenzprüfungen werden zirka zwei Wochen zuvor angekündigt und auch Auslandsprojekte (insbesondere Famulaturen und PJ-Tertiale) scheinen wieder planbar zu werden.


Vieles ist nun in anderer Form bzw. mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen wieder möglich. Auch wenn es im Einzelnen zu privaten oder auch organisatorischen Problemen gekommen ist, war zumindest die medizinische Fakultät in Köln sehr bemüht, für Studierende einen Semesterverlust zu verhindern.

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