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  • Maxi Bergner
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  • 27.04.2016

Medizinstudenten - ein ziemlich bunter Haufen

Diesen Typen von Kommilitonen ist wohl jeder Medizinstudent schonmal begegnet.

© Elnur-Fotolia.com


Woran denkst Du, wenn Du Dir einen Medizinstudenten vorstellst? An den Übereifrigen mit schwerer Unitasche, der sich zu nachtschlafender Stunde mit seinen Kommilitonen um den mittleren Platz in der ersten Reihe im Hörsaal streitet? An den arroganten Schönling, der sich schon im ersten Semester allwissend mit wehendem Kittel über den Gang schweben sieht?

Oder an die Vorstufe der lieben Frau Doktor, die Dir früher immer diese besonderen Gummibärchen nach der Impfung geschenkt hat? Ja, Medizinstudenten sind wohl eine der inhomogensten Spezies, die man in einem Studiengang vereinen kann. Das mag daran liegen, dass sowohl die Motive zur Studienaufnahme als auch die späteren Möglichkeiten zur Spezialisierung derart verschieden und vielfältig sind. Ich habe mir sechs ganz spezielle Typen herausgepickt, die trotz aller Variabilität in keinem Jahrgang fehlen.

Der Theoretiker

Ihn interessiert hochgradig, wie unser Körper wirklich funktioniert. Um das zu verstehen, hat er bereits in der Schule alle naturwissenschaftlichen Kurse und AG’s belegt und möchte sein Wissen nun weiter vertiefen. Zwei Jahre Vorklinik sind ihm dafür viel zu wenig, weshalb er sich immer wieder beschwert, dass es doch viel zu wenig Zeit wäre, um jedes Detail haargenau zu verstehen.

Psychologie zählt nicht zu seinen Lieblingsfächern, und auch Skills wie Empathie oder Umgang mit Kindern sind ihm nicht in die Wiege gelegt. Stattdessen ist er in drei Forschungsgruppen an drei Lehrstühlen gleichzeitig tätig und kämpft mit einer fiesen Bursitis, weil er letzte Nacht wieder über seinem Biochemiebuch eingeschlafen ist. Bereits jetzt gehören Petrischalen, Eppi‘s und Fachliteratur zu seinem Wohlfühlterritorium.

Zukunftsprognose: renommierter Forscher oder Pharma-Hai
Lieblingssatz: „Der Löffler-Petrides ist da aber schon ziemlich oberflächlich, findest du nicht?“

Der übereifrige 1,0 - Kandidat

Er hat sich vor allem für das Medizinstudium entschieden, weil er es konnte und seinen brillianten Schnitt nicht verschwenden wollte. Nun möchte er auch weiterhin der Beste sein und ist deshalb derjenige, der im Seminar Fragen zu Themen stellt, die eigentlich noch gar nicht an der Reihe sind.

Er lernt vor allem für herausragende Ergebnisse in Klausuren, kreuzt 100% und sagt dann aber doch „Glutat-Ion“. Am besten erkennst du ihn daran, dass seine Hand bei jeder Frage sofort nach oben schießt oder er selbstgefällig nickt, weil er das, was der Seminarleiter gerade erklärt, ja schon längst wusste. 

Zukunftsprognose: sieht sich selbst in der „Lehre“, ist aber tatsächlich nur auf eine W3-Professur scharf
Lieblingssatz: „Wissen Sie, ich hab da letztens gelesen …“

Der Menschenfreund

Er möchte seinen Teil dazu beitragen, dass die Welt zu einem besseren Fleckchen wird. Dabei hilft ihm sein ausgeprägtes Helfersyndrom, dass er auch gerne an seinen Kommilitonen auslässt. Nicht selten hat der Menschenfreund vor dem Studium ein FSJ oder eine Krankenpflegeausbildung absolviert und ist auch jetzt noch nebenher in soziale Projekte eingebunden.

Für ihn ist die Vorklinik die reinste Qual, weil man noch keinen Patientenkontakt hat und das meiste später als Arzt doch sowieso nicht mehr brauchen wird. Deshalb trifft man ihn auch besonders häufig in Modellstudiengängen an. Sein Erkennungsmerkmal ist, dass er die vielen traurigen und überarbeiteten Theoretiker und 1,0er in den Arm nimmt und tröstet, dass es auch noch andere Dinge im Leben gibt.

Zukunftsprognose: prädestinierter Pädiater oder Hausarzt
Lieblingssatz: „Die Patienten wollen mal keine Zell-Zell-Kontakte erklärt haben, die wollen, dass Du ihnen mit Zeit, Rat und Tat zur Seite stehst!“

Der Durchkommer

So ganz weiß er auch nicht, wie er hier rein geraten ist, aber leider ist Weltenbummler kein Beruf mit Zukunft und plötzlich kam dann doch noch der Zulassungsbescheid von hochschulstart. Für ihn sind Vorlesungen kein Place-to-be, schließlich ist der Kopf so früh noch gar nicht richtig wach, und überhaupt kann er sich das alles viel schneller selbst beibringen.

Theoretisch - denn tatsächlich geht seine Zeit dann doch eher für Freizeitspaß, Party und Mensabesuche drauf. Sein bester Freund sind die Endspurt-Skripte, für mehr reicht die Zeit auch nicht, wenn die Kommilitonen ihn eine Woche vorher an die anstehende Klausur erinnern. Durchkommer sind all jene, bei denen du dich nach zwei Jahren wunderst, dass sie in deinem Jahrgang sind – außerhalb ihrer Pflichttermine trifft man sie nämlich nicht in der Uni an. Und auch dorthin schleppen sie sich nur mit Kaffee, Handy und Best-Buddy.

Zukunftsprognose: nicht festgelegt, die Work-Life-Balance muss stimmen
Lieblingssatz: „Egal, hauptsache 60%“

Der Vielverdiener

Er kommt bereits aus gutem Hause und möchte diese Tradition auch beibehalten. Deshalb hat er hohe Ansprüche an das Leben und die Uni, für ihn selbst gelten die aber nicht. Fehler sucht er in der Fragestellung, mittelmäßige Klausurergebnisse liegen auf jeden Fall an der Klausur. Einmal im Semester wird Papa’s Anwalt-Freund zurate gezogen, ob denn die Prüfungsfrage auch rechtens war. In der Vorlesung erkennst du den Vielverdiener am Polo-Hemd, Burberry Schal und MacBook, dauer-online auf Facebook.

Zukunftsprognose: Radiologe, die verdienen schließlich am meisten
Lieblingssatz: „Wie jetzt, ich darf meine Apple Watch im Physikum nicht tragen?“

Die Wundertüte

Diese Kategorie lässt sich am schwierigsten definieren, denn bekommt man von ihr nicht viel mit. Sie meldet sich nicht, stellt keine Fragen und fällt auch sonst im Unialltag selten auf. Ob sie ein Privatleben hat und wie dieses aussieht, darüber wird nur gemunkelt. Auf jeden Fall schneidet sie immer gut in Klausuren ab, gelegentlich überrascht sie sogar tatsächlich durch soziales Geplänkel mit Kommilitonen, aber durchschauen wird man sie wohl nie. Erkennen kannst du die Wundertüte daran, dass sich um sie neben all dem handfesten Jahrgangs-Gossip nur vage Mysterien ranken.

Zukunftsprognose: Alternativmedizin, dort handelt man ja auch unvorhersehbar
Lieblingssatz: „…“ *schweigt und beobachtet*

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