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  • Maxi Bergner
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  • 14.09.2016

Kein Mensch mehr, aber cand.med.

Die ultimativen Survival Tipps, um die Physikumszeit bestmöglich zu überstehen.

 

©Rawpixel-Fotolia.com

 

Zehn Kilo Koffein, Hunderte Tränen und Tausende Buchseiten später, in einem nüchternen Praktikumsraum, zwischen einem Skelett, einem Beckenbodenmodell und einem Stapel von zittrig skizzierten Diagrammen – da kamen sie, die erlösenden Worte: „Herzlichen Glückwunsch, Sie alle haben Ihre mündliche Prüfung bestanden“. Die Worte, die endlich das Ende einer Dürreperiode des Privatlebens bedeuteten. Die Worte, die eine hoffentlich bessere Zeit einläuten würden. Denn dass man entspannt durch diese zwei Monate des Lernens, Kreuzens und Durchsprechens geht und ebenso aus ihnen heraus, ist leider wirklich eine Illusion.

Hier habe ich ein paar Wegweiser zusammengetragen, die sich in unserer Vorbereitungsphase als angenehme Routenerleichterungen erwiesen haben, aber natürlich entbehrt diese Liste jeglicher Vollständig- und Allgemeingültigkeit und freut sich über Ergänzungen ;)

 

1. Gemeinsam einsam


Ja, die sozialen Kontakte werden mangels Zeit und Nerven leiden, gerade zu Nicht-Medizinern. Umso wichtiger also, sich mit seinen Gleichgesinnten zusammenzutun und gemeinsam zu wiederholen, zu jammern und vor allem sich aufzubauen. Auch wenn es oft nicht so wirkt, es geht den anderen nicht besser, und das in Gesprächen immer mal wieder zu hören, ist irgendwie beruhigend.

2. Essen nicht vergessen


Man kann so ziemlich jedes Grundbedürfnis herunterschrauben, aber bei der Nahrungsaufnahme handelt es sich in solch einer Phase wirklich um „Futter für die Seele“. Also seid vorausschauend und füllt vor der intensiven Lernphase eure Tiefkühltruhe auf – euer gestresstes Ich wird sich später freuen! Auch Mittagspicknicks haben sich als unheimlich kräfteauffüllend erwiesen – man glaubt gar nicht, wie lieb man so einen Uni-Innenhof gewinnen kann, wenn er einem über Wochen einen sonnigen Raum für die mittagliche Stärkung geboten hat.

3. Immer wieder Sonntags


… macht alles Pause, außer euch. Es gibt wohl nichts Demotivierenderes, als die ganze Uni verschlossen vorzufinden und wie ein Sonderling nur über einen Spezialeingang Zutritt zur Bibliothek zu bekommen. Tut euch das nicht an, sondern schnappt so leichte Kost wie euer Psycho-Skript und fahrt damit an den See oder in den Park. Damit schlagt ihr zudem drei Fliegen mit einer Klatsche – ihr habt eine schöne Umgebung, könnt euch ein wenig erholen und seid doch nicht untätig.

4. Das Mediziner-Paradoxon


Eigentlich müssten wir es ja am besten wissen, wie gesundes Leben geht. Wir studieren das schließlich. Aber die Wege des bösen LDLs und der Alkoholabbau kosten eben einiges an Nerven, und die lassen sich mit Gemüse auf Dauer nicht zufriedenstellend beruhigen. Daher ist es vollkommen in Ordnung, die abwechslungsreiche, vitaminreiche Ernährung einmal schleifen zu lassen und einen Anstieg im Koffein-, Nikotin-, Schokoladen- und Alkoholkonsum zu verzeichnen. Um eine Rückkehr zur Normalität kann man sich immer noch hinterher kümmern, und so ein Bierchen vor der letzten abendlichen Lerneinheit hat dank seiner Gefäß-dilatierenden Wirkung (und natürlich nur deshalb!) durchaus positive Effekte erzielt…

5. Das Ziel ist das Ziel


Das Physikum ist letztlich weniger eine Prüfung des Wissens als eine Prüfung der Nervenstärke. Umso wichtiger, dass ihr diese unter allen Umständen bewahrt und euch irgendwie eine Strategie sucht, unnötige Belastungen zu vermeiden. Gerade Änderungen in eurem Beziehungsleben, so verheißungsvoll sie erscheinen mögen, sollten absolut Tabu sein! Erledigt und entscheidet die wichtigen Dinge vor den kritischen zwei Monaten und verschiebt ansonsten so viel wie möglich davon in die Zeit danach. Überlegt euch im Vorfeld eine Unternehmung, die ihr als Belohnung für die überstandenen Prüfungen erleben wollt, und arbeitet auf diese, nicht auf das Bestehen hin – damit fällt das Motivieren um einiges leichter.

6. The D-Day


Irgendwann – viel schneller, als einem lieb ist – ist er dann gekommen, der Tag der Wahrheit (besser gesagt die drei Tage…). Auch hier ist es am wichtigsten, sich nicht verrückt zu machen, vor allem nicht am Abend/in der Nacht davor. Verbringt diese also am besten mit Freunden, organisiert ein Sleep-Over und geht somit absolut glücklich ins Bett – davon profitiert man mehr, als bis Mitternacht hektisch in seinen Skripten zu blättern. Wenn ihr dann am nächsten Morgen nach einer gemeinsamen Fahrradtour, die euer Gehirn noch einmal mit ausreichend Frische und Sauerstoff versorgt, und mit genügend Nervennahrung im Gepäck an eurem Prüfungsort ankommt, kann dann eigentlich nichts mehr schiefgehen – dafür drücke ich euch fest die Daumen!

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