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  • Christian Breuer
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  • 18.09.2006

Studieren in Magdeburg

Magdeburg ist ja nun nicht gerade die bekannteste der deutschen Universitätsstädte. Mehr so etwas wie die graue Maus im Niemandsland zwischen Hannover und Berlin. Dennoch ist die Medizinische Fakultät der Elbestadt eine der Besten, zumindest wenn es nach den Rankings der bundeseinheitlichen Examina geht. Warum es neben der guten Lehre noch andere Gründe für ein Studium in Magdeburg gibt, und was Euch hier erwartet erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Der erste Eindruck

Die meisten Studenten die von der ZVS, der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze, in die Elbestadt Magdeburg geschickt werden, attestieren dieser zunächst den Charme eines „Betonklotzes“. Grau in grau ist der erste Eindruck, wenn man von der Autobahn 2, die direkt an der Stadt vorbei führt, Richtung Magdeburg fährt. Dennoch hat sich in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, die kurz hinter der ehemaligen Ost-West-Grenze liegt, etliches bewegt.

Viele der leer stehenden Plattenbauten sind mittlerweile dem Erdboden gleichgemacht worden. Etliche Fassaden erstrahlen im neuen Glanz, und auch das Uniklinikum konnte zum Ende letzten Jahres endlich das neue Hauptgebäude einweihen.

"Opfer" dieser Renovierungswelle sind auch die Studenten der medizinischen Fakultät. Egal ob Chemielabor, Mikroskopiersaal oder die neue Pathologie, den Studenten stehen neue Räumlichkeiten und hochmoderne Einrichtungen zur Verfügung. Auch wenn noch nicht alle Überbleibsel aus DDR-Zeiten verschwunden sind, der Campus des Uniklinikums ist mittlerweile durchaus sehenswert.

Auch in der Stadt lernt man nach und nach die schönen Ecken kennen, denn vor allem im Sommer grünt es in Magdeburg an allen Ecken und Enden. Zahlreiche Parks und die Elbauen laden dann dazu ein das Lernen ins Freie zu verlegen.

 

Studieren an der OvG

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurde erst 1993 gegründet und ist damit eine der jüngsten Universitäten Deutschlands. Rund 10.000 Studenten studieren insgesamt an der OvG und der Fachhochschule Magdeburg. Damit ist die 200.000-Einwohner-Stadt nicht gerade eine typische Studentenstadt. Während der Hauptteil der Universität sich im Norden der Stadt befindet, ist die Medizinische Fakultät mitten in der Stadt an das Uniklinikum angegliedert. Jährlich werden ca. 180 Studentinnen und Studenten für den Studiengang Humanmedizin immatrikuliert. Von großem Vorteil für die Ausbildung ist der territorial zusammenhängende Campus der Medizinischen Fakultät auf dem alle Lehrveranstaltungen stattfinden. Das Studium in Magdeburg ist somit ein Studium der kurzen Wege. Die verschiedenen Hörsäle und Praktikumsräume sind alle innerhalb weniger Minuten zu erreichen, was die Kaffeepausen zwischen den Lehrveranstaltungen auf eine auch für Studenten erträgliche Zeit verlängert.

Das Studium der Medizin in der Elbestadt ist zwar durchaus anspruchsvoll, aber auch gut organisiert. Ein Großteil der Studenten kommt hier mit der Mindeststudienzeit von zwölf Semestern aus.

Nach Erhalt des Stundenplans und der obligatorischen Einführungswoche für die Studienanfänger ist man zwar immer noch nicht vollends im Bilde, kennt aber zumindest die wichtigsten Orientierungspunkte. Dennoch läuft man zunächst noch mehr als einmal der großen Masse der Leidensgenossen auf der Suche nach dem richtigen Hörsaal hinterher.

Dreh- und Angelpunkt des Medizinstudiums in Magdeburg ist der "Mensahügel". Hier finden sich die wichtigsten Versorgungsstationen für den Ärztenachwuchs. Während die Mensa diese schlichte Bezeichnung durchaus zu Recht trägt, ist die benachbarte Medizinische Zentralbibliothek gut ausgestattet. Der Bücherbestand ist ausreichend groß und wird ständig aktualisiert, was bei den horrenden Preisen medizinischer Fachliteratur bares Geld in den naturgemäß knappen Studentenbudgets spart. Hier finden sich neben dem Lesesaal auch Kopierer, kostenlose Internetzugänge und aktuelle Zeitungen und Zeitschriften zum Schmökern.

Das Medizinstudium in Magdeburg kann man nur zum Wintersemester aufnehmen. Die neuen Studenten werden dann zunächst in Seminargruppen von Schulklassenstärke aufgeteilt. Die bleiben über das ganze Studium mehr oder weniger erhalten. Dieses Vorgehen hat den Vorteil sofort neue Leute kennen zu lernen. Das man alle Kurse, Seminare und Prüfungen gemeinsam absolviert schweißt natürlich zusammen. Beste Voraussetzungen also für etliche gelungene Studentenpartys.

Jede Seminargruppe bekommt zudem einen Studenten aus einem höheren Semester zugewiesen, der für Fragen aller Art zur Verfügung steht. Gerne übernimmt der auch die Organisation der ersten Kneipentour der Neuankömmlinge durch die Innenstadt. Zusätzlich wird jedem "Ersti" ein Professor als Tutor zugeteilt. Er dient als Anlaufstelle bei organisatorischen Problemen und kann auch später nützlich sein, wenn es zum Beispiel darum geht eine passende Doktorarbeit zu finden.

Als Student ist man in Magdburg also gut aufgehoben. Die Studentenzahlen sind überschaubar und überfüllte Hörsäle und Seminare sind für die Mediziner ein Fremdwort. Auch die Qualität der Lehre kann sich durchaus sehen lassen, wie das dauerhaft gute Abschneiden der Magdeburger Studenten in den bundeseinheitlichen Examina belegt. Der Preis dafür sind allerdings deutlich mehr Prüfungen als an anderen Unis. Wenn man drei schriftliche Prüfungen im Fach Biologie absolvieren muss, während an manch anderer Fakultät lediglich Anwesenheitspflicht besteht, zweifelt man schon manchmal an der Wahl seines Studienortes.

 

Summer in the city

Vor allem im Sommer lässt sich in Magdeburg allerhand unternehmen. Solltet Ihr es sportlich mögen, dann sind die Sportangebote der Uni ein interessanter Tipp. Dort wird für jeden etwas geboten. Von Tennis über Fußball bis zum Rudern werden keine Wünsche offen gelassen. Schwimmer und Freizeitsportler zieht es an den Barleber See. Der Strand des großen Baggersees steht denen der Ostsee in nichts nach. Wer lieber ein Dach über dem Kopf hat ist in der neu eröffneten Elbe-Schwimmhalle oder im Spaßbad Nemo gut aufgehoben. Auch wenn die Preise hier nicht gerade studentenfreundlich sind.

Für Jogger und Inlineskater ist der Stadtpark Rotehorn der Geheimtipp schlechthin. Er liegt auf einer Insel inmitten der Elbe, beherbergt unter anderem die Stadthalle und den MDR und ist (fast) autofreie Zone. Handballfans dagegen bekommen in der Bördeland-Halle Weltklasse-Sport geboten, wenn der SC Magdeburg zum Heimspiel einlädt.

Auch sonst hat Magdeburg noch so einiges zu bieten. Da die Stadt im zweiten Weltkrieg zum großen Teil zerstört worden ist fehlt zwar eine klassische Altstadt, aber rund um den Hasselbachplatz finden sich etliche Kneipen und Cafes die zum verweilen einladen. Bei schönem Wetter lohnt sich ein Besuch im Biergarten des Mückenwirts oder ein Ausflug an die Elbe.

Das Studentenleben kommt ebenfalls nicht zu kurz. Jährlich finden zum Ende des Sommersemesters die Magdeburger Studententage mit Life-Konzerten, Open-Air-Kino, studentischen Theateraufführungen sowie Sommerfeste der Magdeburger Hochschulen statt.

An der medizinischen Fakultät krönen die Studenten beim jährlichen Sportfest in den verschiedensten Sportarten das beste Studienjahr, und der Studentenklub "Kiste" ist während des Semesters Treffpunkt für Kaffeetrinker, Partys und Infoabende.

 

Kultur auf Sparflamme?

Für kulturell verwöhnte Menschen ist Madeburg sicherlich nicht die glücklichste Wahl. Leipzig, Dresden oder gar Berlin haben in dieser Hinsicht allemal mehr zu bieten. Da das Medizinstudium allerdings relativ wenig freie Zeit mit sich bringt, ist das ein Mangel, den man sicherlich verschmerzen kann. Dennoch gibt es auch in Magdeburg vieles zu entdecken.

Das ehemalige BUGA-Gelände im Elbauen Park sollte man unbedingt im Frühling besuchen. In der riesigen Parklandschaft steht mit dem 60 Meter hohen Jahrtausendturm der größte Holzturm Deutschlands. Er führt auf 6 Etagen durch 6000 Jahre Menschheitsgeschichte. Auf einer Reise durch die Zeit geht es von Stockwerk zu Stockwert von der Steinzeit ins Atomzeitalter. Auch die medizinische Fakultät ist in der Ausstellung vertreten. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Technik-Interessierte sollten sich einen Besuch am Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee nicht entgehen lassen. Das Wasserstraßenkreuz wurde im Oktober 2003 eröffnet und ist das größte Europas.

Pflichtprogramm eines jeden Magdeburg-Besuchers ist natürlich der Dom. Er ist die älteste gotische Kathedrale auf deutschem Boden. Wem das alles noch nicht genügt, dem werden im Stadttheater oder in den diversen Museen weitere Kultur Highlights geboten. In der Lukasklause ist zum Beispiel eine Ausstellung über Otto von Guericke, den Namensgeber der Universität, zu bewundern. Wer länger Zeit hat, dem sei ein Wochenend-Trip ins nur eineinhalb Autostunden entfernte Berlin an Herz gelegt.

 

Wohnen in Magdeburg

Wohnen in Magdeburg ist im Vergleich mit anderen Universitätsstädten preiswert, da relativ viele Wohnungen leer stehen. Am günstigsten wohnt man allerdings in einem der Studentenwohnheime. Das der Medizinstudenten liegt direkt auf dem Campusgelände. Wer mit einem Platz liebäugelt sollte sich rechtzeitig vormerken lassen. Wer dagegen keine Lust auf den doch etwas tristen Medizinerkäfig hat, findet problemlos anderweitig ein nettes Domizil.

Am Campus der Medizinischen Fakultät haben Autofahrer übrigens mangels kostenfreier Parkplätze schlechte Karten. Mit der Straßenbahn ist er aber gut zu erreichen. Studenten die nicht direkt in Campusnähe wohnen, dürften sich daher über die guten Straßenbahn und Busverbindungen quer durch die Stadt freuen. Diese können Studenten mit einem aktuellen Studentenausweis kostenlos nutzen.

Ein weiters Highlight: Als kleines Schmankerl vergibt die Stadt Magdeburg an alle Studenten die ihren Hauptwohnsitz nach Magdeburg verlegen und mindestens zwei Jahre an einer der Bildungseinrichtungen der Landeshauptstadt studieren 155 € "Aufwandsentschädigung". Mehr dazu findet Ihr auf der offiziellen Internetseite der Stadt unter

http://www.magdeburg.de

Mehr Informationen zur Uni gibt's unter

http://www.uni-magdeburg.de

und auf den Internetseiten der Fachschaft. Wohnungs- und Kleinanzeigen findet Ihr in der Magdeburger Volksstimme, und wer nach aktuellen Veranstaltungstipps oder Anregungen fürs Magdeburger Nachtleben sucht, wird mit dem Stadtmagazin DATEs bestens bedient. Hier finden sich auch Hinweise auf das aktuelle Kinoprogramm, Musikkritiken und vieles mehr.

 

Kommt nach Magdeburg

Wer also auf das Flair einer alten Universität und die Anonymität einer Massen-Uni verzichten kann, der sollte sich für Magdeburg entscheiden. Eine gute Lehre, nette Kommilitonen und vor allem viel Spaß sind sicherlich ein guter Ausgleich für das, was Magdeburg gegenüber anderen Universitätsstädten noch fehlt.

 

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