• Bericht
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  • Kirstin Ludwig
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  • 06.12.2013

Tagesfamulatur beim Hausarzt

Mainzer Studenten lernen schon in der Vorklinik die Arbeit eines Hausarztes kennen. Einen Tag famulieren sie in einer Praxis ihrer Wahl. Lokalredakteurin Kirstin erzählt, wie schwierig es war einen Famulaturplatz zu finden – und warum sie trotz der kurzen Zeit sehr viel gelernt hat.

 

Hausärztin - Foto: Fotolia/A. Raths

Foto: Fotolia/A. Raths

 

Teil des Kurses in medizinischer Psychologie und Soziologie ist eine Famulatur bei einem Hausarzt. Ziel der Famulatur ist es, einen Tag lang die Kommunikation des Arztes mit seinen Patienten unter die Lupe zu nehmen und auch selbst eine Sozialanamnese durchzuführen.

 

Vorbereitung – ganz schön entmutigend

Jeder Student sucht sich selbstständig eine Praxis für die Famulatur. Das hörte sich für mich ganz nett an, mir selbst eine Praxis aussuchen zu dürfen. Doch so einfach wie gedacht, war das leider nicht. Viele Hausärzte betreuen grundsätzlich keine Famulanten, andere grundsätzlich schon, aber nicht in der vorlesungsfreien Zeit. Spätestens wenn ich am Telefon beschrieben habe, dass ich im zweiten vorklinischen (!) Semester bin und nur einen Tag lang famulieren möchte, lehnten die Ärzte mich ab ...

 

Überfalltaktik

Irgendwann habe ich es aufgegeben, in den Praxen anzurufen. Mein neues System: Überfalltaktik. Hingehen, nett an der Anmeldung fragen und viel Zeit im Wartezimmer verbringen. Mit Erfolg: Kurz darauf hatte ich meinen Platz für die Famulatur in einer allgemeinmedizinischen Gemeinschaftspraxis.  

 

Der Tag beginnt früh

Wie verabredet kam ich morgens um acht in die Praxis. Ich erwartete, dass der Hausarzt mit mir eine kurze Vorbesprechung machen würde und ich dann den ersten Patienten Blut abnehmen würde – aber weit gefehlt. Die Sprechstunde ist schon im vollen Gange. Um halb sieben waren bereits die ersten Patienten hier ...

Ich werde heute einen Arzt der Praxis in der Sprechstunde begleiten und anschließend auch mit zu den Hausbesuchen fahren. Ich bin gespannt.

 

Unerwartete Patienten

In meiner Vorstellung ist der „typische“ Patient über 70, der Arztbesuch ist Höhepunkt der Woche und der Patient ist Diabetiker und Hypertoniker, oder so ähnlich. Von wegen! Heute sind die meisten Patienten eher in meinem Alter. Das Spektrum der Beschwerden ist groß. Von Bauchschmerzen über Halsschmerzen bis hin zur Nachsorge einer Sportverletzung sehe ich alles. Aber auch Patienten mit chronischen Erkrankungen sind dabei.

 

Zu wenig Wissen ...

Regelmäßig fragt der Arzt mich nach meiner Diagnose und einem Behandlungsvorschlag. Ich merke, wie wenig mein Studium mich bis jetzt auf diese Famulatur vorbereitet hat – und lerne viel. Welche Medikamente häufig gegen welche Beschwerden verschrieben werden und warum, worauf ich bei der Anamnese achten muss, ... Ich glaube, an diesem Tag hatten alle anderen Ärzte in der Praxis doppelt so viele Patienten wie sonst, da „mein“ Arzt mir so vieles erläutern musste.  

 

Echte Praxis

Nach kurzer Zeit sind Blutdruck, Puls und Temperatur messen schon zu meinen Standardaufgaben geworden. Auch bei der Blutentnahme konnte ich die Arzthelferinnen etwas entlasten. Abhören von Herz und Lunge sind unter Aufsicht auch nicht so schwer, vor allem nicht, wenn der Arzt mir direkt sagt, was ich gerade hören kann – ich merke wie schnell ich lerne.

 

Die Herausforderung

Und dann muss ein Ultraschall vom Abdomen gemacht werden. Ich möchte mich diskret in eine Ecke des Sprechzimmers zurückziehen – aber das geht nicht. Der Arzt bittet mich dazu zu kommen – und drückt mir den Schallkopf in die Hand. Ich versuche mich kurz zu erinnern, wo überhaupt die wichtigen Organe liegen ...und bin damit schon recht überfordert. Der Arzt erkennt meinen hilflosen Blick – und führt meine Hand. Schon werden aus den Flecken auf dem Bildschirm Schemen. Und hin und wieder erkenne ich sogar ein Organ. So anspruchsvoll hatte ich mir meinen Tag in dieser Praxis nicht vorgestellt.  

 

Meine eigentliche Aufgabe

Um die Kommunikation des Arztes zu analysieren, halte ich mich im Hintergrund. Und dabei merke ich, dass viele Techniken, die ich während des Semesters in medizinischer Psychologie und Soziologie gelernt habe, ganz selbstverständlich zum Einsatz kommen. Ich mache mir Notizen, um die Techniken und die Wirkung später in der Analyse beschreiben zu können.

 

Weitere Famulaturen

Ich bin schon sehr gespannt, auf die zukünftigen Famulaturen im allgemeinmedizinischen Bereich – vielleicht auch wieder in dieser Praxis. Ich habe gesehen, dass ich dort einiges lernen kann. Nicht nur in diesem allgemeinmedizinischen Fachgebiet, sondern auch für mein ganzes späteres Arztleben.

 

 

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