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  • Elise Betz
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  • 14.12.2017

Die Reform geht weiter – das neue 4. Jahr

Wie sieht das 4. Studienjahr aus? War die Reform sinnvoll? Ein erster Eindruck.

Nachdem das 3. Studienjahr im Zuge der MaReCuMplus Reform ab dem WS 2015/16 umgestaltet wurde, war es natürlich auch an der Zeit, das 4. Studienjahr neu zu strukturieren. Ich gehörte also wieder zu den glücklichen Versuchskanninchen, der erste Jahrgang im neuen 4. Studienjahr zu sein.
Bevor ich allerding mein abschließendes Urteil fällen kann, möchte ich kurz erklären, wie MaReCuMplus in den Fachsemestern 7 und 8 aussieht.

Analog zum dritten Jahr, in dem man sich bereits von einem strikten Modullehrplan verabschiedet hatte und ein sogenanntes Systematiksemester eingeführt hatte, ist dies auch mit dem 4. Studienjahr passiert. Es gibt nun also ein Systemtatik- und ein Modulsemester mit dem jeweils die Hälfte der Studenten beginnen, bevor getauscht wird.

Hier könnt ihr die Aufteilung in einer übersichtlichen Grafik einsehen.

Beginnen wir nun mit dem Systematik-Semester, das den schönen Namen „Klinische Medizin“ trägt und sich zur Aufgabe macht, uns Studenten die Fächer Chirurgie, Innere Medizin, Transfusionsmedizin, Klinische Pharmakologie und Infektiologie näher zu bringen. Wie im 3. Studienjahr wurde auch hier das Konzept der Themenwoche übernommen, um den Stoffumfang bezwingbar zu machen. Jede Woche widmet sich den Krankheitsbildern eines Organsystems oder mehrerer sich ergänzender, zum Beispiel „Erkrankungen von Herz und Lunge“ oder „Leber, Galle, Pankreas“. Nach Vorlesungen, Seminaren und UaKs (Unterricht am Krankenbett) der einzelnen Fachdisziplinen zu den Krankheitsbildern, endet eine jede Woche mit dem Meta-Seminar, einem Seminar, in dem gemeinsam Fallbeispiele besprochen und diskutiert werden. Man lernt also hier wieder Fächerübergreifend und Problemorientiert die jeweiligen Krankheitsbilder.

In Woche 9 des Systematiksemesters stehen dann die Teilprüfungen Innere Medizin und Chirurgie, sowie die Prüfung Transfusionsmedizin an, bevor man nach weiteren 8 Wochen Unterricht in Woche 18 das Semester hinter sich lassen kann. Aber natürlich nicht, bevor man die zweite Teilprüfung Innere und Chirurgie, sowie Klinische Pharmakologie, Infektiologie und den fächerübergreifenden Leistungsnachweis 3 (FLN 3: Innere Medizin, Pharmakologie, Toxikologie, Immunologie und Transfusionsmedizin) bezwungen hat. Das Semester „Klinische Medizin“ ist aufgrund der unglaublichen Menge sicher das anspruchvollste des gesamten Studiums, am Ende der 18 Wochen hat man wirklich einiges geleistet.

Im Gegensatz dazu beginnt das Modulsemester mit den sogenannten Theoriewochen, bevor die eigentlichen Module „Gender und Haut“ (Urologie, Gynäkologie und Dermatologie) und „Nerven und Sinne“ (Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Augenheilkunde und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde) beginnen. Während dieser 4-wöchigen Theoriewochen, die von der Hälfte des Jahrgangs, die mit dem Modulsemester beginnen, gemeinsam bestritten werden, werden in Vorlesungen systematische Grundlagen der Fächer der beiden Module gelehrt und enden mit dem FLN 1 (Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Anschließend wird die Gruppe in zwei Kohorten aufgeteilt, die dann je mit einem der Module beginnen und anschließend tauschen.

In den Modulen werden in jeweils 6 Wochen die Fächer überwiegend in Seminaren und UaKs gelehrt. In der sich daran anschließenden Prüfungswoche stehen dann die Fächer Urologie, Gynakologie und Dermatologie für das Modul „Gender und Haut“ auf dem Plan und im Modul „Nerven und Sinne“ warten die schriftlichen Prüfungen in Augenheilkunde und HNO auf die Studenten. Die Benotung der Scheine Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, sowie sychosomatosche Medizin und Psychotherapie erfolgt aufgrund von Leistungsüberprüfungen in den UaKs.

Bei Neurologie werden in den UaKs die Anamnese und neurologische Untersuchung, die von jedem Studenten mindestens einmal durchzuführen ist, von den Dozenten bewertet. In den anderen beiden Fächern muss man jeweils ein Gespräch mit einem im ZI (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit) stationär oder ambulant behandelten Patienten führen, das ebenfalls benotet wird. Meist gibt es dabei auch die Möglichkeit noch weitere Gespräche zu führen, da immer mehr Patienten als Studierende vorgesehen sind. Da bei der Endnote jeweils nur die beste Note zählt, erhält man eventuell noch die Chance sich zu verbessern.

Nachdem ich nun in groben Zügen den Aufbau und Ablauf der 4. Studienjahres dargelegt habe, möchte ich noch meine Einschätzung abgeben.
Insgesamt war ich sehr zufrieden mit der Gestaltung des Jahres, auch wenn das Systematiksemester wirklich anstrengend war. Ich hatte zudem das Pech, das Systematiksemester erst im Sommersemester zu absolvieren, welches aufgrund der vielen Feiertage im Vergleich zum Wintersemester an einigen Stellen sehr komprimiert wurde, sodass sich zum Teil Unitage von 7-17 Uhr ergaben. Wer also die Wahl hat, sollte versuchen sich „Klinische Medizin“ ins Wintersemester zu legen, da es durch die Weihnachtsferien eine schöne Unterbrechung gibt und sich so mehr Zeit für die Vorbereitung zur 2. Teilprüfung ergibt.
Besonders möchte ich nochmal die Strukturierung der großen Fächer Innere und Chirurgie in Themenwochen ervorheben, die mit einem Fallbasierten Seminar enden. Man kann so sehr gut Bezüge zwischen den Fächern herstellen und lernt Fälle problemorientiert zu bearbeiten.
Insgesamt wurde auch versucht, einen hohen Anteil an praxisnahem Unterricht anzubieten. So gibt es beispielsweise einen UaK im OP, bei dem den Studenten auch wirklich die Möglichkeit gegeben wird ihr Wissen und Können anzuwenden und sie am Ende den Schnitt zunähen dürfen. Auch die Gesprächsführungs-UaKs im ZI tragen dazu bei, Arzt-Patient-Gespräche insgesamt zu verbessern, gerade weil man auch im normalen Klinikalltag mit Patienten zu tun hat, die eine psychiatrische Erkrankung als Nebendiagnose haben.
Abschließend lässt sich sagen, dass sowohl das 3. als auch das 4. Studienjahr deutlich verbessert wurden. Vor allem weil für die Fächer Innere und Chirurgie ein besserer Platz sowie eine bessere Strukturierung gefunden wurde und man ihnen so einen verdientermaßen höheren Stellenwert beimisst, als dies noch zu Zeiten der Ring-Vorlesung (näheres s. Artikel MeReCumplus – Reform im Reformstudiengang) der Fall war.

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