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  • Elise Betz
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  • 09.11.2016

MaReCumplus – Reform im Reformstudiengang

Ein erstes Fazit nach dem ersten klinischen Jahr mit neuem Lehrkonzept. Was hat sich verändert? Hält die Reform was sie verspricht und was sagen die ersten MaReCumplus-Studenten zum neuen 3. Studienjahr?

Lange wurde von Studenten und Lehrenden die Klinik an der ein oder anderen Stelle bemängelt, denn verglichen mit der gut strukturierten und bestens durchdachten Vorklinik, die eine erstklassige Vorbereitung auf das Physikum bietet und sich dies auch in den M1 Rankingergebnissen wiederspiegelt, war man bisher vom Hauptstudium eher mäßig begeistert. Dieses hielt in seiner ursprünglichen Form strikt an einem Modulrotationssystem fest. Man trug sich also in seine gewünschte Seminargruppe ein, die die verschiedenen Lehrblöcke (Module) in einem Rotationssystem durchläuft. Dadurch ergaben sich im 4. und 5. Studienjahr zwei Freimodule zu den unterschiedlichsten Zeitpunkten und so auch keine einheitliche Möglichkeit, um ausreichend auf das M2 zu lernen, was von den Studierenden stark kritisiert wurde. Von Seiten der Lehrverantwortlichen in der Klinik wurden vor allem mehr Vorlesungen im größeren Verbund gewünscht, um möglichst viele Studenten zu erreichen und gleichzeitig nicht zu oft aus dem Klinikalltag gerissen zu werden.

Um allen Anregungen und Forderungen gerecht zu werden und die Qualität des klinischen Studienabschnitts dabei noch zu verbessern, musste ein neues Konzept her, das nun den Namen MaReCumplus trägt. Ganz neu ist hierbei die Einteilung in ein Systematik- und ein Modulsemester im 3. Studienjahr, wobei jeweils die Hälfte eines Jahrgangs mit dem einen oder dem anderen beginnt.

 

(Aus dem Leitfaden Hauptstudium 2015/16


In dem 14 Wochen (inkl. 2 Prüfungswochen) langem Systematiksemester werden die klinisch-theoretischen Fachgebiete parallel und in Wochenthemen zusammengefasst gelehrt. Eine Woche umfasst so beispielsweise das Thema Fraktur-/Wundheilung, welches dann von den unterschiedlichsten Fächern, wie Radiologie, Pathologie klinische Chemie etc., beleuchtet und in einem Meta-Seminar am Ende einer jeden Woche durch gezielte Fallbeispiele in Zusammenhang gebracht wird. Das verknüpfende Lernen wird hier also ganz groß geschrieben.

Das Modulsemester im 3. Jahr hat dagegen wenig Neuerung erfahren und beinhaltet weiterhin die bewährten Module „Gesellschaft und Gesundheit“, in das Fächer wie Gesundheitsökonomie, Umweltmedizin oder Arbeitsmedizin mit einspielen, sowie „Klinische Propädeutik“, das großes Augenmerk auf die Vermittlung praktischer Fähigkeiten und verschiedener Untersuchungstechniken legt.

Oberstes Ziel dieses neuen 3. Studienjahres ist die optimale Vorbereitung auf ausstehende Famulaturen durch das Kennenlernen der häufigsten Krankheitsbilder (Pathogenese, Diagnostik, Untersuchung, Therapie). Ob das Ziel erreicht wurde und sich die Studenten tatsächlich gut vorbereitet fühlen oder was sie sonst noch zu MaReCumplus zusagen wollen, habe ich mal meine Kommilitonen gefragt:

„An dem Projekt Marecum Plus sieht man, dass unsere Professoren an guter Lehre interessiert sind und nicht aus Bequemlichkeit einfach ihre alten Cluster fahren. Es überträgt ein Gefühl der Wertschätzung. Auch wenn es vielleicht anstrengender jetzt geworden ist, bin ich der Meinung, dass die Lehre wirklich besser geworden ist, wovon wir im Endeffekt nur profitieren können.“ (F. H.)

„In MaReCum+ gibt es einen konstruktiven Austausch zwischen Studenten und Lehrenden, der durch die Gruppen mit Frontalunterricht und Disskussion im Seminar gefördert wird. Außerdem ist dadurch ein direkter Kontakt zu verschiedensten Fachdisziplinen geschaffen, wodurch man einen besseren Einblick in den Klinikalltag erhält und seine praktischen Fähigkeiten verbessern kann.“ (K.N.)

 

Einer der größten Kritikpunkte seitens der Studenten war jedoch sicherlich die Ringvorlesung im 3.Studienjahr. Hier wurden über das gesamte erste klinische Jahr die Fächer Chirurgie und Innere Medizin in Vorlesungen gelehrt, also vollkommen ohne Pflichtpräsenzen, und vierteljährlich zusammen mit den Modulfächern abgeprüft. Die Themen dieser Vorlesungen standen jedoch in keinem Zusammenhang mit den jeweiligen Modulen und die morgendlichen Vorlesungen um 8.15 Uhr waren selten gut besucht. Man hatte das Gefühl, dass die beiden größten und wichtigsten Fächer ohne wirkliches Konzept aus Zeitmangel an anderer Stelle in das 3. Jahr gelegt wurden. Entsprechend schlecht war die Selbsteinschätzung der Studenten hinsichtlich ihres Wissenstandes sogar nach bestandenem Schein am Ende des ersten klinischen Jahres.

Diesen Punkt hat man sich nun auch zu Herzen genommen und die beiden Fächer Innere und Chirurgie in ein Systematiksemester im 4. Studienjahr zusammengefasst und neu konzeptioniert. Man darf also gespannt sein, wie das bei den Studierenden in der ersten Runde im Oktober ankommt.


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