• Bericht
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  • Elise Betz
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  • 02.10.2014

Vorklinik an der medizinischen Fakultät Mannheim

Die Universität Heidelberg hat zwei medizinische Fakultäten an den Standorten Heidelberg und Mannheim, die sich in ihrem Studienaufbau grundlegend unterscheiden. Lokalredakteurin Elise erzählt hier von ihren Erfahrungen in der Vorklinik aus Mannheim.

Mannheim Wasserturm - Foto: Amt für Rats-u.Öffentlichkeitsarbeit

 

Der medizinische Studiengang an der Fakultät Mannheim nennt sich MaReCuM, Abkürzung für Mannheimer Reformiertes Curriculum für Medizin. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um eine neue Form des Medizinstudiums, einen Modellstudiengang. So werden nicht wie an anderen Universitäten die Fächer Anatomie, Biochemie und Physiologie getrennt und nacheinander gelehrt, sondern Module unterrichtet.

 

Das Modulsystem

Der vorklinische Lernstoff wird in Module aufgeteilt, die jeweils ein Funktionssystem bzw. Oberthema behandeln. So beschäftigt sich ein Modul mit dem Thema Bewegungsapparat, ein anderes mit der Verdauung oder der Pathobiochemie. Im Rahmen eines Moduls werden dann die Hauptfächer Anatomie, Biochemie und Physiologie parallel und auf das ganze Organsystem bezogen gelehrt. So lernt man schnell die Zusammenhänge und entwickelt ein gutes Verständnis der Abläufe und Mechanismen im Körper. Das hilft bestimmt auch in der Klinik weiter. In einem Semester werden insgesamt vier der sechs Wochen langen Module behandelt, wobei je zwei Module parallel gelehrt werden.

 

Die Prüfungen

Auch das Prüfungssystem unterscheidet sich von andern Medizinstudiengängen. In Mannheim finden alle Prüfungen während der Vorlesungszeit statt, sodass in der vorlesungsfreien Zeit wirkliche Semesterferien für Praktika oder Urlaub bleiben. Dadurch ist der Prüfungsrhythmus jedoch auch etwas straffer als an anderen Universitäten. Pro Modul gibt es zwei Prüfungen. Die Zwischenprüfung findet nach drei Wochen und die Abschlussprüfung findet nach den vollen sechs Wochen in einer eigenen Prüfungswoche statt. Die Zwischenprüfung beinhaltet immer 15 schriftliche MC-Fragen (Multiple Choice). In der Abschlussprüfung werden hingegen 30 Punkte vergeben. Die 30 Punkte können in eine schriftliche und eine mündliche Prüfung geteilt werden, wobei die Anzahl der mündlich zu erreichenden Punkte variiert. Auch das Fach der mündlichen Prüfung, Anatomie, Histologie oder Physiologie, ist je nach Modul unterschiedlich.
Die mündlichen Prüfungen helfen einem, sich an die Prüfungssituation im Physikum zu gewöhnen und sich durch das Feedback der Prüfer zu verbessern. Der lediglich dreiwöchige Prüfungsabstand regt zusätzlich zum kontinuierlichen Lernen an.

 

Die Lehrveranstaltungen

Der Stundenplan eines Medizinstudenten ist wie an anderen Universitäten auch in Mannheim gut gefüllt und enthält die verschiedensten Unterrichtsformen. Grundsätzlich kann man erst einmal Pflichtveranstaltungen von freiwilligen Lehrveranstaltungen unterscheiden. Die Vorlesung ist hier die einzige freiwillige Veranstaltung, an der alle Studenten eines Jahrgangs teilnehmen können. Es gibt verschiedene Arten von Pflichtveranstaltungen, denen jedoch die elektronische Anwesenheitskontrolle gemeinsam ist. Hier muss sich jeder Student mit seinem Studentenausweis in dem entsprechenden Raum zu Beginn der Veranstaltung einloggen. Zu den Pflichtveranstaltungen gehören Seminare, die die Vorlesungsthemen noch einmal aufgreifen und vertiefen. Diese werden in Seminargruppen zu etwa 20 Studenten mit einem Dozenten abgehalten. Des Weiteren gibt es noch Praxiseinheiten und Praktika, die ebenfalls in kleineren Praktikumsgruppen stattfinden und einen praktischen Bezug haben, wie Mikroskopieren, biochemische Versuche oder Blutabnehmen. Das Objektseminar schließlich dient dem Anatomielernen und findet ebenfalls in Kleingruppen statt.

 

Besonderheit: Anatomie

Einer der größten Unterschiede zu andern Medizinstudiengängen besteht wohl in der Art des Anatomielernens. So gibt es in Mannheim lediglich einen zweiwöchigen Präparierkurs im 4. Semester. Die Idee dahinter ist, dass man in den Semestern zuvor bereits die ganze Anatomie erlernt hat, um dieses Wissen dann beim Präparieren einzusetzen. Somit dient der Präp-Kurs nur dem Festigen des Wissens und nicht primär dem Erlernen der Anatomie.
Zum Lernen der Anatomie dienen in erster Linie die Vorlesungen und Objektseminare. Die Objektseminare festigen das Wissen aus der Vorlesung und der Vorbereitung Zuhause durch Wiederholung mit Tutor und Dozent. Hier kommen die zahlreichen Modelle, Scheiben und Plastinate zum Einsatz. Die Fakultät besitzt zahlreiche Plastinate von ganzen Körpern oder Teilen, die perfekt präpariert und fixiert sind und so gut zum Lernen geeignet sind. An festgelegten Terminen zum Selbststudium hat man zusätzlich Zugriff auf alle Präparate und Modelle. Im Rahmen der Anatomieverlesungen wird noch zusätzlich das Theatrum anatomicum angeboten, eine Schausektion, die von einem Anatomiedozenten durchgeführt wird und der Anschauung dient.

 

Nebenfächer

Auch bei der Gewichtung und dem Unterricht der Nebenfächer unterscheidet sich Mannheim von anderen Standorten. So werden nur die ersten vier Wochen des ersten Semesters für die Vorlesungen, Praktika und Prüfungen in den Nebenfächern verwendet. Terminologie wird in der ersten Woche gelehrt. Darauf folgen in den nächsten drei Wochen Chemie, Physik und Mathematik.

 

Physikumsvorbereitung

Wenn das Physikum im 4. Semesters immer näher rückt, werden zusätzlich zu den normalen Lehrveranstaltungen des Semesters Repetitorien für die Hauptfächer angeboten. Diese werden von der Fakultät organisiert und von den Dozenten der Anatomie, Physiologie und Biochemie gehalten. So fügen sie sich gut in den Stundenplan ein ohne einen zu überfordern. Wenn noch zusätzlicher Bedarf an Wiederholung bestimmter Themen besteht, kann man auch mit den Dozenten zusätzliche Repetitorien nach der Vorlesungszeit vereinbaren.
Durch die gute Organisation des gesamten vorklinischen Abschnitts und den hilfreichen Repetitorien in der akuten Phase vor dem Physikum fühlte ich mich sehr gut auf das erste Staatsexamen vorbereitet. Dass die Fakultät Mannheim deutschlandweit beim Physikum am besten abschnitt, stellt dem MaReCum ein ausgezeichnetes Zeugnis aus.

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