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  • Sarah Gruninger
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  • 02.12.2019

6 Gründe, warum du ERASMUS machen solltest

Lissabon, Madrid, Paris, Rom, Wien... hast du auch schon immer davon geträumt, mehr als nur Urlaub in einer von diesen Städten zu machen? Sarah erklärt dir, wie das möglich wird und warum du dich wie sie unbedingt ins Abenteuer ERASMUS stürzen solltest.

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1. Mal etwas Neues ausprobieren

Marburg ist ein kleines, süßes Örtchen, das man einfach lieben muss. Die Kneipen in der Oberstadt und die Lahn sind genau die richtigen Zutaten für eine perfekte Studentenstadt. Aber nach drei Jahren hier kann man schon mal den Drang verspüren raus aus dem kleinen Städtchen, raus aus dem Unitrott, raus aus der gewohnten Umgebung zu fliehen. Rein in die große weite Welt und abseits von der Komfortzone ein anderes Leben ausprobieren. Dazu musst du ja nicht gleich die Uni schmeißen oder ein Urlaubssemester einlegen. Du musst nicht mal weiter als durch Europa reisen - schließlich haben wir andere Kulturen direkt vor der Haustür. Was eignet sich also besser, als ein Auslandssemester an einer Universität in einer europäischen Metropole?

2. Ganz Europa steht dir offen

Die Länderwahl für deinen Auslandsaufenthalt ist riesig. Neben den klassischen Möglichkeiten wie Spanien, Frankreich und Italien kannst du auch in Finnland, Litauen, Portugal, Belgien, Polen, Österreich und Rumänien studieren. Am besten informierst du dich selbst über die Partneruniversitäten auf der Website des Fachbereichs Medizin. Bei der Ortswahl bist du einzig und allein durch das von dir erwartete Sprachniveau eingeschränkt. Sprichst du Französisch, Spanisch oder Italienisch? Perfekt, dann stehen dir jeweils drei bis sechs Universitäten zur Auswahl. 

Sprichst du nur Englisch und bist nicht bereit, im Voraus eine weitere Sprache zu lernen? Zwar kannst du nicht in einem rein englischsprachigen Land studieren, aber es ist möglich, ein englisches Studium in einem osteuropäischen Land oder in Finnland zu absolvieren. Wien ist natürlich auch immer noch eine Option.

Ich selbst habe bis vor einem Jahr nur Deutsch und Englisch gesprochen. Da die Klinik zeitlich entspannter war, beschloss ich, noch eine neue Sprache zu lernen. Auch mit A2 oder B1 wirst du an den meisten Universitäten schon angenommen und so hatte ich am Ende mehrere Universitäten in Spanien zur Auswahl, an denen ich mich bewerben konnte.

3. Eine Bewerbung war nie einfacher

Es gibt kaum ein einfacheres, übersichtlicheres und schnelleres Bewerbungsverfahren als das für ERASMUS in Marburg. Alle Argumente von Studenten, die gern ins Ausland gehen würden, aber behaupten, es wäre für sie „zu viel Arbeit“ oder „zu stressig“, sind hiermit entkräftet. Von Mitte Dezember bis Anfang Januar kannst du dich auf der Seite Mobility Online auf deinen Auslandsaufenthalt bewerben. Zusammen mit einem ausgefüllten Bewerbungsformular, auf dem du fünf Wunsch-Universitäten angeben kannst, reichst du lediglich deinen Lebenslauf, einen Sprachnachweis und dein Physikumszeugnis ein. Das war's. Kein Motivationsschreiben, kein langes Interview, selbst den Sprachnachweis kannst du nachreichen.

Ausgewählt wird bei einem Treffen mit den Koordinatoren und allen Bewerbern im Januar. Das erste Auswahlkriterium sind dabei deine Sprachkenntnisse. Gleichen sich diese bei Bewerbern für den gleichen Ort wird anhand der Physikumsnote entschieden. Da der Andrang an Bewerbungen für ERASMUS unter Medizinstudenten aus unerklärlichen Gründen nicht hoch ist, haben alle Bewerber ihren Erst- oder Zweitwunsch bekommen.

Einmal von Seiten Marburgs akzeptiert, wirst du von der Hochschulkoordinatorin an der Wunsch-Universität nominiert. Diese wiederum muss dich als ERASMUS-Bewerber akzeptieren. Ist das geschehen, erhältst du die verbindliche Zusage gegen März auf Mobility Online, wo du auch Instruktionen für das weitere Vorgehen bekommst.

4. Du verlierst nicht viel Zeit

Zu dem Zeitpunkt der Bewerbung entscheidest du schon, ob du für ein halbes oder ganzes Jahr ins Ausland gehen möchtest. Diese Entscheidung kann dir keiner abnehmen. Das Gefühl, dass fünf Monate nicht reichen, um sich einzuleben und Spanisch fließend sprechen zu lernen, bestätigt sich mir zurzeit. Ich kenne viele, die traurig sind, nach dieser kurzen Zeit schon wieder gehen zu müssen. Auch, wenn das nun wahrscheinlich absurd klingt, könnte es sogar sein, dass du durch den einjährigen Aufenthalt weniger Zeit verlierst. 

Um an einer europäischen Universität zu studieren, fertigst du nämlich ein Learning Agreement an. Darin führst du die Kurse auf, die du während deines Aufenthaltes besuchen möchtest und ordnest sie den Kursen deiner Heimatuniversität zu. Das ist nicht einfach und es kann passieren, dass du nicht alle Fächer aus einem Semester deiner deutschen Universität belegen kannst. Das liegt vor allem daran, dass die Gastuniversität, wie zum Beispiel Valencia, nur Fächer in Blöcken anbietet und du lediglich ein Fach substituieren darfst. 

Gehst du aber für ein Jahr und auch schon zu Beginn der Klinik, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du dir mehr anrechnen lassen kannst, höher. Du kannst dann nämlich auch zweisemestrige Kurse belegen und hast eine größere Auswahl an anzurechnenden Kursen. Die Koordinatoren in Marburg sind sehr entgegenkommend, was den Stundenplan nach der Rückkehr angeht. Und solltest du das halbe oder ganze Jahr im Ausland nach deiner Rückkehr wiederholen müssen, so ist es in meinen Augen sowieso nicht „verloren“, schließlich gewinnst du Erfahrung, die dir keiner wieder nehmen kann.

5. Du wirst nicht arm

Zuallererst sei angemerkt, dass du zwar weiterhin die Studiengebühren in Deutschland bezahlst, aber die des Gastlandes eben nicht. An manchen Universitäten „sparst“ du dadurch Tausende Euro. Außerdem kannst du beim ASTA einen Antrag auf Rückerstattung des Semestertickets stellen. Damit machst du dein Semesterticket ungültig und bekommst die fast 200 Euro zurück. Durch die Untervermietung deines Zimmers in Marburg vermeidest du eine doppelte Mietzahlung.

Erhältst du Bafög in Deutschland, wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit noch mit Auslandsbafög gefördert. Und das Allerwichtigste: Mit der Zusage zum Studienplatz erhältst du automatisch auch die Zusage zum Stipendium für ERASMUS. Dieses Geld solltest du nicht unterschätzen. Je nach Gastland kannst du zwischen 330, 390 und 450 Euro pro Monat erhalten. Klingt alles nicht schlecht, oder?

6. Du hast die Zeit deines Lebens

Am ersten Tag in der Uni in Valencia wurde uns ein Spruch mitgegeben: “ERASMUS ist nicht ein Jahr in deinem Lebens, sondern dein Leben in einem Jahr.” Das ist jetzt vielleicht ein bisschen sehr hoch gegriffen, aber einen Funken Wahrheit enthält es doch. Während deines Auslandsaufenthaltes hast du Möglichkeiten, die dir in Marburg verschlossen bleiben. Mit Glück bei der Ortswahl hast du ein Meer vor der Haustür oder 300 Tage Sonnenschein. Du kannst Segeln, Windsurfen oder Beachvolleyball lernen.

Außerdem hast du bestimmt mehr freie Zeit als in den letzten Jahren deines Studiums. Vielleicht willst du sie nutzen und bei einer Theatergruppe oder einem Freiwilligenprojekt mitwirken oder auch einfach mal das Großstadtleben zu genießen, Konzerte besuchen oder im Park entspannen. Nach deinem Auslandsaufenthalt wirst du viele Studenten aus verschiedensten Ländern Europas deine Freunde nennen können.

Ich hoffe, ich konnte dir den Gedanken an einen Auslandsaufenthalt während des Studiums greifbarer machen. Denk einfach mal drüber nach und melde dich bei mir, falls du Fragen hast.

 

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