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  • Sarah Gruninger
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  • 27.02.2018

Das verflixte dritte Semester

Du kommst demnächst ins dritte Semester und weißt noch nicht so richtig, was dich erwartet? Sarah gibt dir Tipps und Tricks, wie du das wohl härteste Semester der Vorklinik in Marburg überlebst.



© Moritz Wussow - Fotolia.com


„Im dritten Semester kannst du dich auf was gefasst machen. Falls du bis dahin dachtest, das Studium sei hart: Es wird noch härter!“ Diese Worte schreit mir eine Medizinstudentin aus dem 7. Semester auf der Eröffnungsparty nach dem Sommersemesterferien zu. Was für ein wunderbarer Start!

Erst am nächsten Tag während der Eröffnungsveranstaltung des 3. Semesters realisiere ich ihre Aussage. Meine Panik wird von Minute zu Minute größer, bis ich nur noch Wortfetzen aus dem Vortrag unseres Dozenten aufschnappe: „Testat“, „Bestehen“, „ viele Seminare“,, „Praktikum“, „mündliche Prüfung vor Weihnachten“, „75% sonst Gesamttestat“, „3 von 5 sonst Ausarbeitung“, „6 Wochen für Anatomie“.
Wieder zu Hause muss ich mir erst einmal einen Überblick schaffen: Was steht denn in Marburg im dritten Semester überhaupt am?

Zu aller erst wäre da die Anatomie. Im begleitenden Präparierkurs werden wir in den nächsten Wochen zweimal wöchentlich alles über Kopf, Hals und Situs lernen. Anatomie beinhaltet außerdem Seminare mit Klinikteil und natürlich das Lernen am Schreibtisch.

Alles klar, und sonst?

Wie auch schon im zweiten Semester stehen Physiologie und Biochemie auf dem Stundenplan. Zu den schon bekannten wöchentlichen Seminaren kommt aber jeweils noch ein Praktikum hinzu. In diesen Praktika musst du Testate bestehen.

Dabei solltest du in Biochemie an sieben Praktikumstagen je 20 Punkte im Testat erreichen (14 durch Ankreuzen, 6 durch schriftliches Beantworten oder Formeln zeichnen). Insgesamt kannst du also 7x20 (also 140, für die Rechenfaulen unter euch) Punkte erreichen. Erreichst du im Durchschnitt mehr als 75% (also 105 Punkte), so musst du in diesem Semester am Ende keine Klausur mehr schreiben. Dabei können sich die Testate untereinander ausgleichen: Du kannst also zum Beispiel einmal 12 und einmal 18 Punkte schreiben. Dabei ist allerdings wichtig, immer über 50% zu erreichen. Schaffst du dies einmal nicht, bist aber trotzdem im Durchschnitt über 75%, kannst du dieses eine Testat wiederholen. Andernfalls landest du im Gesamttestat, das mit der ersten Wiederholungsklausur gleichzusetzen ist.

In Physiologie warten Testate, in denen du drei aus fünf Fragen richtig beantworten solltest. Kannst du dies nicht, so wird ein Thema für eine Ausarbeitung zugeteilt. Dafür hast du zwei Wochen Zeit.

Weil das alles noch nicht genug ist, haben die Psychologen sich gedacht, dass den Studenten wöchentlich zwei Stunden lang "Selbstsicherheit" oder "Evidenzbasierte Medizin" beigebracht werden sollte. „Immerhin keine Klausur am Ende“, war mein Gedanke dazu.

Diese Infos können einen ganz schön erschlagen, nicht wahr? Allen zukünftigen Drittsemestern kann ich nur eins sagen: Es ist alles nur halb so schlimm wie es klingt. Und ich darf das auch sagen, schließlich  habe ich es schon hinter mich gebracht. Aber wie? Ich werde es euch verraten.

Tipps 

  • Fang früh genug an, Anatomie zu lernen. Das Fach ist nicht schwer zu lernen, es ist nur viel. Erstell dir einen Lernplan und versuche, kontinuierlich am Ball zu bleiben. Plane auch Wiederholungs- und Erholungsphasen ein.
  • Rede mit Kommilitonen. Mir hat es sehr geholfen, mich wöchentlich mit meiner Lerngruppe zu treffen und das allein Gelernte zu besprechen. Dabei lernst du nicht nur, über Anatomie zu reden (sehr wichtig, schließlich besteht am Ende auch die Hälfte der Prüfung aus Reden), sondern auch Neues gelernt und vertieft, da meine Lernpartner andere Schwerpunkte gesetzt haben. Pluspunkt: Ein wenig Sozialleben hast du dadurch auch.
  • Entscheide selbst, ob du die Vorlesungen besuchen willst. Viele meiner Kommilitonen haben gemerkt, dass sie während den Anatomievorlesungen zu Hause mehr lernen als in den zwei Stunden im Saal. Andere fanden die Vorlesungen aufgrund der Erläuterungen der Dozenten hilfreich. Bilde dir deine eigene Meinung.
  • Länger als drei Tage braucht man nie, um sich auf die Praktika vorzubereiten. Ich fand die Praktika teilweise echt spaßig, weil man endlich an sich selbst Versuche ausprobiert. In Biochemie habe ich meist drei Tage neben Anatomie gelernt. Dabei sind die Vorlesungsfolien und die Endspurt-Hefte gold wert. Für mehr blieb mir meist keine Zeit. In Physiologie hat meist ein Tag als Vorbereitung gereicht.
  • Psychologie ist Psychologie. Du kannst wählen, ob du Selbstsicherheitstraining oder Evidenzbasierte Medizin belegen willst. Ich kann es natürlich nicht beurteilen, aber aus dem Selbstsicherheitstraining habe ich vielleicht ein, zwei Sachen mitgenommen. Du wirst in Rollenspielen lernen, wie du mit schwierigen Situationen im Klinikalltag umzugehst.
  • Pass in den Physiologie-Seminaren auf, aber widme dich der Physiologie erst im Januar. Physiologie ist ein Fach zum Verstehen. Wenn du damit früh anfängst, hast du später weniger zu tun. Allerdings kann ich aus Erfahrung sagen, dass es völlig reicht, nach entspannten Weihnachtsferien im Januar das Physiologie-Buch aufzuschlagen.
  • Vergiss nicht, dass du auch mal Freizeit brauchst. Für mich war der wöchentliche Unisport ein guter Ausgleich, anderen hilft es, Instrumente zu spielen oder einfach mal einen gechillten Abend zu verbringen. Ja, du musst viel lernen, aber nicht 24/7.
  • Durchhalten! Im Endeffekt ist es das, was zählt. Kleine Durchhänger sind normal, aber wenn du in Anatomie am Ball bleibst und das ein oder andere aus den anderen Fächern mitnimmst, bist du auf der richten Spur. Die Weihnachtsferien kannst du entspannen und musst dann noch Motivation für die Physiologie-Klausur aufbringen.

Und dann ist das dritte Semester auch schon vorbei. Zwischen dem vielen Anatomie lernen blieb wenig Freizeit und auch die teilweise achtstündigen Praktika waren alles andere als entspannend. Aber ist das nicht auch etwas, das wir im Studium lernen müssen? Mit Stress umzugehen und sich völlig dem Fach zu widmen? Für den Stress im Physikum ist man als Marburger Student nach dem dritten Semester definitiv gewappnet. Und richtig cool ist, dass sich langsam das gestückelte Wissen der einzelnen Fächer zu einem Gesamtbild des Körpers und dessen Funktionsweise zusammenfügt. Aber jetzt genieße ich erst einmal meine Semesterferien und sage: Tschüss Marburg, bis in zwei Monaten!

 

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