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  • Myriam Schumacher
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  • 11.03.2013

Hilft Schulwissen im Studium?

Viele angehende Medizinstudenten haben die Qual der Wahl: Welche Fächer sollte man in der Oberstufe am besten belegen, wovon profitiert man im Studium am meisten? Biologie, Chemie, Physik oder doch lieber Latein? Hier eine kurze Rekapitulation über die Fächer des ersten Semesters – und darüber, zu welchen Zeitpunkten man mit Dankbarkeit auf sein Schulwissen zurückgreifen kann.

Anatomie

Man sollte meinen, Abiturienten wüssten, wie die wichtigsten Knochen des Körpers heißen, wo die Leber liegt oder wie das Herz funktioniert. Falsch gedacht! Zwar lernt man in Biologie in der Schule, wie die Mundwerkzeuge der Insekten aufgebaut sind, aber solche Lappalien wie die menschliche Anatomie kann man ja beiseite lassen.
Ich persönlich habe also mit einem sehr geringen Vorwissen zum ersten Mal den Prometheus aufgeschlagen und war von der enormen Stoffmenge erst einmal überwältigt. Alleine die Fähigkeit, schnell und viel auswendig lernen zu können, kann in diesem Fach von großem Nutzen sein.

 

Biologie

Bio ist wohl dasjenige Fach, welches angehende Medizinstudenten noch am ehesten mit ihrem zukünftigen Beruf in Verbindung bringen und das daher auch von den meisten meiner Kommilitonen auch in der Oberstufe belegt wurde. Während sich die erworbenen Anatomiekenntnisse in diesem Fach leider –wie schon erwähnt– in Grenzen halten, ist der Nutzen für die Veranstaltung "Biologie für Mediziner" schon deutlich größer. Wissen über Themengebiete wie Ökologie, Fotosynthese und Evolution könnt ihr getrost vergessen, über Vorwissen zu Genetik und Molekularbiologie werdet ihr euch jedoch im ersten Semester freuen.

Die Klausur in diesem Fach gliedert sich in Marburg in vier große Bereiche: Zellbiologie, Allgemeine Genetik, Humangenetik sowie Mikrobiologie. Von der Vorlesung zum erst genannten Thema werdet ihr zunächst vielleicht etwas geschockt sein- diese ist zwar wirklich sehr gut gehalten, jedoch sind euch Ausdrücke wie "Desmosomen", "Zonula adhaerens" und "Intermediärfilamente" wahrscheinlich Fremdbegriffe.

Zellbiologie wurde in der Schule oft bedauerlicherweise –ebenso wie Mikrobiologie– nur sehr oberflächlich behandelt und muss daher nahezu komplett neu erlernt werden. Umso besser, wenn man wenigstens schon gute Kenntnisse über Mitose, Meiose und Stammbaumanalyse vorweisen kann. Auch Wissen über molekularbiologische Vorgänge wie Replikation, Transkription und Translation ist nützlich, denn umso weniger Stoff muss man sich neu aneignen. Schließlich wird man in den kommenden Semestern hoffentlich noch das ein oder andere "Aha"-Erlebnis haben, wenn man in Biochemie über Glykolyse und Citratzyklus spricht oder in Physiologie die Signalübertragung im Nervensystem behandelt – all die Themen, die in der Oberstufe in Biologie besprochen wurden.

 

Chemie

Chemie ist definitiv ein Fach, vor dem es vielen graut. Redoxreaktionen, Lewis-Formeln, Komplexverbindungen - für die meisten verschwommene Erinnerungen an den Mittelstufen-Chemiekurs. Keine Sorge, es ist nicht zwangsläufig nötig, Chemie in der Oberstufe belegt zu haben. Jedoch sollte man in diesem Fall früh genug mit einer Wiederholung der Grundlagen anfangen und auch die Vorlesungen regelmäßig besuchen.

Wer mit dem Gedanken spielt, Medizin zu studieren, dem kann ich jedoch nur empfehlen, Chemie nach der Mittelstufe nicht abzuwählen! Denn mir haben meine Kenntnisse aus den zwei Jahren Oberstufe, ebenso wie meine Unterlagen aus dieser Zeit, sehr geholfen. Im Studium wurden nämlich exakt diese Themengebiete behandelt. Dazu gehören beispielsweise das Orbitalmodell, die Enthalpie, Redoxreaktionen und so weiter. All diese Dinge neu zu erlernen, kostet sicherlich viel Zeit, die man im Medizinstudium leider nur in begrenzter Menge hat.

 

Physik

Vor diesem Fach hatte auch ich großen Respekt, da ich es wie viele meiner Kommilitonen nach der Mittelstufe dankbar abgewählt habe. Daher kann ich auch leider nicht mit Sicherheit berichten, inwiefern sich die Themen im Studium und der Lehrplan der gymnasialen Oberstufe überschneiden.

Für die Praktikumsversuche zumindest ist eher ein grundsätzliches physikalisches Verständnis von Vorteil. Dieses war bei den meisten Studenten jedoch eher nicht vorhanden, mich eingeschlossen, was erstens oftmals die Geduld der Praktikumsbetreuer auf die Probe gestellt hat und zweitens sicher auch ein Grund für die Unbeliebtheit der Medizinstudenten im Fachbereich Physik ist.

Für die Physikklausur reicht Mittelstufenwissen kombiniert mit wildem Altklausurenrechnen jedoch bei Weitem aus. Also Entwarnung für alle angehenden Mediziner!

 

Terminologie

Ein ebenfalls viel diskutiertes Thema lautet: Braucht man nun Latein fürs Medizinstudium oder nicht? Die Antwort lautet: NEIN, tut man nicht. Weder das Latinum noch das Graecum sind von Nöten. Natürlich kann es nicht schaden, wenn man in der Schule Latein oder gar Griechisch belegt hat. Dann ergeben sich immerhin Vorteile beim Erlernen der lateinischen Grammatik. Mit der Deklination haben sich bei uns zu Beginn viele Studenten gequält, wenn man das Vorgehen jedoch einmal durchschaut hat, ist auch dies kein Problem mehr. Und was das Vokabellernen angeht, muss eigentlich jeder bei Null anfangen. Schließlich haben wohl nur die wenigsten in der Schule gelernt, was etwa "Rabenschnabelfortsatz" oder "Zwölffingerdarm" auf Latein heißt ...

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