• Tipp
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  • Theresa Sturm
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  • 13.09.2013
  • Umzugswagen - Foto: Gunnar Assmy/Fotolia.com

    Mitten im Studium die Uni wechseln? Das geht - ist aber mit einigem Aufwand verbunden.

     

Studienorttausch: Marburg - Ulm

Zwischen dem 3. und 4. klinischen Semester tauschen, das ist mutig. Ob man Zeit verliert oder doch gewinnt und wie man sich orientiert, werde ich euch anhand meiner Erfahrungen schildern.

Bewerbung/Tauschpartner suchen 

Nicht viele Medizinstudenten wollen nach dreieinhalb Jahren in Marburg den Studienort tauschen, zumal es ja nur noch eineinhalb Jahre bis zum schriftlichen Examen bzw. PJ sind. Einige möchten es dennoch aus persönlichen Gründen, so wie ich. Bei manchen verlängert sich das Studium sowieso durch Doktorarbeit, Auslands- und Freisemester oder eine versemmelte Prüfung. Daher ist es natürlich individuell unterschiedlich, ob sich der Aufwand lohnt.Ich hatte eine genaue Vorstellung, an welche zwei Unis ich gerne wechseln würde und habe mich dort direkt ins 8. Fachsemester, bzw. 4. klinische beworben. Zusätzlich hat eine Freundin für mich an der Uni Ulm an sämtliche schwarze Bretter Zettel mit meinem Tauschgesuch gehängt. Nach kurzer Zeit meldete sich tatsächlich jemand, der Interesse hatte zu tauschen. Ich konnte mein Glück nicht fassen und kümmerte mich sofort um den Bürokratiekram. In Marburg ist ein sehr netter Mann, Herr Bachmann, für die Tauschangelegenheiten zuständig. Er sagte mir, sein wichtigstes Kriterium für den erfolgreichen Tausch sei, dass wir zum gleichen Zeitpunkt Physikum gemacht haben. Dann musste sich meine Tauschpartnerin noch mit den offiziellen Bewerbungsunterlagen ins 8. Fachsemester bewerben und den Tauschantrag beilegen. Eine knappe Info und das Tauschformular für Marburg findet ihr hier:

Tauschformular Uni Marburg

An der Uni Ulm war der Tausch nicht ganz so einfach wie in Marburg. Zumindest hat uns Frau Schneider, die dafür zuständig ist, lange zappeln lassen und ich musste bei meiner Bewerbung in Ulm ein etwas größeres Tauschformular ausfüllen, in dem ich alle unsere bisher erlangten Scheine - selbst aus der Vorklinik -, inklusive Physikumsnote, eintragen musste. Die Kriterien für einen erfolgreichen Tausch sind laut Auskunft, dass die Uni Ulm einem in angemessener Zeit einen Abschluss anbieten kann. Infos zum Tausch und Formular der Uni Ulm hier:

Tauschformular der Uni Ulm

Als nach einigen Wochen des Wartens immer noch keine Rückmeldung aus dem Studierendensekretariat kam, ist meine Tauschpartnerin einfach mit dem unterschriebenen Antrag aus Marburg zu Frau Schneider gegangen und sie unterzeichnete den Gegenpart sofort. Es war also geschafft!

 

Exmatrikulation/Immatrikulation

Um den Tausch endgültig zu vollziehen müssen sich beide Studierende bei ihrer Uni zum Semesterende exmatrikulieren und dann mit der Exmatrikulationsbescheinigung des anderen zu ihrer neuen Uni gehen und sich dort immatrikulieren. Die erste Sorge ist natürlich "Was ist, wenn ich mich exmatrikuliere und mein Tauschpartner dann abspringt und ich komplett ohne Studienplatz dastehe?!". Herr Bachmann beruhigte mich sofort und versicherte, dass es in seiner gesamten Laufbahn erst einmal vorgekommen sei und dass man selbstverständlich seinen Studienplatz wiederbekomme, zumal man ja mit dem Tauschformular auch einen Vertrag eingeht. Gesagt, getan und so wurde ich eine Studentin der Uni Ulm.

 

Scheine, Kurse, Äquivalenzanträge

Bevor man sich an der jeweiligen Uni exmatrikuliert, sollte man sich natürlich sicher sein, dass alle im vorherigen bzw. laufenden Semester abgelegten Prüfungen, Hausarbeiten oder Ähnliches beim Dekanat eingegangen und dort registriert sind. Im digitalen Notenspiegel der Uni sind die erbrachten Leistungen eingetragen und können dort überprüft werden. Da der Spiegel aber oft nicht zu 100 % aktuell ist, sollte man die Lehrbeauftragten der fehlenden Kurse persönlich anrufen oder anschreiben, damit die Noten schnell nachgeliefert werden. Was noch unbedingt bedacht werden muss ist, dass man für alle Kurse, bei denen bis dato nur Teilleistungen erbracht wurden, also noch kein Schein ausgestellt wurde, auch eine Teilbescheinigung beim jeweiligen Sekretariat beantragt! Diese braucht man dringend bei der neuen Uni, um die Äquivalenzanträge an die verschiedenen Lehrbeauftragten zu schicken. Und da man teilweise mehrere Wochen auf die Teilbescheinigungen wartet, sollte das frühestmöglich angepackt werden. In diesen Bescheinigungen muss stehen, welches Fach belegt wurde, z. B. Chirurgie, die Art des Unterrichts, also Praktikum oder Seminar, welche Prüfungsleistung schon erbracht wurde, z. B. OSCE oder Klausur und ebenso wichtig, wie viele Semesterwochenstunden (SWS) die Lehrveranstaltung hatte.

 

Neuer Stundenplan

Frisch in Ulm angekommen suchte ich Frau Leins im Dekanat auf. Mit ihr sollte ich besprechen, welche Fächer ich im nächsten Semester belegen könne.Nach Prüfung der Äquivalenzanträge war klar, dass ich ins "Kurssemester" kommen würde. Das ist ein ziemlich theorielastiges Semester, im Gegensatz zum "Blocksemester", das aus praktischen Klinikblöcken besteht. Der Unterschied zu Marburg besteht also darin, dass dort die Fächer alle en bloc abgearbeitet werden, man also z. B. zwei Wochen Pädiatrie hat, in denen Theorie und Praxis kombiniert ist und anschließend das Fach abgehakt ist. In Ulm hat man aber im Kurssemester die Theorie und im Blocksemester die Praxis dazu. Zumindest meistens. Ich musste mich für den Tausch also etwas eingehender mit dem Aufbau der Studiengänge in Marburg und Ulm beschäftigen. Auch deshalb, weil die Angestellten im Dekanat nicht das Lehrkonzept aller anderen Unis im Kopf haben und man darum mit ihnen zusammen eine gute Lösung erarbeiten muss. In den Studienordnungen kann man alles nachlesen. Beachtet aber, dass manche noch nach der alten Studienordnung studieren!

Studienordnung Uni Marburg

Studienordnung Uni Ulm

Nun zu meinem konkreten Beispiel. Ich habe im 7. Semester in Marburg nicht alle Kurse belegt, die ich hätte belegen können, da ich mir ein halbes Freisemester für meine Doktorarbeit genommen habe, war also ein halbes Semester im Verzug. In Ulm mache ich nun gerade das 8. Semester (Kurssemester), hole noch ein paar Veranstaltungen aus dem 7. Semester nach und schiebe ein paar Veranstaltungen aus dem 8. Semester in ein späteres. So bin ich nun fast wieder auf dem "Soll"-Stand des 8. Semesters und habe daher mit meinem Tausch sogar noch Zeit wett gemacht. Der einzige Haken an der Sache ist, dass ich dieses Semester unangemessen viele Klausuren schreibe, aber dafür bin ich in meiner Wunschstadt! Außerdem hätte ich das Ganze auch entspannter verteilen und dafür ein Semester hinten anhängen können.

Ich kann also sagen, dass in Ulm, wie auch in Marburg, die netten Damen im Dekanat sehr bemüht sind, dass das Studium in der Wunschzeit abgeschlossen werden kann. Die Anmeldung in die verschiedenen Kurse funktionierten reibungslos, obwohl ich später dran war als die anderen Studierenden und auch mit den Ergebnissen der Äquivalenzanträge war ich sehr zufrieden. Das einzige, was nicht voll anerkannt wurde, war ein Teilbereich des "Praktikums Operative Medizin", da möchte die Orthopädie in Ulm noch ein paar Stunden mehr meiner Anwesenheit. Auch das Wahlfachkonzept in Ulm ist etwas umfangreicher als in Marburg. In Ulm muss man insgesamt 70 Stunden Wahlfach besuchen, in Marburg nur 42, daher fehlt mir noch ein Teil. Ansonsten habe ich jeden Schein aus Marburg in Ulm anerkannt bekommen.

 

Doktorarbeit

Ich habe in Marburg ein Jahr vor meinem Wechsel eine Doktorarbeit begonnen und bis zum Tausch alle Daten fertig erhoben. Da ich mich auch offiziell bei der Uni Marburg auf Annahme als Doktorandin beworben hatte, bekam ich meine Betreuung bis mindestens 2016 gewährleistet. Auch mein Doktorvater und mein Betreuer beteuerten, es sei überhaupt kein Problem von außerhalb an der Promotion weiter zu arbeiten. Daher mache ich mir darüber überhaupt keine Sorgen.

 

Fazit

Der Unitausch läuft insgesamt relativ reibungslos ab, das Schlimmste daran ist der Nervenkitzel und die Ungewissheit, wie alles abläuft. Und natürlich, dass man seine liebgewonnenen Freunde weniger sieht. Aber jeder, der sich für einen Tausch entscheidet, hat ja mindestens einen guten Grund, durch den der Trennungsschmerz hoffentlich etwas gemildert wird. Und in der neuen Heimat gibt es sicher viel zu entdecken! Traut euch!

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