• Tipp
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  • Myriam Schumacher
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  • 02.05.2013

Quick Tips: Erstes Semester in Marburg

Die "Quick Tips" sollen euch ab sofort als kleine Hilfestellung für die Bewältigung des Medizinstudiums hier in Marburg dienen. Der Startschuss für das zweite Semester ist bei Myriam zwar schon gefallen, doch für alle kommenden Erstsemestler hat sie ihre persönlichen Erfahrungen und Ratschläge hier festgehalten- sozusagen ihre Rezeptur für einen perfekten Studienstart!

Man nehme:

  • einen verzweifelten Medizinstudenten
  • 1 Portion Ehrgeiz
  • 1 Portion Durchhaltevermögen
  • 1 Haufen wahllos eingekaufter Medizinbücher
  • viele dicke Ordner mit Vorlesungsfolien
  • ein stetiger aufzufüllender Vorrat an Nervennahrung
  • Freizeit!

und stelle daraus einen halbwegs entspannten Studenten her, welcher ohne jegliche Aufputschmittel alle Klausuren und Testate beim ersten Versuch besteht.

Zubereitungszeit: mittel; früh genug anfangen und Pausen einplanen
Schwierigkeitsgrad: einfach

Traumvorstellung?- Ab sofort nicht mehr!

 

Anatomie

Aufgrund der neuen Studienordnung ist das Fach Anatomie inklusive des Präparierkurses zum Thema Extremitäten nun schon ins erste Semester gelegt worden. Was zunächst für helle Begeisterung und große Erwartungen bei den Erstsemestlern sorgt, stellt sich nach kurzer Zeit für viele eher als Schrecken heraus. Denn einen solchen "Lernberg" mussten die meisten nicht einmal für das Abitur bewältigen. Doch keine Sorge- es ist zu schaffen!

1. Vor den Weihnachtsferien werdet ihr zunächst nur mit Seminaren konfrontiert. In unserem Semester haben viele Studenten den Fehler gemacht, dafür planlos "draufloszulernen". Ich kann euch jedoch eher empfehlen, euch auf der Lernplattform k-med die entsprechenden Seminarfolien im Voraus anzuschauen und nur diese Themen vorzubereiten. Dabei gilt: Verschafft euch lieber eine gute Übersicht über die wichtigsten Fakten, anstatt sofort den Namen jedes kleinsten Muskels auswendig zu lernen. In den ersten Seminaren wird keiner von euch ein umfassendes Detailwissen erwarten, denn die einzelnen Veranstaltungen bauen aufeinander auf. Jedoch ist ein vollkommen unvorbereiteter Seminarbesuch auch nicht von Vorteil, denn nur mit den erwarteten Vorkenntnissen könnt ihr mit Kommilitonen diskutieren und etwas mitnehmen!

Lernplattform k-med

2. Für das gefürchtete Extremitätentestat, eure erste bedeutende mündliche Prüfung, lohnt es sich, früh genug mit Lernen zu beginnen. Besucht regelmäßig die hervorragende Extremitätenvorlesung und legt euch einen guten Anatomieatlas, beispielsweise den Prometheus, sowie ein ergänzendes Lehrbuch zu. Auch die Zeit im Präpariersaal solltet ihr ausnutzen: Nur hier erlebt ihr Anatomie live und könnt das Erkennen einzelner Strukturen üben! Weiterhin ist es äußert hilfreich, sich in Paaren oder kleinen Gruppen gemeinsam auf das Testat vorzubereiten, um die mündliche Ausformulierung der Fakten zu trainieren. Kurz vor der Prüfung solltet ihr euch schließlich mit Hilfe von alten Prüfungsprotokollen über häufige Fragen und Vorlieben eures Professors bzw. eures Tischdozenten informieren.

3. Habt ihr erst einmal das Testat erfolgreich überstanden, müsst ihr zusätzlich noch eine schriftliche Prüfung ablegen. Hier kann ich nur zu fleißigem Kreuzen auf Thieme Examen Online raten: Ihr werdet in eurer Klausur viele Überschneidungen finden! Ein zusätzliches Wiederholen des Stoffes ist nach der Vorbereitung auf das Testat übrigens überflüssig.

Thieme Examen Online

 

Beim Anatomie-Lernen - Foto: M. Schumacher

 

Berufsfelderkundung

Dieses Fach stellt den einzigen "Sitzschein" dar, denn ihr müsst keine abschließende Klausur antreten. Jedoch besteht die Pflicht, im Rahmen dieses Kurses eine ca. dreistündige Hospitation in einer ambulanten Arztpraxis zu absolvieren und einen entsprechenden Fragebogen auszufüllen. Es bietet sich an, diese Hospitation in den Weihnachtsferien durchzuführen. Schiebt es nicht hinaus, in den kommenden Semestern werdet ihr mehr als genug zu tun haben!

 

Biologie

Bevor Anatomie ebenfalls im ersten Semester stattfand, war die Biologieklausur bei den meisten Studenten die unbeliebteste. Auch hier wird verlangt, sich einer enormen Menge an Lernstoff zu stellen. Mit diesen Tipps lässt sich die Bio-Klausur jedoch locker bestehen: Durch eine kontinuierliche Nachbereitung der Vorlesungen könnt ihr euch in der Klausurenphase viel Zeit sparen. Ansonsten gilt: Besorgt euch (in der Bibliothek) ein für euch ansprechendes Kurzlehrbuch, welches ihr aufmerksam durcharbeitet. Daneben solltet ihr auch die Vorlesungsskripte nicht vernachlässigen, vor allem beim Thema Zellbiologie. Meine wichtigste Empfehlung lautet jedoch: Kreuzt Altklausuren - so viele wie möglich! Denn in allen vier Themengebieten - Zellbio, Allgemeine Genetik, Humangenetik, Mikrobiologie - wiederholen bzw. ähneln sich stets einige Fragen, Jahr für Jahr. Beherzigt ihr diese Ratschläge, sollte es euch leicht fallen, in jedem Bereich die Bestehensgrenze zu erreichen.

 

Chemie

Jeden zweiten Samstag morgens raus aus den Federn und ab auf die Lahnberge: Für dieses Versau-, ähm, Versüßen des Wochenendes können ja nur die Chemiker verantwortlich sein! Im Praktikum müsst ihr zunächst einmal bei euren Saalassistenten pro Semester zwei Kolloquien bestehen. Auf diese kurzen mündlichen Prüfungen bereitet ihr euch am besten ganz einfach mit dem Praktikumsbuch vor. Solltet ihr bei einem Thema wirklich nur noch Bahnhof verstehen, lohnt sich ein kurzes Nachschlagen in einem ausführlicheren Lehrwerk. Für die Klausur in Anorganischer Chemie hat sich exzessives Altklausuren-Rechnen inzwischen für (fast) jedes Semester bewährt.

 

Medizinische Soziologie

…ist unter den Studenten bekanntlich ein nicht ganz so beliebtes Fach. Während ihr die Seminare am besten widerspruchslos über euch ergehen lasst, ist die Abschlussklausur jedoch recht human. Zum Bestehen genügt ein kurzes Nacharbeiten der Seminarfolien sowie das Anschauen der Altklausuren der vorherigen Semester. Ein Kauf des Vorlesungsskriptes ist übrigens nicht empfehlenswert, da dieser Stoff absolut nicht klausurrelevant ist.

 

Medizinische Terminologie

Auch in der medizinischen Terminologie - liebevoll "Termi" genannt - müsst ihr am Semesterende eine Klausur mitschreiben, die mit etwas Sprachgefühl und Fleiß auch ohne jegliche Lateinvorkenntnisse gut machbar ist. Hier ist es besonders wichtig, mit dem Lernen der über tausend Begriffe umfassenden Wortlisten früh genug anzufangen! Vorher empfiehlt sich eine kurze Beschäftigung mit der lateinischen Grammatik, die ihr benötigt, denn dann lernen sich die Vokabeln umso schneller. Vernachlässigt auch die griechischen Begriffe nicht, da in unserer Klausur beispielsweise großen Wert auf die Pathologie gelegt wurde. Wer seine Mitbewohner und Freunde nicht mit Abfragen belästigen möchte, kann natürlich auch den Vokabeltrainer auf k-med nutzen.

 

Physik

Die Klausur zum Physikalischen Praktikum 1 hat vielen Studenten einige Probleme bereitet- so muss es aber nicht sein! Auch ich habe Physik nach der Mittelstufe abgewählt und hatte daher großen Respekt vor diesem Fach. Durch die Protokolle, die ihr zu jedem Praktikumsversuch anfertigen müsst, wird euch der Stoff ohnehin schon näher gebracht. Für die Klausurvorbereitung seid ihr mit dem Einprägen der wichtigsten Formeln sowie dem wiederholten Rechnen von Altklausuren bestens bedient.

Abschließend…

…bleibt zu betonen, dass unabhängig von meinen Tipps natürlich jeder seine eigenen Lernstrategien entwickeln muss. Jedoch können die Erfahrungen von Studenten in höheren Semestern von großem Vorteil sein- in diesem Sinne: Genießt die entspannte Zeit vor den Weihnachtsferien und viel Erfolg im 1. Semester!

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