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  • Ida Reinhold
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  • 25.09.2017

Tipps und Tricks für Histo im 2. Semester

Das zweite Semester wird entspannt? Denkste! Es könnte alles so schön sein, gäbe es da nicht das Fach Histologie – also Gewebelehre. Freu dich auf drei Stunden die Woche im eisig kalten Anatomiesaal, der auch ohne Leichen nach Formaldehyd riecht. Ich verrate dir, wie du unbeschadet durch die schriftliche und mündliche Prüfung kommst.

© Ida Reinhold

Wie ist das Fach Histologie in Marburg aufgebaut?

Das Fach gliedert sich in zwei Bereiche:

  1. Vorlesungen und die erste Klausur des Semesters über die Allgemeine Histologie. Das sind die Grundlagen über die vier unterschiedlichen Gewebearten: Epithelgewebe, Binde- und Stützgewebe, Muskelgewebe und Nervengewebe. Nachdem du dich im ersten Semester durch Extremitäten und allgemeine Anatomie gequält hast, wirst du schnell feststellen, dass Histologie den Namen „MikroANATOMIE“ zurecht trägt, denn vom Lernumfang her ist es mit der Makroanatomie fast gleichzusetzen.
  2. Das Praktikum dient dem mikroskopischen Studium der speziellen Histologie = Organhistologie. Es findet im oben beschriebenen Anatomiesaal statt. Mein erster Survival-Tipp: Auch wenn es draußen 25 Grad sind, zieh dir einen Pullover an, es ist echt kalt dort. Und sorge dafür, dass du nicht mit Hunger/Durst ins Praktikum gehst, denn im Saal sind Essen und Trinken verboten. (Für den Fall, dass es tatsächlich jemanden gibt, der gerne im Präpsaal sein Butterbrot essen möchte.)
Es kommt zwar etwas auf den Professor an, bei dem du das Praktikum hast, aber insgesamt kannst du dich auf eine Vorlesung einstellen, bei der du gleichzeitig zuhören und noch ins Mikroskop schauen musst. Deshalb ist es leider nicht so spaßig und anwendungsorientiert wie das Wort „Praktikum“ suggeriert. Besonders, wenn du schon drei Stunden lang zugehört hast, wie eine Mäuseleber oder der Zahn aufgebaut ist, und du dir nur noch denkst „Wenn schon Leber, dann doch bitte die vom Menschen!“ Und „Sehe ich etwa aus, als würde ich Zahnmedizin studieren?“

Wie bestehe ich die Klausur im ersten Versuch?

Die erste Hürde des zweiten Semesters kommt ziemlich früh, denn man schreibt Histo bereits nach ca. 4-6 Wochen. Man ist noch gar nicht so richtig im Semester angekommen und darauf eingestellt, den Sommer für einsame Stunden in der Bib zu opfern, aber da muss man leider durch.

Meine Tipps:

  1. Besuche für die allgemeine Histo die Vorlesungen - auch wenn du kein Vorlesungsfan bist! Die Klausur wird nämlich vom lesenden Professor gestellt und es ist wichtig zu wissen, auf was er großen Wert legt und auf was nicht. Im Buch hingegen erfährst du das nicht!
  2. Als begleitende Lektüre empfiehlt sich der Welsch oder der Lüllmann-Rauch. Ich bin der Meinung, der Lüllmann-Rauch war sinnvoller für die Klausur und glaube, dass die Marburger Professoren ihn lieber mögen. Abbildungen werden aber so gut wie immer aus dem Welsch genommen.
  3. Kreuz Alt- und Physikumsfragen! Auf Vorbereitung für Punkt 4.: Lass ruhig mal eine Uhr mitlaufen und achte auf maximal eine Minute pro Frage.
  4. Komm früh genug zur Klausur! Meist ist es eine PowerPoint-Klausur. Heißt, die Frage erscheint vorne auf der Leinwand und du kreuzt die Antwort auf dem Zettel vor dir an. Das Problem: Im Audi-Max gibt es gar nicht genug Plätze für alle Studenten, denn es muss ja immer ein Platz freigelassen werden. Die, die spät dran sind, müssen auf der Treppe oder dem Boden sitzen und haben kein Tisch zum Schreiben. Und das ist nicht unbedingt förderlich zur Konzentration.

Wie überstehe ich die mündliche Prüfung?

Mit der mündlichen Prüfung vor Augen erscheint die schriftliche als totaler Klacks. Der Grund? In Marburg gibt es im Präparatekasten 100 Präparate der verschiedensten Organe. Die können alle drankommen und auch andere, denn „es geht ja darum, dass Sie nicht nur auswendig lernen, sondern die Organe erkennen können“, wie die Professoren es liebend gerne betonen.

Die Vorbereitung sollte man clever anstellen. Meine Tricks:

  1. Euer wichtigstes Hilfsmittel: Der Kurskasten, den du online am besten mit Verbindung über das VPN-Netz der Uni aufrufst oder alternativ hier.
  2. Simulier in deinerLerngruppe die Prüfungssituation, indem du per Zufall Präparate raussuchst und deinen Partner „prüfst“, was für Strukturen/welches Organ er sieht und du mit der Maus auf Strukturen zeigst, die er benennen muss. Das bringt richtig viel fürs Lernen und auch noch Spaß! Außerdem übt es das schnelle Erkennen von Organen!
  3. Die Professoren werden zufällig verteilt. Du musst zu dem, der gerade frei ist. Also bringt es wirklich gar nichts, sich vorher verrückt zu machen, denn am Schicksal kannst du nichts ändern. Komm am Tag aber mindestens 30-45 min früher zum Institut, sonst musst du ewig auf die Prüfung warten und das kommt der Konzentration und Nervosität nicht so zu gute.

Anekdoten aus unserem Semester:


  1. Ein Professor legte einem Prüfling ein Präparat auf, das sich nicht im beschriebenen Kurskasten befindet, sondern selbst gefärbt war. Es handelte sich um Pankreasgewebe, der Prüfling dachte aber an laktierende Mamma. Das war natürlich falsch. Der Prof hatte an dem Tag wohl gute Laune, zumindest sagte er: „Das war schwer. Sie dürfen sich nun eins wünschen.“ Ein Hammer-Angebot! Der Prüfling wünschte sich Hypophyse. Der Prof gab ihm ein Präparat. Das Problem? Es war nicht die Hypophyse. Er bestand trotzdem.
  2. Während des Histo-Praktikums nach drei Stunden Vorlesung um 18.00 Uhr abends. Wir sollen einen Querschnitt des Rückenmarks auflegen, wo man spezielle Pyramidenzellen (so dreieckige Nervenzellen) sehen kann. Da sagt mein Sitznachbar: „Oh guck mal, blaue Segelboote.“ Zu seiner Verteidigung sei gesagt: Pyramidenzellen sehen wirklich ein bisschen wie Segelboote aus. Und durch die Färbung eben blau… Achte mal darauf.
  3. Vor meiner Prüfung habe ich mir wie 90% der anderen Studierenden gesagt: Nicht Plazenta und nicht Prüfung bei Professor K. Wer wurde frei, als ich zur Prüfung musste? Natürlich Prof. K. Was war mein erstes Präparat? Plazenta. Ich habe trotzdem bestanden. Also steck den Kopf nicht in Sand, sondern lern fleißig und freu dich auch aufs 2. Semester. Denn auch das ist trotz aller Plagerei supercool! Und falls du spezielle Tipps brauchst: Ich habe immer ein offenes Ohr für dich. Schreib mich einfach an!

 

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