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  • Jing Wu
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  • 16.09.2016

Das mündliche Physikum: Reden, bis die Klinik ruft

Stimmen die Horrorgeschichten vom Mündlichen? Wie bereitet man sich am besten vor? Und: Wie läuft die Prüfung ab?

 

 

Spätestens im vierten Semester Medizinstudium dringen jene Geschichten zu uns Physikumsanwärtern durch. Geschichten über die mündliche Prüfung, in denen von schreienden Professoren und weinenden Prüflingen die Rede ist. Geschichten, die allesamt das Gefühl vermitteln, dass mit dem Eintritt in den Prüfungsraum die Dozenten ihre Menschlichkeit und die Studenten ihr Wissen abgeben würden.


Ich habe die mündliche Prüfung in diesem Sommer abgelegt und kann sagen: Letztlich sind die Tage der Vorbereitung viel schlimmer als die Prüfung selbst, die Prüfer sind auch nur Menschen und wahrscheinlich haftet der einen oder anderen Horrorgeschichte doch eine kleine Übertreibung an.


Der Brief vom Prüfungsamt


Offiziell ist das Prüfungsamt dazu verpflichtet, den Studenten spätestens fünf Werktage vor der Prüfung ein Einschreiben zukommen zu lassen. In diesem Brief steht drin, wann der Student sich wo einzufinden hat. Auf diesem Weg bekommt man zugleich auch die eigenen Prüfer mitgeteilt.
Inoffiziell hängt schon Ende Juli eine vorläufige Liste mit den Prüfungsterminen aus, so dass man nicht dreißig Tage lang zittern muss, um letztlich doch zu erfahren, dass man am letzten Prüfungstag drankommt.


Wenn der ersehnte oder auch weniger ersehnte Brief endlich da ist, gibt es mehrere Reaktionsmöglichkeiten.
a) Ich führe einen Freudentanz auf, weil ich von lieben Dozenten geprüft werde
b) Ich lege mich ins Bett und weine, weil der Nebensatz in a) nicht zutrifft
c) Genug Uni für heute, ich muss jetzt erst mal Wäsche waschen
d) Nur a) und c) treffen zu
e) Keine der Antworten trifft zu
Bitte eine Antwort ankreuzen. So oder so (oder so oder so oder so) – im nächsten Schritt solltet ihr eure Kommilitonen suchen, die am gleichen Tag zur gleichen Zeit von den gleichen Leuten geprüft werden. Dies geschieht am besten über eure Facebookgruppe. Normalerweise treten vier Mitstreiter zusammen an.


Blätter, die die Welt bedeuten


Als nächstes schreibt ihr als Gruppe eine E-Mail an den Prüfungsvorsitz (steht auf eurer Einladung zur Prüfung). Dieser teilt euch dann mit, ob ihr einen Kittel braucht, ob ein Vorgespräch erwünscht ist oder ob sich noch kurzfristig etwas an den Räumlichkeiten geändert hat.
Nun sind die Formalitäten geklärt und die intensive Prüfungsvorbereitung steht an. Dazu gibt es wichtige Blätter, die euch das Lernen um einiges erleichtern. Es geht um die Protokolle, die ihr euch von der Fachschaft abholen könnt. Genauere Infos gibt es hier.
Anhand dieser Prüfungsprotokolle findet ihr die Lieblingsthemen eurer Prüfer heraus und könnt euch mit ihren Fragestilen vertraut machen.


Der große Tag


Der Tag der Prüfung nähert sich schneller, als einem lieb ist. Drei Prüfer (Anatomie, Biochemie, Physiologie) sitzen normalerweise vier Prüflingen gegenüber. Zuerst wird Prüfling Nr. 1 vom ersten Dozenten – angenommen in Anatomie – geprüft. Weiter geht es mit Prüfling Nr. 2 und dem zweiten Fach (z. B. Biochemie). Dann fährt der dritte Prüfer (in diesem Fall in Psychologie) mit Prüfling Nr. 3 fort. Nun rotieren die Prüflinge einmal, sodass jetzt Prüfling Nr. 4 vom ersten Prüfer geprüft wird, Prüfling Nr. 1 vom zweiten Prüfer und so weiter. Klingt auf den ersten Blick kompliziert, aber hey – die Purinbiosynthese ist dann doch komplizierter.


Jede Prüfung dauert höchstens 20 min und auch wenn man somit insgesamt drei oder vier Stunden im Raum sitzt, kommt einem die Zeit viel kürzer vor. Die Prüfer steigen meistens mit ganz allgemeinen Fragen ein und tasten sich langsam voran. Es ist nicht schlimm, wenn man mal etwas nicht beantworten kann. Viele Dozenten geben Hilfestellungen und selbst die strengsten Prüfer aus den Anatomietestaten des ersten Semesters sind im Physikum richtig nett.
Am Ende besprechen sich die Prüfer kurz und teilen uns die Noten mit.
Und in dieser Sekunde fällt die ganze Anspannung von einem ab. Zurück bleibt das Gefühl, die erste Hürde überwunden zu haben.
In den nächsten Wochen steht somit der wohlverdiente Urlaub an – oder das Lernen auf die schriftliche Prüfung.

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